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TV-Doku zu Merkel und Schulz : Handreichung für unentschlossene Wähler?

  • -Aktualisiert am

Gegenstück zum amerikanischen Wahlkampf: Angela Merkel und Martin Schulz bei ihrem gemeinsamen Fernsehauftritt Bild: Reuters

Nahaufnahme: Stephan Lamby hat sich „Das Duell – Merkel gegen Schulz“ einmal ganz genau angesehen. Er zeigt, welches Bild die Kandidaten von sich haben und welches sie lieber nicht sehen wollen.

          Etwa die Hälfte der Wähler sind angeblich noch unentschlossen, wem sie bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben wollen. Wenn es stimmt, kann das verschiedene Gründe haben: Das Profil der Kandidaten ist nicht deutlich genug. Das Profil der Programme ist nicht deutlich genug. Der Fall liegt hinreichend klar, aber man sieht sich nicht repräsentiert – da schlägt die Stunde der Populisten. Oder man hat die Absicht, sowieso nicht wählen zu gehen.

          Für die Bewerber geht es im Endspurt des Wahlkampfs vor allem darum, die sogenannten Wählerpotentiale zu heben. Geringe Wahlbeteiligung ist zu Recht ein Schreckgespenst der Demokratie. Es geht um Legitimierung und Repräsentation. Dabei wählen wir Wahlbürger Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler nicht, sondern das Parlament, und entscheiden über dessen Zusammensetzung. Das gehört zum Allgemeingut eines jeden Staatsbürgers. Verfolgt man aber den Wahlkampf und die Berichterstattung, kann man meinen, beim amerikanischen Präsidialsystem angelangt zu sein. Merkel gegen Schulz, das erscheint wie die Neuauflage Hillary gegen Trump auf Sparflamme der Leidenschaft, gänzlich ohne Drama und persönliche Verletzungen. Stichwort „Duett statt Duell“.

          Auch Stephan Lambys Film „Das Duell – Merkel gegen Schulz“ setzt auf das festgefügte Bild der „kühlen Taktikerin und Themenbesetzerin“ gegen den „Mann mit Leidenschaft und biographischen Brüchen“. „Wahlkampf ist ein Höllenritt, sagt man“, so beginnt der Film, mit Bildern Angela Merkels, wie sie am 23. Januar dieses Jahres in Köln zwischen feierlustigen Karnevalisten steht und eine säuerliche Miene macht. Seit drei Tagen ist Trump amerikanischer Präsident. Man sieht, wie sie sich weg wünscht, aber ausharrt. „Das Duell“ ist zunächst ein Film über die Bilder eines Wahlkampfs: Martin Schulz, der auf dem Parteitag der SPD mit hundert Prozent der Stimmen zum Kanzlerkandidaten gewählt wird. Hannelore Kraft, die neben ihm aufschreit und begeistert vom Sitz springt, während Schulz sichtlich um Fassung ringt. Seehofers kalkulierter Affront auf dem CSU-Parteitag, bei dem Merkel halb links hinter ihm steht, irgendwann ihre gestraffte Haltung verliert und die Arme untypisch vor dem Körper verschränkt. Schulz, wie er bei einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift „Brigitte“ mienenspielreich um Worte ringt, als er nach der Liebe zu seiner Frau gefragt wird. Merkel, wie sie bei selbiger Veranstaltung ein Witzchen macht über die Attraktion ihres Mannes.

          Im Gegensatz zu Fragen nach Kleidung und Frisur sind solche Stilbeobachtungen aufschlussreich. Dem Film gelingt es, nicht zuletzt durch überlegte Montage und Kontrastierungen, Authentisches und Inszeniertes zu sortieren. Schöne Bilder sind für jeden Wahlkampf unerlässlich, und die Medien liefern sie, gewollt oder ungewollt. Auch diesen Aspekt greift „Das Duell“ auf. Und beleuchtet auch die anderen, die eher ungewollten Bilder.

          Im Verlauf einer Stunde zeigt der Film ein informatives Resümee des Stands des Wahlkampfs und ein geschärftes Profil der Kontrahenten, die viele eher als Partner denn als Gegner wahrnehmen. Man kann die Dokumentation auch als gedoppeltes Bewerbungsvideo sehen – beide Kandidaten bekommen viel Raum für eigene Ausführungen. Die Interviews bringen kaum Neues, allenfalls versehen Merkel und Schulz ihre Selbstrechtfertigungen mit Schnörkeln, die sie den Wählerinnen und Wählern noch ein wenig näher bringen sollen. In dieser Hinsicht kann man den Film als Hintergrundbericht zum „TV-Duell“ sehen. Interessanter sind Passagen, die den politischen Werdegang beider akzentuiert nachzeichnen („Kohls Mädchen“, „gescheiterter Fußballprofi“) und Positionen und Entwicklungen beider Politiker von Weggefährten kommentieren lassen. Hier funktioniert die Brennglaseinstellung.

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          Auch bei den Kommentatoren geht es um Balance. Tina Hildebrandt („Die Zeit“), Robin Alexander („Die Welt“) und Heribert Prantl ordnen ein. Griechenland- und Flüchtlingskrise, Ehe für alle, G-20-Gipfel, das Verhältnis zur amerikanischen und türkischen Regierung, die Entwicklung des Projekts Europa – es geht einmal quer durch alle Themen. Verbale Klischees des aktuellen Harmlosigkeitsdiskurses inklusive: Von ausbleibendem „Nahkampf“ ist die Rede, „Schattenboxen statt Schlagabtausch?“, wird gefragt, das alliteriert auch schön. Wenn schon der Unterhaltungswert des Wahlkampfs gering ist, ist es allerdings wohl richtig, ihn möglichst spannend auszuschmücken. Lambys Film gelingt dies ohne Verzerrungen.

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