https://www.faz.net/-gqz-912kz

„Stern“-Cover zu Trump : Hitlergruß

„Sein Kampf“? Der „Stern“ kommt bei Donald Trump gleich auf Hitler. Bild: Verlag

Donald Trump ist immer für eine Titelstory gut. Das Cover des neuen „Stern“ mit dem Slogan „Sein Kampf“ zeugt jedoch von fehlendem historischen Bewusstsein. Aus der Pleite mit den „Hitler-Tagebüchern“ hat man in Hamburg nicht gelernt. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Donald Trump sorgt für gute Lesequoten und Hitler geht immer. Wie groß muss erst das Aufsehen sein, wenn man Trump auf der Titelseite mit Hitlergruß zeigt und darunter schreibt: „Sein Kampf“? Maximale Aufmerksamkeit ist garantiert und die bekommt der „Stern“ für sein Cover in dieser Woche auch. Könnte damit aber auch den Preis für die stumpfsinnigste Titelei des Jahres gewinnen.

          Bei einem Blatt, das vor Zeiten (1983) den gefälschten Hitler-Tagebüchern aufgesessen ist und damit die journalistische Pleite der Nachkriegszeit gelandet hat, scheint weder das historische Bewusstsein gewachsen zu sein noch ein Sinn für Distinktion. Trump „mit Hitlergruß und dem Untertitel ,Sein Kampf‘ abzubilden, verharmlost das eliminatorische Wirken der Nationalsozialisten und relativiert Hitlers ideologische Propagandaschrift ,Mein Kampf‘“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, gegenüber dem „Tagesspiegel“.

          Mit dem Bild ist das Hamburger Magazin nicht mehr so weit entfernt von all den Darstellungen Angela Merkels in NS-Kluft, die nationalistische Blätter in Polen genauso wie zuletzt gehäuft in der Türkei (der hetzerischen Rhetorik Erdogans folgend) zeigen. Dass derartige reißerische Aufmachung Trumps Unterstützer in ihrer Meinung über die Presse nur bestärkt, scheint in Hamburg auch keiner kapiert zu haben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Böser, als die Polizei erlaubt

          Morde in Hanau : Böser, als die Polizei erlaubt

          Statt zwischen Rechtsextremismus und Rechtsterror zu unterscheiden, sollte man beides bekämpfen. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental.

          Topmeldungen

          Nach dem Terrorakt in Hanau : Zeichen gegen das Gift

          Hanau steht unter Schock: Der Bundespräsident spricht von einer tiefen Wunde. Vertreter der Migranten-Community fordern von Innenminister Seehofer mehr Sicherheit. Und Hessens Ministerpräsident sagt, er könne die Angst verstehen.
          Beweissicherung am Tatort: Deutschland hat ein Problem mit Rechtsterror, das ist nicht mehr zu übersehen. Was jetzt?

          Morde in Hanau : Böser, als die Polizei erlaubt

          Statt zwischen Rechtsextremismus und Rechtsterror zu unterscheiden, sollte man beides bekämpfen. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental.

          Gericht hebt Stopp auf : Tesla darf weiter roden

          Umweltschützer erwirkten im Eilverfahren einen Rodungsstopp auf dem Gelände der geplanten Tesla-Autofabrik. Doch nun hat ein Gericht beschlossen: Die Bäume dürfen gefällt werden. Der Beschluss ist nicht weiter anfechtbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.