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Zerschlagung von hr2 : Ist das Kulturfunk, oder kann das weg?

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Lauter schöne Logos: hr2 in der Eigenankündigung. Bild: HR/F.A.Z.

Der Hessische Rundfunk „reformiert“ seine Radiokulturwelle hr2. Aus einem kulturellen Vollprogramm wird eine Abspielstation für klassische Musik. Informationsbeiträge entfallen weitgehend. Was halten Kulturschaffende davon? Wir haben nachgefragt.

          Heinz Drügh

          Ins Neverland der Podcasts

          „Die kulturellen Wörter. Das kulturelle Wort. Verreckt. Aus.“ Was die Hauptfigur von Rolf Dieter Brinkmanns Roman „Keiner weiß mehr“ hier herausblafft, gehört in den Kontext antibürgerlicher Polemik um 1968 und meint: „Argumentieren lohnt sich schon nicht mehr.“ Heute ist das natürlich anders, wenn man sich anschickt, das kulturelle Wort – man hofft weiterhin, dass es so nicht kommen wird – „verrecken“ zu lassen. Zur Frage der Reduktion von Wortinhalten auf hr2-Kultur wird von den Granden des Senders vielmehr in feinstem Neusprech argumentiert. Entschieden wie nie werde man ab jetzt – Peter Pan ist nichts dagegen – die netzaffinen jungen Hörerinnen und Hörer „abholen“ in das bunte Neverland der Podcasts.

          Darauf haben sie sicher schon lange sehnsüchtig an ihren Kinderzimmerfenstern gewartet, jene jungen Wilden unter 35, die man, so HR-Hörfunkdirektor Heinz-Dieter Sommer allen Ernstes, mit dem bisherigen Angebot geradezu „diskriminiert“ habe. Gewiss löschen die jungen Medienfreaks schon fleißig ihre Spotify-Accounts, wo hr2 doch in Kürze zu einer prima „durchhörbaren“ leichten Kavallerie wird. Nichts gegen Franz von Suppé. Aber ob das, gewürzt mit ein paar nicht zu schweren Wortminibeiträgen, eine neue Generation von Rundfunkfreunden hervorbringen und als Hörer binden wird, die dann eifrig die weiteren Kontexte auf „hessenschau.de“ oder in der „ARD-Audiothek“ studiert, darf bezweifelt werden.

          Aber gut, wie benennt Christoph Hammerschmidt, Leiter der HR-Kommunikation, die Strategie des Senders noch gleich: „Digital first“. – Kennt man ja: „Bedenken second“, sollen wir notorisch dieselben tragenden Kulturbürger nun wohl ergänzen.

          „Gerade in der digitalen Welt, in der die Auswahl an Programmen schier unendlich ist, ist öffentlich-rechtlicher Qualitätsjournalismus zur Orientierung und Information mehr denn je gefragt“, verlautet indes die ARD-Homepage zur Frage nach Aufgabe und Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Entscheidend für solche Qualität ist und bleibt aber deren journalistische Prägung. Nur das ermöglicht einen ebenso differenzierten Blick ins Herz der Kultur wie in deren Nischen und Randbezirke. Beides erscheint gefährdet, wenn man den Sender auf Mainstream und Widerstandslosigkeit bürstet: wenn man geistige Fahrstuhlmusik aus ihm macht.

          Wo bleiben dann die Berichte über die Donaueschinger Musiktage, wo die Radio-Essays oder die hochwertigen Hörbuchproduktionen mit eigentümlichen Autoren wie Peter Kurzeck? Was wird aus dem Hörspiel, das ja meist als Auftragsarbeit entsteht? Kaum vorstellbar, dass man das alles mit gleicher Intensität für Internetformate weiter produzieren wird.

          Heinz Drügh

          Im Etat der Rundfunkanstalt fehlen laut Haushaltsplan 2019 insgesamt 93 Millionen Euro, das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Minus von 76,5 Millionen Euro abgeschlossen. Das sind Zahlen, die der Verlautbarung des Senders, der Umbau sei „kein Sparprogramm“, sondern eine „Transformation“, zumindest mit Skepsis begegnen lassen.

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