https://www.faz.net/-gqz-8fq32

Böhmermann-Streit : Döpfner hat laut gelacht

  • Aktualisiert am

Jan Böhmermann bekommt Rückendeckung. Bild: dpa

Der Chef des Springer-Konzerns solidarisiert sich im Streit um das Erdogan-Gedicht mit dem Satiriker Jan Böhmermann. Dem ZDF wirft Mathias Döpfner Doppelmoral vor. Und die Bundesregierung unterwerfe sich gleich ganz.

          2 Min.

          Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des Springer-Konzerns, würde – falls es dazu je kommen sollte –, gerne mit dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann angeklagt werden. Das schreibt Döpfner in einem in der „Welt am Sonntag“ abgedruckten Offenen Brief, in dem er sich den Wortlaut von Böhmermanns „Schmähkritik“ betitelten Erdogan-Gedicht aus der Sendung „Neo Magazin Royale“ ausdrücklich zu eigen macht: „Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen.“

          Es gehe nicht darum, Böhmermanns Text als geschmacklos, primitiv oder beleidigend auszuweisen, denn das zu demonstrieren sei gerade Sinn der Satire gewesen, schreibt der Springer-Chef: „Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht.“ Böhmermanns Aktion sei Kunst und es sei erstaunlich, dass wegen der Satire in Deutschland „eine Art Staatskrise“ ausgebrochen sei. Es handle sich um einen „Kristallisations- und Wendepunkt“ in diesem Land: „Man könnte das Ganze auch einfach Kotau nennen. Oder wie Michel Houllebecq es in seinem Meisterwerk über die Selbstaufgabe des demokratischen Abendlandes im Titel formuliert hat: die Unterwerfung.“

          „Ein Kunstwerk“

          Böhmermann wollte – wie Döpfner schreibt – nach der „ziemlich lendenlahmen“ Erdogan-Satire des NDR-Magazins „extra 3“ die „illiberale Reaktion des türkischen Staatspräsidenten ironisieren und durch Maximalprovokation die Leute verstören, um sie darüber nachdenken zu lassen, wie eine Gesellschaft mit Satire und – noch viel wichtiger – mit der Satire-Intoleranz von Nichtdemokraten umgeht. Ein Kunstwerk.“

          Ihn, so Döpfner weiter, erinnere das „ein wenig an die vermutlich berühmteste Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger. Sie zeigt, in verschiedenen Versionen in Holz geschnitzt, einen ans Kreuz genagelten lächelnden Frosch.“ Beim Spott über religiöse Gefühle, respektive den christlichen Glauben sei in Deutschland alles möglich, nicht aber bei einem türkischen Spitzenpolitiker. Dem ZDF hält Döpfner eine Doppelmoral vor, weil es Böhmermanns Beitrag lösche, zugleich aber „einen Hashtag ,Fick dich, Bild-Zeitung´ ins Leben ruft und sich dazu die Domain "fickdichbildzeitung.com" sichert“.

          Auf diesen Hinweis reagierte das ZDF offenbar: Die Website ist nicht mehr erreichbar, wie der Online-Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Julian Reichelt, auf Twitter feststellte.

          Jan Böhmermann hatte am Freitagabend für seine Varoufakis-Scharade aus dem vergangenen Jahr in Abwesenheit den Grimme-Preis für Unterhaltung und die „besondere Ehrung“ des Deutschen Volkshochschulverbands erhalten. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat nach mehr als zwanzig Anzeigen, die gegen Böhmermann und namentlich nicht genannte Verantwortliche im ZDF eingegangen sind, Vorermittlungen wegen Beleidigung aufgenommen.

          Weitere Themen

          Die Beteiligte

          Ulrike Edschmid wird achtzig : Die Beteiligte

          In Ulrike Edschmids Werken spielen starke Frauen die Hauptrolle. Was sie erzählt, hat in ihrem eigenen Leben stattgefunden. Doch ihr Schreiben weist weit über die eigene Person hinaus. Der Schriftstellerin zum Achtzigsten.

          Pauschale Singverbote sind übertrieben

          Aerosole und Chöre : Pauschale Singverbote sind übertrieben

          Eine neue Studie der Charité und der Technischen Universität Berlin legt Daten auf den Tisch, die Chören das Arbeiten möglich machen – eine belastbare Grundlage für Diskussionen mit der Politik.

          Topmeldungen

          Eines der großen Anliegen unserer Zeit: Nach der Demo bleibt das durchweichte Schild.

          Kampf um Meinungsfreiheit : Das große Unbehagen

          Mehr als 150 Intellektuelle protestieren gegen ein erstickendes Meinungsklima und Repressalien gegen Andersdenkende. Dabei werfen sie vor allem dem Journalismus, den Wissenschaften und Künsten Intoleranz und Moralisieren vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.