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Wer steckt hinter WannaCry? : Stehaufmächte

Hat ansonsten immer was zu lachen: In Sachen „WannaCry“ aber fühlt sich Nord-Koreas Staatschef Kim Jong Un zu unrecht beschuldigt. Bild: dpa

Schwarzer Peter, roter Peter: Die Regierung der Vereinigten Staaten macht Nordkorea für den Angriff mit der Schadsoftware WannaCry verantwortlich. Sie vergisst dabei jedoch einen entscheidenden Punkt.

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          Früher hießen sie Baal, Baphomet und Beelzebub. Die digitalen Teufel dieser Tage haben viele Namen. Einer, der im Mai dieses Jahres durchs Netz fegte und Unheil anrichtete, wurde (unter anderem) auf den Namen „WannaCry“ getauft. Er machte mehr als 300.000 Windows-Rechner unbrauchbar, wütete in mehr als 150 Ländern und hinterließ einen finanziellen Schaden von mehr als dreihundert Millionen Dollar. Nur, woher er kam, dass traute sich lange niemand einzuschätzen.

          Nun aber, sieben Monate später, traut man sich auch in Amerika endlich laut zu sagen, was Cyber-Sicherheitsexperten schon kurz nach dem Angriff vermutet, und in London schon im Juni verlautbart wurde: dass nämlich Nordkorea dahintersteckt. Das zumindest behauptete Thomas Bossert, der Heimatschutzberater des amerikanischen Präsidenten, am Montag in einem Gastbeitrag im „Wall Street Journal“. Die Botschaft dahinter ist allerdings die alte, die auch schon von der Administration Obama mit Nachdruck verkündet wurde: dass das Internet kein Spielplatz sei, und solche kostenintensiven Streiche Folgen haben würden. Unterdessen müssen amerikanische Unternehmen wie Facebook Vergeltung üben, indem sie Konten, die mit der „Lazarus“ genannten Hacker-Gruppe (hinter der man Nordkorea vermutet) assoziiert werden, ausfindig machen und löschen.

          Aus dem Herrschaftsbereich von Kim Jong-un hieß es am Donnerstag warnend dazu: „Amerika facht die weltweite Konfrontation gegen uns weiter an, indem es mit Gewalt eine Verbindung zwischen der letzten Cyber-Attacke und der Demokratischen Volksrepublik Korea herstellt.“ So schreibt die Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur. Dass gerade die Vereinigten Staaten, „Quelle allen Übels und ein Staat der weltweiten Cyber-Kriminalität“ Nordkorea „ohne jeden forensischen Beweis“ beschuldigten, könne nur als „Ausdruck tiefverwurzelter Abneigung“ gegenüber der Volksrepublik gewertet werden. Man habe schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass man nichts mit der Sache zu tun habe.

          Aus dem Archiv : Juni 2017: Weltweite Cyberattacke

          In Amerika dient der Fingerzeig auf Nordkorea selbstverständlich auch dazu, die Tatsache zu vertuschen, dass es die eigene National Security Agency (NSA) war, die eine Attacke wie „WannaCry“ erst möglich gemacht hat. Aus dem unzureichend gesichertem Cyber-Waffen-Arsenal der NSA hatten Angreifer schließlich reihenweise Informationen zu Schwachstellen, sogenannten Exploits, gestohlen und diese dann an den Meistbietenden verkauft. Und solange Geheimdienste sich einen Vorteil davon versprechen, digitale Verwundbarkeiten, die Menschen, Unternehmen, Organisationen und Behörden weltweit betreffen, für sich zu behalten und zu nutzen, so lange werden Gruppen wie „Lazarus“ sich immer wieder erheben, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

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