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Stefan Raab tritt ab : Ausstieg total

Was für ein selbstbestimmter Typ Stefan Raab ist, kann man nicht zuletzt in dem Augenblick erkennen, in dem er nun seinen Rücktritt verkündet. Pro Sieben Sat.1 verschickte die Mitteilung seines Abgangs am Mittwochabend um 22.12 Uhr. Raab hatte zuvor eine Sendung aufgezeichnet und wollte seinen Mitarbeitern selbst verkünden, dass er zum Jahresende aufhört. Sie sollten es von ihm erfahren und nicht aus der Presse. So geschah es. Und so geht Stefan Raab, wie er gekommen ist – als ungeschlagener Champion. Als Champion, für den jede scheinbare Niederlage, etwa wenn er sich von der Boxweltmeisterin Regina Halmich eins auf die Nase geben ließ, ein Sieg war. Denn mit jeder Sendung bewies er, wer der Herr im Ring ist und ohne wen in der Arena nichts läuft.

2180 Ausgaben von „TV Total“

Sechzehn Jahre hat Stefan Raab für Pro Sieben auf dem Buckel. Das sind 2180 Ausgaben von „TV Total“ und 52 mal „Schlag den Raab“. Hinzu kommt „Schlag den Star“, die „Wok WM“, Turmspringen, die Pokernächte, die „Autoball WM“ und die „Stock Car Crash Challenge“, nicht zu vergessen den „Bundesvision Song Contest“ – man konnte den Eindruck haben, das Unterhaltungsprogramm vom Pro Sieben sei nichts anderes als eine Endlosfolge von Auftritten ein- und desselben Entertainers.

Bei „TV Total“ allerdings ist seit einiger Zeit ein gewisser Ermüdungseffekt erkennbar. Das ewig gleiche Intro, ein paar Bemerkungen zu Fernsehschnipseln, die Raabs Mitarbeiter gesichtet haben, dann der Promotion-Auftritt eines Prominenten, der etwas zu einem neuen Film, einer neuen Platte, einem neuen Buch, der neuen Tournee zu sagen hat, Musik, zwei drei und – Ende. Raab, der seit Jahrzehnten mit sicherem Instinkt herausfindet, womit er das Publikum bei Laune hält und mit seinen 49 Jahren erstaunlicherweise immer noch als Jugendmagnet wirkt, dürfte gemerkt haben, dass er sich in diesem Aufzug tot läuft. Und gut daran tut, von der Bühne zu gehen, solange er Erfolg hat – als Moderator und Produzent.

Da der Moderator und der Produzent Stefan Raab mehr oder weniger eins sind, sieht es fast so aus, als müsse Pro Sieben im nächsten Jahr stundenlang ein Testbild senden. Der Verlust für den Sender ist groß, gleichwohl sind alle Beteiligten voller Lob füreinander. Raab lobt den Konzernchef, den Senderchef und alle, mit denen er im Laufe der Jahre bei Pro Sieben zu tun hatte (die Liste der geschassten Geschäftsführer ist nicht kurz), und vom Pro-Sieben-Senderchef Wolfgang Link heißt es treffend, mit Raabs „Entschluss, seine TV-Karriere zu beenden, geht eine TV-Ära zu Ende.“ Was die Wirkung für die Unterhaltung im Fernsehen angeht, kann sich mit Raab nur noch Günther Jauch messen, dem es obendrein noch gelungen ist, als Produzent von Sendungen, die er nicht selbst moderiert, auf allen Kanälen erfolgreich zu sein.

Es scheint, als ob Stefan Raab nach drei Jahrzehnten als Rampensau im Rampenlicht zu einer Privatperson werden will. Vielleicht macht er ja auch nur eine Pause. Und kommt als Stefan Raab, der Ältere wieder zurück. Nicht nur Pro Sieben würde ihn garantiert nehmen.

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