https://www.faz.net/-gqz-a8sdr

Greser & Lenz : Auf ins Museum!

Die Übergabe des Greser-und-Lenz-Schatzes Bild: Greser & Lenz

Die Stadt Frankfurt kauft vierhundert Karikaturen des Zeichnerduos Greser & Lenz an. Das Caricatura-Museum für komische Kunst baut damit seine Sammlung entscheidend aus, und ein ganzes Genre wird in seiner Bedeutung gewürdigt.

          2 Min.

          Am Donnerstagabend tagte der Kultur- und Freizeitausschuss der Stadt Frankfurt. Nicht eben ein Ereignis, bei dem üblicherweise Epoche gemacht wird. Diesmal war es anders: Der Ausschuss genehmigte einen Antrag der städtischen Kulturdezernentin Ina Hartwig zum Ankauf von vierhundert Karikaturen des Zeichnerduos Greser & Lenz. Er sorgt damit dafür, dass die beiden Aschaffenburger Zeichner schon zu Lebzeiten museal werden.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Denn das Konvolut wird die Sammlung des Caricatura-Museums für komische Kunst erweitern. Und das ist die zweite sehr gute Nachricht: Es handelt sich um den ersten großen Ankauf der Stadt für sein Museum seit dessen Eröffnung vor dreizehn Jahren. Damals hatte Frankfurt gleich vier umfangreiche Karikaturenbestände auf einmal erworben: von Hans Traxler, Chlodwig Poth, F.W. Bernstein und Robert Gernhardt, vier Protagonisten der „Neuen Frankfurter Schule“, jener Satirikergruppe, die über die Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ das deutsche Humorverständnis revolutioniert hat. Die Präsentation dieser überregional bedeutenden Frankfurter Arbeiten war ein Riesenerfolg; das Caricatura-Museum wurde aus dem Stand zu einem der besucherstärksten der Stadt.

          Ein Wermutstropfen war jedoch damals das Misslingen eines Ankaufs von F.K. Waechters Werken, dem fünften Zeichner der Gruppe, dessen Nachlass dann geschlossen ans Wilhelm-Busch-Museum nach Hannover ging. Solch eine Abwanderung wollten Stadt und Museum nicht noch einmal erleben, doch im Fall der gleichfalls der „Titanic“ nahestehenden Zeichnerin Marie Marcks geschah genau das wieder – auch ihr Nachlass ging nach Hannover. Denn Frankfurt gewährte jahrelang seinen Museen keinen Ankaufsetat mehr.

          Offen für Umweltsünder: eines der vierhundert von der Stadt Frankfurt angekauften Blätter des Zeichnerduos Greser & Lenz Bilderstrecke
          Acht aus vierhundert Blättern : Aus dem Schaffen von Greser & Lenz

          Das hat sich dank Ina Hartwigs Einsatz seit einem Jahr geändert, und der Ankauf der vierhundert Karikaturen von Greser & Lenz, der an diesem Freitag auf einer Pressekonferenz des Caricatura-Museums bekanntgegeben wurde, ist ein erstes Resultat des hocherfreulichen neuen städtischen Engagements für die Museen. Und es trifft die richtigen Zeichner, denn Achim Greser und Heribert Lenz stehen in der Tradition der Neuen Frankfurter Schule und wurden bei „Titanic“ groß. Heute erinnern sie sich daran so: „Persönliche Begegnungen mit den Protagonisten der Neuen Frankfurter Schule waren so aufregend wie der Papstbesuch für einen jungen Ministranten oder das erste Petting-Date für einen Teenager. Dass wir mit dem Ankauf unserer Bilder für das Caricatura-Museum nun unter das Dach des Tempels geraten, der das Andenken an die Zeichner der NFS hochhält, ist ein tränentreibendes Glück für uns und erfüllt uns mit unermesslichem Stolz. Das ist kein Witz.“

          Umso witziger sind die vierhundert Zeichnungen, die das Museum aus dem gewaltigen Schaffen des Duos ausgewählt hat. Thematische Schwerpunkte sind Politik, deutsche Geschichte und die Stadt Frankfurt. Der Großteil davon ist für die F.A.Z. entstanden – seit 1996 sind Greser & Lenz für das Blatt tätig, mittlerweile sind sie dessen Hauszeichner. Der Ankauf ist also pünktlich zum 25. Jahrestag dieser Zusammenarbeit auch die Anerkennung dafür, dass hier für eine Tageszeitung etwas geschaffen wurde, das weit über Tagesaktualität hinausgeht. Diese Zeichnungen sind ein Gesellschaftsporträt unseres Landes. Im Zerrspiegel der Karikatur erkennt man sich leichter. Und amüsanter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer noch beliebt bei der Basis – Donald Trump, hier als Figur in Gold.

          Konferenz der Konservativen : Will Trump 2024 wieder antreten?

          Donald Trump hält die erste Rede nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus. Auf einer Konferenz der Konservativen geht es um den Führungsanspruch bei den Republikanern. Wird es der Startschuss für sein Comeback?
          Die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim, hier auf ihrem YouTube-Format „maiLab“.

          Mai-Thi Nguyen-Kim im Gespräch : Lager bilden hilft nicht

          Wir brauchen ein besseres naturwissenschaftliches Grundwissen, um uns gegen Desinformation zur Wehr zu setzen. Ein Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.