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Stefan Raabs Erfolgsspur : Wadde hadde gudde gemacht?

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Eine schillernde Gestalt mit einer schillernden Karriere: Stefan Raab verlässt das Fernsehgeschäft. Bild: dpa

Vom Jingleproduzenten mit Fleischereifachhintergrund zum deutschen TV-Star: Nach mehr als zwei Jahrzehnten beendet Stefan Raab seine Fernsehkarriere – eine einzigartige Kombination aus Musik, Klamauk und Entertainment.

          Stefan Raab hört auf. Nach mehr als zwanzig Jahren beendet der Schöpfer von Sendungen wie „TV Total“ oder „SSDSGPS“ seine Fernsehkarriere und treibt damit die Suchanfragen und Tweets zu seiner Person in bislang unbekannte Höhen. Die Aktie von ProSiebenSat.1 hingegen fiel nach Bekanntgabe des Ausstiegs.

          Was wird bleiben von seinem Werk? Zunächst das Lied um eine der kuriosesten Nachbarschaftsstreitigkeiten Deutschlands, der „Maschendrahtzaun“, den Stefan Raab 1999 gemeinsam mit der deutschen Country-Band Truck Stop produzierte. Der Song schafft es in die Hitparade und machte Raabs damals noch relativ neue Show „TV Total“ deutschlandweit bekannt.

          „Sie ist orange und größer als ein kleiner Elefant und schon das ganz allein macht die Sache interessant.“ Stefan Raab über die beliebteste Maus im deutschen Fernsehen.

          Raabs Musikkarriere begann aber schon lange bevor sich Regina Zindler über die Knallerbsen des Nachbarn in ihrem Zaun ärgerte. Zum 25. Geburtstag der „Sendung mit der Maus“ machte der Entertainer aus der von Hans Posegga komponierten Titelmelodie einen Hip-Hop-Remix. „Hier kommt die Maus“ schaffte es 1996 auf Platz Zwei der deutschen Hitparade und brachte Raab seine erste goldene Schallplatte ein.

          Um seine Comedy-Songs im ganz großen Stil zu präsentieren, enterte er dann den Eurovision Song Contest. Mit kalkuliertem Seitenhieb gegen den Musikproduzenten Ralph Siegel schickte er als Produzent und Komponist „Alf Igel“ den weitgehend unbekannten Guildo Horn mit „Piep, piep, piep, Guildo hat Euch lieb“ nach Birmingham. Den Zuschauern schien es zu gefallen: Das Lied, das so gar nicht ins Schema der Veranstaltung passte und im Vorfeld für heftige Diskussionen sorgte, landete überraschend auf Platz Sieben (von siebenundzwanzig).

          Zwei Jahre später startete Raab den nächsten Versuch, den Grand Prix wieder nach Deutschland zu holen. In Stockholm stand er mit „Wadde hadde dudde da“ als Komponist und Sänger selbst auf der Bühne. In Eigenregie übertraf er das Ergebnis von 1998 und erreichte im Wettbewerb den fünften Platz.

          Nächster Versuch 2004: Über die „TV Total“-Sendung „SSDSGPS“ oder auch „Stefan sucht den super Grand Prix Star – Ein Lied für Instanbul“ fand er den Sänger Max Mutzke, der mit dem für Raab ungewohnt klassischen Titel „Can't wait until tonight“ den achten Platz erreichte.

          2010 gelang Raab dann sein größter Musikcoup: Endlich, achtundzwanzig Jahre nach Nicoles Siegerlied „Ein bisschen Frieden“ gewann mit Lena Meyer-Landrut und „Satellite“ wieder eine Deutsche den Eurovision Song Contests, der im Jahr darauf in Deutschland stattfand.

          Doch nicht nur musikalisch konnte Stefan Raab einen Erfolg nach dem anderen verzeichnen. Wettkämpfe hatten es ihm ohnehin angetan: „Wok-WM“, „Turmspringen“, „Stock Car Crash Challenge“. Austeilen konnte Stefan Raab immer gut, aber er hat auch einiges weggesteckt. Von Boxweltmeisterin Regina Halmich hat er sich gleich zweimal (2001 und 2007) verhauen lassen. Und in seiner Fernsehkarriere hat er sich auch bei den Öffentlich Rechtlichen durchgeboxt. Beim TV-Duell 2013 durfte er neben Anne Will, Peter Kloeppel und Maybrit Illner Bundeskanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück die wirklich wichtigen Fragen stellen. Das bringt ihm jetzt auch die guten Wünsche der deutschen Politiker zum Abschied ein.

          Bleibt die Frage: Was macht Stefan Raab ab 2016 ohne „TV Total“, ohne Schlittenfahrten auf Kochgeräten und überdimensionale Fußbälle? Interesse an seinem handwerklichen Können gibt es jedenfalls schon. Da muss er jetzt durch.

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