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Stefan Raab moderiert das Fernsehduell : Mann und Format

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Ist die politische Talkshow am Ende?

Selbst wenn die Gäste aus dem politischen Nachwuchs kommen oder weniger bekannt sind, sprechen sie doch schon genauso hermetisch und leer wie die Profis, die in den anderen Sendungen sitzen. Kann man eine politische Talkshow am Ende gar nicht mehr anders machen, als sie schon gemacht wird? Und liegt das an der Talkshow? Oder an der Politik? Wer Stefan Raab zusieht, bekommt den Eindruck, dass es am Moderator liegt, was sich nach einem Widerspruch anhört, wo er doch gerade ausgewählt wurde, um es anders zu machen.

Aber Stefan Raab ist in dieser Sendung nicht Stefan Raab. Er ist jemand, der sich informiert hat oder informieren lassen hat, worum es beim Erneuerbare-Energien-Gesetz geht, der sich im Steuerabkommen mit der Schweiz auskennen möchte und der weiß, wie es um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Norwegen steht, weil er dazu eine Studie gelesen hat. Unsicher schaut er immer wieder auf seine Kärtchen und lehnt sich stolz zurück, wenn er ihnen eine Frage entnommen hat, als bezweifle irgendjemand, dass er das kann. Auf einmal sieht es so aus, als habe er Angst, sich zu blamieren, nur weil es in der Sendung nicht um Turmspringen geht, sondern um Politik.

Gleichzeitig geschmeichelt und eingeschüchtert

Stefan Raab ist passiert, was vielen Menschen passiert, wenn sie es mit Politikern zu tun bekommen. Er ist geschmeichelt und eingeschüchtert zugleich. Wie viele Menschen reagiert auch er auf sie deshalb entweder mit Unterwürfigkeit oder Abschätzigkeit, dabei ist keines von beiden eine Reaktion auf Augenhöhe. Wer gehofft hat, dass er, wie er in der Sendung gern betont, als einfacher Bürger einfache Fragen zu Dingen stellt, die er in der Politik nicht versteht, wird enttäuscht. Ein Moment wie der, als er einen Politiker der Linken damit konfrontiert, er habe den Eindruck, die Linke wolle einem nur die Armut schmackhaft machen, während er doch wie jeder andere reich werden wolle, sobald er das sei, komme aber die Linke und nehme ihm alles wieder weg - und damit das Dilemma der Umverteilung auf den Punkt bringt, ist selten.

Nun ist es an sich kein Problem, wenn sich ein Unterhaltungsmoderator letztlich doch nicht als der große Unabhängige erweist, als der er sich gern gibt, und es ihm stattdessen wie allen anderen nur darum geht, dass die Bundeskanzlerin seine Sendung sieht. Es ist eben nur so, dass diese Hoffnung in ihn erst entstand, weil es danach aussah, als sei seine Unabhängigkeit, andere Fragen zu stellen, sein entscheidender Vorteil gegenüber den professionellen Fragern, die man kennt und die es nicht schaffen, die Politiker zu einem Sprechen zu bringen, das man wieder versteht.

Bleibt Raab der Unterhalter, der er ist?

Wer damit angefangen hat, ob die einen so fragen, weil die anderen so antworten, oder umgekehrt, ist am Ende völlig egal. Moderatoren und Politiker verhalten sich im Fernsehen, als seien sie Teilnehmer eines spieltheoretischen Experiments, bei dem derjenige verliert, der zuerst blinzelt. Womöglich hat aber auch derjenige nicht gewonnen, der das am längsten durchhält. Es ist, als wollten beide Seiten unter allen Umständen den Status wahren, den ihnen ihre Aufgabe verleiht, erklären und fragen zu können, was in der Politik passiert. Dafür mag es Formate geben, aber wenn die nicht mehr funktionieren, muss man sie verändern. Nur so konnte ja überhaupt die Situation entstehen, dass ein Unterhalter die wichtigste politische Sendung des Jahres wieder interessant machen soll.

Was immer auch beim Fernsehduell passiert, Stefan Raab hat die Gelegenheit, der zu bleiben, der er ist. Vielleicht gelingt es ihm. Hoffentlich versucht er es. Aber selbst wenn er es nicht schafft, irgendjemand wird kommen und alles anders machen. Was wird das schön.

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