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Steffen Henssler : Ein Kompagnon für Tim Mälzer

Fackelt nicht lange, zumindest nicht bei Crème brûlée: Steffen Henssler in „Hensslers Küche” Bild: NDR/Britta Kohl

Vom Fischmarkt ins Fernsehstudio: Der Hamburger Geheimtipp Steffen Henssler soll sich ab Herbst bei Vox auf Tim Mälzers altem Sendeplatz in die Töpfe gucken lassen. Mit dem Fernsehkoch hat der Sender Größeres vor.

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          Dass Steffen Henssler Kochen lernte, hat - auch - etwas mit einem Lottogewinn zu tun. Den nämlich investierte er vor vierzehn Jahren in seine Ausbildung: Das Geld, das er im Lotto gewann, ermöglichte es ihm, 1993 nach Amerika an die „Sushi-Akademie“ in Los Angeles zu gehen. Dort unterwiesen ihn japanische Lehrmeister streng in der Kunst ihrer Küche. Zwischendurch erholte sich der Zauberlehrling aus Deutschland beim Surfen am Strand. Jetzt steht ihm ein neuer Lottogewinn ins Haus: Von Ende August an soll Steffen Henssler - zunächst für eine Probezeit von zwei Wochen - am frühen Abend um 18.30 Uhr bei dem Privatsender Vox den Kochlöffel schwingen. Er übernimmt die Sendestrecke von Tim Mälzer und dessen „Schmeckt nicht, gibt's nicht“. Mälzer selbst aber bleibt Vox erhalten, der Sender hat mit ihm die abendfüllende Kochshow „Born to Cook“ vor.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dass die beiden sich nicht als direkte Konkurrenten verstehen, lässt sich schon daran erkennen, dass der mittlerweile über alle Maßen prominente Mälzer Vox den Kollegen Henssler erst empfohlen hat. Und er wird ihn, wie der Geschäftsführer von Vox, Frank Hoffmann, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, in fünf aufeinander folgenden Ausgaben seiner „Schmeckt nicht, gibt's nicht“-Show vorstellen, bevor Henssler dann selbst loslegt. Die beiden stünden, meint der Vox-Chef Hoffmann, gleichermaßen für eine „effiziente Küche“ und ergänzten einander „ganz hervorragend“, sie hätten beide Entertainer-Qualitäten, „am wichtigsten aber ist ihre Koch-Kompetenz“. „Die können einfach hervorragend kochen“, sagt Hoffmann. Und genau darauf komme es auch bei Erfolg einer Kochshow an, Show allein reiche nicht, sagt Hoffmann, „wenn nicht gut gekocht wird, sinken die Einschaltquoten.“

          Kochsender Vox

          Dass Henssler ein Talent ist, sagen einem diejenigen, die in Hamburg schon einmal bei „Henssler Henssler“ zu Gast waren, dem Restaurant, dass Steffen Henssler gemeinsam mit seinem Vater Werner führt. Der 1972 im Schwarzwald geborene Filius ist dem Altvorderen auf dessen Stationen gefolgt, er wuchs auf in Hamburg und lernte sein Handwerk auf „Andresen's Gasthof“ in Bargum, wo es, wie er in einem Interview einmal sagte, „schon damals auf der Strecke nach Sylt einen Michelin-Stern und achtzehn Gault-Millau-Punkte“ gab. Der Witzigmann-Schüler Thorsten Ambrosius sei sein Mentor gewesen, sagt Henssler, später arbeitete er mit Axel Henkel in dem Hamburger Restaurant „Zeik“. Im Herbst 2006 wurde Henssler junior von den Lesern der Zeitschrift „Der Feinschmecker“ zum „Aufsteiger des Jahres“ gewählt.

          So nimmt es nicht wunder, dass der Norddeutsche Rundfunk aufmerksam wurde auf den Koch vom Hamburger Fischmarkt, im NDR-Fernsehen trat er im Sommer 2003 erstmals in der ersten „Kochnacht“ und in der Sendung von Rainer Sass auf, dann kam seine eigene Sendung „Hensslers Küche“, von welcher der NDR inzwischen zwei Staffeln produziert hat. Künftig steht Henssler für Vox hinter dem Herd. Schaut man in sein „kleines Küchenlexikon“, darf man erwarten, dass er in Köln wie in Hamburg schnelle, leichte Menüs vorstellt, die Elemente aus der japanischen, der amerikanischen und der heimischen Küche kombinieren. Dem Vox-Chef Frank Hoffmann hat es, wie er sagt, insbesondere Hensslers Thunfisch im Sesam-Mantel angetan.

          Mit Henssler und Mälzer wird von Herbst an bei Vox mehr gekocht denn je. Tim Mälzer verfolgt neben der Show „Born to Cook“, bei der zwei Teams in einem Wettbewerb gegeneinander antreten und ihr Kochwissen und ihre Kochkünste unter Beweis stellen sollen, noch ein weiteres Projekt, an dem Vox ebenfalls beteiligt ist: In „Tims Team“, einer wöchentlichen Dokusoap, will er ein Restaurant eröffnen, das arbeitslose Köche führen. Nach dem geeigneten Objekt wird noch gesucht. Vorbild ist der englische Jungkoch-Zampano Jamie Oliver, der für die Sendung „Jamie's Kitchen“ inzwischen zwei Restaurants etabliert hat, in denen arbeitslose Jugendliche eine Anstellung finden. „Für Kochsendungen haben wir ein Händchen“, sagt der Vox-Geschäftsführer Hoffmann.

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