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Berliner Verlag : Neuanfang oder Kahlschlag?

Im Dunkeln: Der Mutterkonzern DuMont spricht von einem radikalen Neustart für die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“. Mitarbeiter, Betriebsräte und Gewerkschaften sehen dagegen den Anfang vom Ende gekommen. Bild: dpa

Die Redaktionen der „Berliner Zeitung“ und des „Berliner Kurier“ gibt es nicht mehr. Stattdessen macht eine „Newsroom GmbH“ die Zeitungen. Viele verlieren ihren Job. Was ist das für ein Plan?

          Der Umbau der „Berliner Zeitung“ und des „Berliner Kurier“ gestaltet sich  in der massiven Weise, in der es die Redaktionen befürchtet haben. Die Zeitungen werden künftig aus einer gemeinsamen „Newsroom“-Redaktion kommen, die 140 Mitarbeiter hat. Fünfzig Redakteursstellen fallen weg. So sieht es der Plan vor, den die DuMont-Mediengruppe am Donnerstag ihren Angestellten in Berlin vorgestellt hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für die Redaktion wird eine neue Gesellschaft gegründet – die „Berliner Newsroom GmbH“. Sie soll am 1. November in den neuen Räumen des Verlags in der Alten Jakobstraße die Arbeit aufnehmen. Zu der 140 Redakteure starken Mannschaft zählen auch dreißig Kollegen der DuMont-Hauptstadtredaktion, welche sämtliche Titel der Gruppe mit Texten beliefert, und der für die Online-Auftritte der Blätter zuständigen Berlin24 Digital GmbH. Chefredakteure werden Jochen Arntz („Berliner Zeitung“), Elmar Jehn („Berliner Kurier“) und Thilo Knott (Digitales). Bis Mitte 2017 soll Prozess der Neuaufstellung abgeschlossen sein.

          Mit Kündigungen ist fest zu rechnen

          Dass es in den bestehenden Redaktionen zu Teilbetriebs- und Betriebsschließungen komme, will die DuMont-Gruppe nicht ausschließen. Im Klartext bedeutet dies: Mit betriebsbedingten Kündigungen ist fest zu rechnen. Und es dürften mehr als fünfzig Mitarbeiter betroffen sein. Die Stellen bei der neuen „Newsroom GmbH“ werden nämlich öffentlich ausgeschrieben, Bewerber von außen können also hinzustoßen.

          Man hätte den „Niedergang“ der beiden Berliner Zeitungen noch zwei Jahre lang begleiten können, sagte der DuMont-Aufsichtsrat und frühere Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Hans-Werner-Kilz, oder man wage eben diesen Neuanfang. Das erfordere die Offenheit, „Strukturen gänzlich und mitunter radikal neu zu denken.“ Nur wenn dieser Neuanfang gelinge, „können wir unseren publizistischen Auftrag sicherstellen“, sagte Kilz.

          „Jeder Dritte soll seinen Job verlieren“

          Der Betriebsrat und der Redakteursausschuss werten den Plan freilich ganz anders. „DuMonts ,Perspektive Wachstum’ ist in Berlin ein Projekt Kahlschlag“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch. „Jeder dritte Beschäftigte in den Redaktionen von ,Berliner Zeitung’ und ,Berliner Kurier’ soll seine Arbeit verlieren“, für die verbleibenden Mitarbeiter sollten sich die Arbeitsbedingungen „drastisch verschlechtern“. Ein solches Szenario habe es nicht einmal gegeben, „als unser Berliner Verlag noch zu den ,Heuschrecken’-Investoren von Mecom gehörte“. Man werde sich „gegen diese unsozialen Abbaupläne wehren. Es gibt Alternativen. Ohne Massenentlassungen. Ohne Tarifflucht.“

          Mit den „Plänen für den Umbau am Standort Berlin gefährdet unser Verlag die Zukunft unserer Redaktion“, sagte der Sprecher des Redaktionsausschusses der „Berliner Zeitung“, Frederik Bombosch. Man begrüße es, dass es endlich eine Strategie für das Digitalgeschäft gebe, doch lasse es sich nicht umsetzen, „wenn die Redaktion auf diese Weise kaputtgespart wird.“ Nehme der Eigentümer DuMont „sein Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus ernst“, müsse er „diese Pläne zurücknehmen.“ Der Deutsche Journalisten-Verband spricht von einem „Desaster für die betroffenen Journalisten“ und einer „Bankrotterklärung des Managements“. Die Gewerkschaft Verdi bewertet den Vorgang als „Kahlschlag“.

          Die DuMont Mediengruppe hatte im Jahr 2015 einen Gewinn von 10,3 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz lag bei 546 Millionen Euro.

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