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Strafanzeige gegen Relotius : Hamburger Staatsanwaltschaft prüft Betrugsverdacht

  • Aktualisiert am

Der „Spiegel“ hat selbst Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Redakteur gestellt. Bild: AFP

Jetzt wird die Fälschungs-Affäre beim „Spiegel“ zum Fall für die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft die Strafanzeige des Nachrichtenmagazins.

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          Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat sich nun des Betrugsfalls beim „Spiegel“ angenommen. Gegen den ehemaligen Redakteur Claas Relotius sei ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet worden, erklärte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Es bestehe der Verdacht des Betrugs.

          Inhaltlich geht es um den Umgang des ehemaligen Redakteurs mit Spendengeldern, die er im Zusammenhang mit seinen teilweise oder vollständig erfundenen Reportagen erhalten hat. Die Strafanzeige wurde jedoch noch nicht geprüft, wie der Branchendienst „Meedia“ meldet. Die Entscheidung darüber, ob ein begründeter Anfangsverdacht gegen Relotius besteht, liegt bei der Staatsanwaltschaft. Erst danach klärt sich, ob Ermittlungen aufgenommen werden. „Wann in der Sache eine Entscheidung getroffen werden kann, ist derzeit noch nicht abzuschätzen“, so die Sprecherin.

          Anfang Januar hatte der Verlag darüber informiert, dass „alle bisherigen Erkenntnisse und Hinweise zur möglichen Veruntreuung von Spenden durch Relotius an die Staatsanwaltschaft” geschickt wurden.

          Kommission zur Aufklärung

          Nachdem der „Spiegel“ über die Veruntreuungen berichtet hatte, ließ Relotius über seine Anwälte mitteilen, er habe zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, Spenden für sich zu behalten. Tatsächlich habe er den eingesammelten Betrag von insgesamt 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen. Die Diakonie Katastrophenhilfe bestätigte Ende Dezember den Eingang einer Spende. Das Geld sei für ein Gemeindezentrum im Nordirak verwendet worden, das sich um vertriebene Kinder aus dem Irak und Syrien kümmere. Ein Betrugsverdacht könnte aber auch bei Weiterleitung sämtlicher Spenden gegeben sein – vorausgesetzt, der Reporter hat die Spender über den tatsächlichen Spendenzweck getäuscht.

          Relotius hatte über Jahre hinweg Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden, wie das Nachrichtenmagazin Mitte Dezember selbst berichtete. Auch andere Medien, für die der 33 Jahre alte Reporter tätig war, sind betroffen. Seit Anfang Januar arbeitet beim „Spiegel“ eine Kommission an der Aufklärung des Falls, die aus der freien Journalistin Brigitte Fehrle, dem Nachrichtenchef Stefan Weigel sowie dem Interims-Blattmacher Clemens Höges gehört. Als freier Journalist hatte Relotius für viele verschiedene Zeitungen geschrieben (drei Texte von ihm erschienen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sie werden jetzt noch einmal überprüft).

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