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Springer verkauft Zeitungen und Magazine : Der springende Punkt

Axel Springer trennt sich von seinen Zeitschriften und Regionalzeitungen. Der Konzern will es den Online-Oligopolisten gleichtun. Für die Anbieter von Qualitätsjournalismus muss der Absprung kein schlechtes Zeichen sein.

          Das ist ein Zeichen: Der Springer-Verlag stößt für 920 Millionen Euro seine Regionalzeitungen und Zeitschriften ab. Die Funke-Gruppe, vormals WAZ, übernimmt und avanciert damit endgültig zur Regionalzeitungsmacht Nummer eins im Land. Springer hingegen konzentriert sich, was die gedruckten Medien angeht, auf die „Bild“- und die „Welt“-Gruppe. Das sei ein Kernpunkt der Digitalstrategie des Konzerns, heißt es. Man kann es aber auch - etwas überspitzt - anders formulieren: Springer gibt „Print“ auf und verabschiedet sich langsam aber sicher von dem damit verbundenen Journalismus. Denn „Bild“ und „Welt“ existieren zwar noch auf dem Papier, beugen sich aber längst dem Diktat „online first“. Aus dieser Losung dürfte über kurz oder lang „online von A bis Z“ werden.

          Das könnte man nun abermals als Fingerzeig auf den vermeintlichen Niedergang des Zeitungsjournalismus nehmen, doch handelt es sich hier eindeutig um eine Causa Springer. Der Konzern sieht, wie leicht gigantische Konzerne wie Google und andere im Internet Geld verdienen und wie schwer es ist, mit journalistischer Qualität Rendite zu machen. Und daraus zieht Springer den Schluss, es den Online-Oligopolisten gleichzutun. Das ist die Lehre aus dem Besuchszirkus, den führende Vertreter des Konzerns im Silicon Valley aufgeführt haben.

          Ein Verlag ist Springer die längste Zeit gewesen

          Jetzt gibt Konzernchef Döpfner, der gern als „Erbe“ oder „Enkel“, jedenfalls als Lordsiegelbewahrer von Axel Cäsar Springer bezeichnet wird, sogar einen Titel wie die „Hörzu“ ab: das ist die Gründungsmarke des Konzerns schlechthin; mit einer Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren ist die Zeitschrift nach wie vor profitabel. Die Funke-Gruppe bekommt sogar noch Geld geliehen, damit sie sich die Übernahme leisten kann. Das ist ein weiterer Schritt bei der Entstehung von Supersystemen. Es entsteht ein Superregionalzeitungskonzern, und es gibt einen Möchtegern-Superdigitaljournalismuskonzern.

          Nebenbei fragt man sich, was Springers Kampf um das Leistungsschutzrecht für Verlage eigentlich sollte. Ein Verlag ist Springer die längste Zeit gewesen. Für die Anbieter von Qualitätsjournalismus, der sich auch oder vor allem auf gedrucktem Papier präsentiert, muss der Absprung Springers kein schlechtes Zeichen sein.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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