https://www.faz.net/-gqz-wf7f

Stars und die Medien : Das Leben der anderen

  • -Aktualisiert am

Kein Tag ohne neue Nachrichten von Britney Spears Bild: AFP

Noch nie haben sich so viele Menschen für das Privatleben der Stars interessiert. Und kaum jemand scheint sich der weltweiten Obsession entziehen zu können. Das Publikum will immer noch mehr.

          Am Dienstag, 15 Uhr 35 Ortszeit wurde Heath Ledger von seiner Putzfrau und seiner Masseurin tot in seiner Wohnung in New York gefunden. Nur fünfundsechzig Minuten später meldete die Celebrity-Gossip-Seite TMZ.com im Internet seinen Tod. Die Nachricht beendete das Online-Klatschportal so: „Man hat uns erzählt, dass Heath letzte Nacht mit seinem Model-Girlfriend Gemma Ward zu Abend gegessen hat. Fortsetzung folgt . . .“ Klatsch as usual, der Leichnam ist da noch warm.

          Noch nie haben so viele Leute sich für das Privatleben so vieler Leute interessiert wie heute, noch nie war die Verbreitung von Gerüchten so gut organisiert. Internet-Sites stellen minütlich neue Paparazzifotos online, Hunderte Starmagazine veröffentlichen etwas später dieselben Bilder, im Fernsehen sind verwackelte kleine Filmchen zu sehen, die jemand Prominenten beim Konsumieren von Drogen zeigen. Und das Publikum will immer noch mehr.

          Hunderte Paparazzi liefern Beweise

          In Amerika ist längst von „gossip addiction“ die Rede, von einer Sucht nach Neuigkeiten aus der Welt der Stars. Und tatsächlich hat sich, was einmal relativ harmlos als Klatsch und Tratsch angefangen hat und für Hausfrauen gedacht war, die sich unter der Trockenhaube langweilten, zu einer internationalen, geschlechterübergreifenden Obsession entwickelt, bei der so etwas wie Respekt oder Privatsphäre nicht mehr gilt. Stattdessen regieren Häme und Spott. Im höflichsten Fall eine verlogene Doppelmoral.

          Nur fünfundsechzig Minuten später meldete TMZ.com Ledgers Tod

          Bevor ich fortfahre, mich über diese Entwicklung zu entrüsten und so zu tun, als könnte ich das alles gar nicht verstehen, möchte ich zugeben, dass ich selbst regelmäßig Magazine wie „In Touch“, „Bunte“, „Gala“, „Vanity Fair“, „Hello“, „OK!“ oder „Heat“ kaufe, beinahe täglich im Internet gucke, was es für neue Paparazzifotos gibt, und dass bei jedem Termin, den Prinzessin Caroline von Monaco vor Gericht hat, etwas in mir hofft, sie möge unterliegen und es mögen weiterhin Fotos von ihr zu sehen sein, die sie am Strand zeigen, an der Tankstelle oder im Supermarkt. Ich kann also mit dem Finger auf mich zeigen und fragen: Warum interessiert es mich, ob Jennifer Aniston, eine Frau, die mich nicht kennt, immer noch Single ist? Eine Antwort könnte sein: Weil ich es erfahren kann. Hunderte Paparazzi liefern Beweise, gewissenhaft wie Privatdetektive, und auch so gnadenlos.

          Wer heute noch ein Star sein will, ist selber schuld

          Wahrscheinlich ist die Gier nach Informationen aus dem Privatleben von Stars heute nicht größer als früher - sie wird nur in viel größerem Maße befriedigt. Und wenn einem jemand täglich etwas Neues über das Privatleben anderer erzählen will, warum sollte man es sich dann nicht auch täglich anhören? Am Montag trägt Kate Moss bei einer Shopping-Tour in London schwarze Overknee-Stiefel, am Dienstag trägt sie dieselben Stiefel bei einer Vernissage, am Mittwoch wieder die Stiefel, und dann ist Donnerstag, und sie ist gerade in New York gelandet, und was hat sie an - gibt's doch gar nicht! Das Ganze hat den Charakter einer Live-Daily-Soap, ist mit den schönsten, teuersten Darstellern der Welt besetzt, und es ist auch noch: echt! Die Geschwindigkeit, mit der sich die Neuigkeiten überschlagen, hat einen Reiz, dem nur schwer zu widerstehen ist (man denke nur an die live im Fernsehen übertragene Verfolgung von O. J. Simpson); durch die tägliche Fortsetzung entspinnt sich eine Handlung, deren Inhalt man frei raten kann. Es ist, als verfolge man im Fernsehen eine Serie ohne Ton.

          Weitere Themen

          Man soll sich ja auch mal entsetzen dürfen Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Van Gogh“ : Man soll sich ja auch mal entsetzen dürfen

          Warum sich dieses Opus anfühlt, wie ein Transformers-Film, nur andersrum, und warum man statt mit Popcorn zu werfen weder Adrenalin-Schauer bekommt, noch gerührt das Kino verlässt, aber sich doch vielleicht ein Malen-nach-Zahlen-Buch kauft, verrät Redakteur Dietmar Dath.

          Topmeldungen

          Erzielte das entscheidende Tor: Eintracht-Profi Sebastian Rode

          Frankfurt steht im Halbfinale : Die magische Nacht der Eintracht

          Mit einer furiosen Leistung hat Frankfurt doch noch das Halbfinale der Europa League erreicht. Nach der Hinspiel-Niederlage gelingt gegen Benfica Lissabon nun ein 2:0-Erfolg. Doch die Eintracht hat dabei auch großes Glück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.