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Show von Carsten Maschmeyer : Gründerkunde für ein Millionenpublikum

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Lea Lange, Klaus Schieble, Carsten Maschmeyer und Matthew Mockridge (von links) bilden die Jury von „Start Up!“ Bild: Sat.1

Was Donald Trump kann, kann der frühere Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer auch. In der Sat.1-Show „Start Up!“ will er aufstrebende Wirtschaftstalente fördern – und Ausrufe wie „You’re fired!“ vermeiden.

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          Den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung dreimal. Es gab ihn als in der Presse hart kritisierten Gründer des Finanzvertriebs „Allgemeiner Wirtschaftsdienst“ (AWD) und verdeckten Finanzier der Wahlkämpfe von Gerhard Schröder. Und es gibt ihn, nachdem der AWD an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkauft wurde, als Investor verschiedener Start-ups, der mit seiner Frau, der Schauspielerin Veronica Ferres, vermehrt mit netten Privatgeschichten in der Boulevardpresse auftaucht. Und schließlich vollzieht Maschmeyer einen Rollenwechsel, wie ihn der amerikanische Präsident Donald Trump hingelegt hat, bevor er in die Politik ging: Im Fernsehen gibt er seit 2016 den Geschäftsmann, der Aufstrebenden eine Chance gibt. Als solcher macht er sich jetzt sogar selbst Konkurrenz.

          In der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ lässt er sich als einer von fünf Juroren die Produktideen von Gründern präsentieren, hält er eine davon für vielversprechend, bietet er sich als Partner an. „Wenn du mich wählst, können wir noch heute Abend fünfzehn Dax-Chefs anrufen“, sagt er dann zum Beispiel, knapp zwei Millionen Euro hat er seitdem investiert.

          Jetzt geht die zweite, ebenfalls von Sony produzierte Investment-Show mit ihm auf Sendung: „Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?“ Auch hier kämpfen Unternehmer und solche, die es werden wollen, um Maschmeyers Gunst, allerdings haben sie ihm dafür noch keinen Prototyp oder gar Verkaufszahlen zu bieten, sondern nur eine Idee. 35 Projekte stellen die Erfinder in der ersten Folge vor, eingereicht wurden nach Angaben von Sat.1 zweitausend.

          Für „Start Up!“ gibt es kein internationales Vorbild

          Der „Pitch“ ist spannend inszeniert: Die Bewerber präsentieren ihr Konzept im Tieranatomischen Theater der Humboldt Universität Berlin, während ihre Konkurrenten sie von den hohen Rängen kritisch beäugen. Vor ihnen sitzt die Jury, zu der neben Maschmeyer noch Klaus Schieble, Geschäftsführer der Maschmeyer Group, und Lea Lange, Geschäftsführerin und Gründerin des Lifestyle-Onlineshops „Juniqe.de“ gehören.

          Die beiden Geschäftspartner geben sich als „odd couple, um markige Sprüche ist keiner von ihnen verlegen. „Ein Gründer überzeugt mit drei Dingen. Persönlichkeit, Persönlichkeit und Persönlichkeit“, sagt Schieble, „Person geht vor Produkt“, pflegt Maschmeyer zu sagen. Das ist freilich auch das Motto einer jeden Castingshow. Wichtiger als die Wäschekonstruktion „HeinHo“ kurz für „Hemd in Hose“ ist die Tatsache, dass ihr sympathischer Erfinder bei der Präsentation selbst die Hose runterlässt, und auch die Streitlust einiger Kandidaten wird Sat.1 ins Konzept passen.

          Während „Die Höhle der Löwen“ sich an das britische Vorbild „Dragon’s Den“ anlehnt und sich einiges beim amerikanischen „Shark Tank“ abgeschaut hat, verfügt „Start Up!“ offiziell über kein internationales Vorbild. Tatsächlich erinnert das Ganze aber „The Apprentice“, die Show des besagten Donald Trump. Für beide Sendungen werden die Kandidaten über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu einer Wohngemeinschaft und müssen in zwei Teams mit wechselnden Anführern gegeneinander antreten.

          Bei „The Apprentice“ konkurrierten sie um einen Job in Trumps Unternehmen, die Bewerber bei „Start Up!“ wollen ihre eigene Firma gründen. Donald Trump schickte jede Woche einen Kandidaten mit dem Ausruf „You’re fired!“ nach Hause, Maschmeyer bleibt diplomatischer: „Ich möchte mir dir kein Unternehmen gründen“, wird es am Ende jeder Folge heißen, bis der Gewinner übrig ist, den Maschmeyer mit seiner Partnerschaft und einem Start-Investment von einer Million Euro in die Geschäftswelt entlässt.

          „Das Schlimmste an der Sendung war für mich immer, jemanden rauszuschmeißen“, sagt Maschmeyer beim Pressegespräch. Er scheint die Produktion ernst genommen zu haben, erschien er doch nach eigener Aussage deutlich öfter bei den Dreharbeiten als an den festgesetzten zwanzig Tagen. „Ich habe die Verantwortung gespürt. Wir geben hier Gründerkunde für ein Millionenpublikum.“ Von der angekündigten „Produktreise“, also der tatsächlichen Entwicklung der Idee, ist in Folge eins noch nicht viel zu sehen. Stattdessen müssen die Teams eine Busreise für Berliner Touristen organisieren und dabei möglichst viel Gewinn erzielen. Während ein Team mit dem vielbeschworenen Gründergeist glänzt, gibt es im anderen Streit.

          „Gründen ist so spannend, weil es um das Faszinierendste auf der Welt geht. Es geht um die Menschen und die ganze Komplexität der menschlichen Stärken“, schwärmt Maschmeyer. Diese Komplexität publikumswirksam herauskitzeln soll Matthew Mockridge, „Persönlichkeits-Coach“ und Autor des Ratgebers „Dein nächstes großes Ding – Gute Ideen aus dem Nichts“. „Matthew verkörpert für mich genau das, was ich nicht bin. Er ist ein richtig cooler Typ“, sagt Klaus Schieble. Lea Lange bringt indes fröhliche Seriosität in die Sendung und deckelt die Quote der Businessweisheiten. Ob Persönlichkeit als Erfolgsfaktor alles entscheidend ist, wie in „Start Up!“ behauptet, darüber lässt sich streiten. Für den Finanzvertrieb, dem Maschmeyer entstammt, dürfte es wohl stimmen.

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