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Döpfner zum Fall Reichelt : Vor dem Abflug

Hat vor dem Flug nach Amerika noch etwas zu sagen: Mathias Döpfner Bild: dpa

Kurz vor seinem Abflug nach Washington, den Mathias Döpfner antrat, um den Kauf der Mediengruppe Politico zu besiegeln, wandte sich der Springer-Chef mit einer Videobotschaft an seine Mitarbeiter. In ihr geht es um den gekündigten Bild-Chef Julian Reichelt – und um ihn selbst.

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          Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner musste am Mittwoch dringend weg – nach Washington. Denn dort stand der erste große Auftritt vor neuen Mitarbeitern an, nämlich denen der Mediengruppe Politico, die Springer gerade für mehr als 630 Millionen Euro gekauft hat. Doch zuvor wandte sich Döpfner mit einer Video-Botschaft an alle der insgesamt rund 16.000 Angestellten des Verlags, um sich zum Fall des fristlos entlassenen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt zu erklären. Dabei geht es auch um die Kritik, der sich der Springer-Chef selbst ausgesetzt sieht. Kritiker halten ihm inkonsequentes Handeln und ein schräges Demokratieverständnis vor und stellen die Frage, ob er als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) am richtigen Platz sei.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In seiner knapp sieben Minuten lange Rede wiederholt Döpfner, was Springer in den vergangenen Tagen kundtat: Im Fall Reichelt sei es niemals um Vorwürfe des Sexismus, sexueller Übergriffe oder sexuellen Missbrauchs gegangen, sondern um einvernehmliche Beziehungen, die Reichelt zu Mitarbeiterinnen unterhalten habe, deren Vorgesetzter er war, die deshalb Vorteile bekommen hätten. Im Hintergrund hätten Männer agiert, „allesamt ehemalige Mitarbeiter von Bild“, denen es darum gegangen sei, Reichelt wegzubekommen, „dabei wurde ein drohender, teilweise fast erpresserischer Ton angeschlagen“, so Döpfner.

          Zwiespältiges Ergebnis

          Das Ergebnis der Compliance-Untersuchung im Frühjahr sei zwiespältig gewesen und habe festgehalten, dass Reichelt zumindest in einem Fall eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin unterhielt. Darüber habe man im Vorstand und im Aufsichtsrat diskutiert und dies als schweren, aber nicht „unverzeihlichen“ Fehler benannt. Reichelt habe eine zweite Chance bekommen sollen. Nun aber habe man, als verschiedene Medien Recherchen unternahmen, zwei Zeugenberichte erhalten, die darlegten, dass Julian Reichelt sehr wohl noch eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin unterhalte, was er zuvor bestritten habe. Damit habe man Reichelt konfrontiert, erst dann habe er die Beziehung zugegeben. „Damit war klar“, so Döpfner: „Erstens, er hat aus den Fällen von damals nichts gelernt. Zweitens, er hat uns nicht die Wahrheit gesagt. Und damit war klar: Wir mussten sofort handeln und wir haben die Chefredaktion von Bild neu aufgestellt und Johannes Boie als neuen Vorsitzenden der Chefredaktion installiert.“

          Das alles sei „sehr schlimm“, aber es handele sich nicht um ein Kulturproblem des gesamten Springer-Verlags, es gehe um Bild. Springer, so Döpfner müsse „ein Vorbild sein, was moderne, respektvolle, diverse Unternehmenskultur betrifft“. Die Behauptung, man habe Einfluss auf die Berichterstattung im Fall Reichelt nehmen wollen, wies Döpfner als „unwahr“ zurück. Zu dem Zitat aus einer SMS, die er dem Publizisten Benjamin Stuckrad-Barre schickte, sagte er, sie sei aus dem Zusammenhang gerissen, sie sei kein Tweet und stelle keine öffentliche Rede dar, es gehe hier um Polemik, Ironie und Übertreibung in einer privaten Unterhaltung, nicht um eine Grenzüberschreitung. In der fraglichen SMS hatte Döpfner geschrieben, Julian Reichelt sei – mit Blick auf die Corona-Politik der Bundesregierung – ein „Rebell“, der Einzige, der gegen „den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre, „fast alle anderen“ seien „zu Propaganda-Assistenten“ geworden.

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