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Stefan Aust : Nächstes Jahr sehen wir ihn im Kino

Stefan Aust, Chefredakteur des „Spiegel“, muss seinen Posten räumen. Er selbst gibt sich gefasst und gutgelaunt. Doch Austs Ära endet unwürdig. Dem Magazin steht eine stürmische Zeit bevor.

          Als Rudolf Augstein vor fünf Jahren starb, erschien der „Spiegel“ mit einer bemerkenswerten „Hausmitteilung“. Niemand, hieß es dort, werde Augstein, den Gründer des Magazins, als Herausgeber je beerben können. „Die Schuhe sind zu groß. Sie sich anzuziehen, wäre eine Anmaßung.“ Der Autor dieser Zeilen war Stefan Aust, der Chefredakteur, den Augstein 1994 gegen massiven Widerstand aus der Mitarbeiterschaft auf diesen Posten befördert hatte. Jetzt muss Aust gehen. Nach dreizehn Jahren endet seine Ära, und wir werden sehen, ob die Gesellschafter des „Spiegel“ jemanden finden, dem seine Schuhe passen (Siehe auch: Der „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust muss gehen).

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es ist eine große Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Bloß dort anzuknüpfen, wo Aust nun, da sein Vertrag über den 31. Dezember 2008 hinaus nicht verlängert wird, unfreiwillig aufhört, dürfte schwer fallen. Denn Austs zahlreiche Kritiker verkennen, was er, im Verein mit dem vor knapp einem Jahr ausgeschiedenen Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel, geleistet hat. Während nahezu alle anderen Printmedien an Auflage und Werbeumsätzen verloren, gelang es dem „Spiegel“, die große Zeitungs- und Zeitschriftenkrise ohne rote Zahlen zu überstehen. Die Auflage ist stabil, der Marktanteil hat leicht zugelegt und die rund siebenhundert stillen Teilhaber des „Spiegel“, die in der Mitarbeiter KG organisiert sind, mehr noch selbstverständlich der Großaktionär Gruner + Jahr und die Erben Rudolf Augsteins durften sich Jahresende um Jahresende über eine nette Gewinnausschüttung freuen.

          So modern, wie man sein muss

          Seltsam gestrig und beliebig wirkt die Kritik, die Aust spätestens nachgesagt wird, seit Franziska Augstein dem „Spiegel“ im November 2005 vorwarf, inhaltlich mager geworden zu sein und den Rang eines Leitmediums verloren zu haben. Als ob es den „Spiegel“ als Leitmedium wie zu ihres Vaters Zeiten heute noch geben könnte. Zu wenig aufregende Recherchen liefere das Blatt, heißt es bei den einen, zu wenig links sei das Magazin, bei anderen, zu megaloman gebärde sich der Chefredakteur.

          Dabei ist der „Spiegel“ unter Aust so modern geworden, wie man sein muss, um Konkurrenten wie „Stern“ oder „Focus“ in die Schranken zu weisen. Austs „Spiegel“ ist so, wie der israelische Filmemacher Dan Setton Austs Persönlichkeit einmal knapp beschrieben hat: „straight“, geradeaus, auf der Suche nach der besten Geschichte, dem besten Titel, dem sagenhaften historischen Fund, der besten Reportage, wie sie das Ressort von Cordt Schnibben beisteuert.

          Die gute Recherche, an der es angeblich mangelt, gibt es nach wie vor, verteilt über das ganze Blatt. Die großen Enthüllungen wie in den achtziger Jahren über Flick und die „Neue Heimat“ gab es in der Tat nie wieder. Doch ist die Frage, wer sie stattdessen brachte, rasch beantwortet: niemand. Das Problem ist, dass man in unserer Mediendemokratie denkt, wenn der „Spiegel“ keinen großen Skandal aufdecke, gebe es auch keinen. Und wäre es heute noch eine Ehre, parteipolitisch berechenbar zu sein, wie das Jahrzehnte lang üblich war? Wohl kaum.

          Unwürdiger kann man es nicht machen

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