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Bundesvision Song Contest : Und der Ehrenpreis geht an ...

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Zwei Gewinner an einem Abend: Mark Forster und Moderator Stefan Raab, der sich selbst feierte Bild: dpa

Politisch, platt und prominent: Der diesjährige Bundesvision Song Contest hat trotz einiger Aussetzer nicht enttäuscht. Auch wenn Stefan Raab allen die Show stahl.

          Diese Stille! Das Schönste am diesjährigen Bundesvision Song Contest (kurz: BuViSoCo) ist, dass er vorbei ist. Und, nein, das lag erfreulicherweise nicht an den 16 Beiträgen, die sämtliche Gefühle von Fremdscham über Faszination bis hin zu schierer Fassungslosigkeit hervorriefen. Sondern an schreienden Monstertruckerfahrern (Ferris MC), lärmenden Ungeküssten (Madsen) – und einem ziemlich aufgekratzten Vogel-Menschen (Stefan Raab).

          In den Affektpunsch mischte sich derweil auch etwas Nostalgie: Es war das voraussichtlich zum letzten Mal vom BuViSoCo-Erfinder moderierte Wettsingen der deutschen Bundesländer. Dreimal hat Pro Sieben die Veranstaltung auf einen Samstag gelegt, den Tag, der besonders quotenstarken Sendungen vorbehalten ist: Den ersten BuViSoCo im Jahr 2005, die Jubiläumssendung im vergangenen Jahr – und die gestrige. Seitdem Stefan Raab bekannt gegeben hat, dass er zum Jahresende seine Fernsehkarriere beendet, kommt jeder noch verbliebenen Ausstrahlung seiner Formate damit besondere Aufmerksamkeit zu. Jede Show bestimmt, wie man den Entertainer nach seinem Abgang erinnern wird.

          Nicht in Bestform

          Der 48 Jahre alte Kölner hatte also allen Grund, noch einmal alles zu geben. Umso empörter, oder auch schadenfreudiger – je nachdem, ob man BuViSoCo-Fan ist oder nicht – stellte man fest, dass dem Entertainer der perfekte Ablauf nicht vergönnt gewesen sein sollte: Raab verplapperte sich mehrmals, als er den Zuschauern das wenig komplizierte Anrufsystem erklärte und vergaß den Titel, mit dem die Band „Juli“ den ersten BuViSoCo für Hessen entschieden hatte.

          Brüllte am lautesten: Stefan Raab auf der Bühne mit „Glasperlenspiel“

          Dafür, dass Raab nicht in bester Verfassung zu sein schien, entschädigten die vorproduzierten Einspieler, die wie schon im letzten Jahr vor jeden Auftritt geschaltet waren. Hierbei lief Singer-Songwriter Raab zu Höchstform auf.

          Das Konzept: Raab empfängt im gemütlich eingerichteten Studio einen Act nach dem anderen und kriegt ein Mitbrinsel aus jedem Bundesland. Der Moderator stellt so überflüssige Fragen wie: „Worum geht es in deinem Lied“ (hört man doch gleich!) und anschließend: „Wen zählst du zu deinen musikalischen Einflüssen?“

          Die aufgerufenen Musiklegenden – Deep Purple für PerDu (Saarland), Rammstein für Lary (Berlin), Lauryn Hill für Namika (Hessen) – sind dann die Vorlage für die Jamsession, die sich daran anschließt. Die „TV total“-Hausband „Heavytones“ stimmt einen Hit an, Raab stimmt ein – und anschließend auch der jeweilige Gast?

          Der Spaßvogel stiehlt die Show

          So haben sich das die Anwärter auf die Startnummer beim Eurovision Song Contest wohl gedacht. Nicht aber Raab selbst. Wer sich an seine Lieder „Maschen-Draht-Zaun“, „Wadde hadde dudde da?“ und „Wir kiffen“ erinnert, weiß: in dem Mann schlummert ein Interpret von Weltrang! Und so stürzte sich der Moderator auf jede Gelegenheit, sich zum letzten Mal als solcher zu inszenieren: Er gab den frenetischen E-Drummer für den echten Malle-Sound, zeigte vollen Körpereinsatz, wenn er zu Karnevalsliedern gröhlend im Karree sprang, lieferte diverse, wenig virtuose, aber sehr unterhaltsame Instrumentalsoli, gefolgt von – nun ja, dem Un-Sinn, für den der Wok-WM-Erfinder bekannt ist.

          So trat er zum Beispiel als „Surfin‘ Bird“ auf, ein Wesen, das zum ersten Mal 1963 von „The Trashmen“ besungen und mit folgender lyrischer Tiefsinnigkeit bedacht worden war: „A well a everybody's heard about the bird / B-b-b bird, bird, bird, b-bird's the word / A well a bird, bird, bird, the bird is the word“.

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