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"Stern" gegen "Bunte" : Im Schatten der Politiker

Nicht heimlich aufgenommen: Franz Münterfering und Michelle Schumann. Die beiden haben im vergangenen Dezember geheiratet. Bild: dpa

Im Auftrag der „Bunten“ soll eine Agentur das Privatleben von Politikern systematisch ausgespäht haben. Das berichtet der „Stern“. Zu den Opfern sollen Franz Müntefering und Horst Seehofer zählen. Die „Bunte“ nennt die Vorwürfe eine „Verleumdung“.

          Das Privatleben von Politikern ist schon lange nicht mehr tabu. Wie weit, warum und wann man es zum Thema macht, das ist eine der heiklen Fragen des Journalismus, sie betrifft nicht nur Klatschblätter.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was der „Stern“ in seiner aktuellen Ausgabe über die Methoden und Absichten der Mitarbeiter der Berliner Foto- und Rechercheagentur CMK berichtet, deutet auf eine Überschreitung der Grenzen hin. Sie sollen Franz Müntefering, Oskar Lafontaine und Horst Seehofer nachgestiegen sein. Besonders frappierend sollen die Recherchen zu dem früheren SPD-Vositzenden angestellt worden sein: Franz Müntefering und seine heutige Frau Michelle Schumann seien seit Ende 2008 über Monate hinweg beschattet worden, Oskar Lafontaine sei Anfang 2008 ins Visier geraten wie auch der CSU-Parteichef Horst Seehofer.

          Bei der Beschattung Münteferings soll der Briefkasten seiner heutigen Frau „manipuliert“ worden sein, es habe auch den Plan gegeben, die Fußmatte vor Münteferings Domizil in der Berliner Wilhelmstraße zu präparieren. Die Darstellung des „Stern“ stützt sich, wie das Magazin schreibt, auf interne Unterlagen der Agentur CMK, unter deren Adresse auch eine Detektivagentur gemeldet sei, und auf die Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der Firma. Die Methoden der Rechercheure, so der „Stern“, glichen auch denen von Privatdetektiven. Sie arbeiteten nach Erkenntnissen dieser Zeitung zumindest so verdeckt, dass den Bewachern des Bundeskriminalamts, die Müntefering bis in den letzten Herbst hinein begleiteten, nichts auffiel.

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          Im Fall Lafontaine sollte eine mögliche Beziehung zu der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht beleuchtet werden, ein Mitarbeiter der Agentur habe versucht, einen Praktikumsplatz bei der Linken zu bekommen, um etwas herauszubekommen, zudem sei geplant gewesen, eine Kamera vor Lafontaines Schlafzimmerfenster zu installieren. Die CMK teilte dem „Stern“ nach dessen Bekunden mit, die Recherchemethoden hätten sich „stets im Bereich des presse- und standesrechtlich Zulässigen“ bewegt.

          Patricia Riekel setzt sich zur Wehr

          Spannend wird die Geschichte vor allem dadurch, dass die Recherchen im Auftrag der Burda-Zeitschrift „Bunte“ unternommen wurden. Deren Chefredakteurin Patricia Riekel bestätigt die Aufträge, bestreitet aber, etwas über unlautere Recherchemethoden gewusst oder diese gar veranlasst zu haben. In ihrer Lesart ergibt sich die Geschichte als eine ganz andere, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung sagt: „Es geht um die Verleumdung eines sehr erfolgreichen Mitbewerbers, nämlich der ,Bunten’“, sagt sie. „Ich sehe das als frontalen Angriff auf einen Mitbewerber, der den ,Stern’ in den letzten drei Quartalen im Einzelverkauf klar abgehängt hat.“ Sie könne nicht verstehen, dass sich der „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn daran auch noch mit einem Kommentar beteilige.

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