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Spielfilm : Der wahre Held der „Landshut“

Aus den Recherchen wird ein Spielfilm

Sein Büro, an der Prinzregentenstraße in München, ist eine Arbeitshöhle. Remy sitzt hinter einem eichenen Schreibtisch und raucht. Bücher und Akten stapeln sich bis unter die Decke. Draußen matschregnet es, Novemberstimmung. Remy hat sich schon lange vor dem dreißigjährigen Jubiläum um den Herbst 1977 gekümmert. Er hat bei der Bundesregierung nach Akten gefragt, bevor andere sie sehen wollten, und er hat sie - nicht bekommen. Was in den Iden des Oktober 1977 geschah, bleibt unter Verschluss, als Staatsgeheimnis. Worüber sich Remy nicht wenig aufregt. Für eine Demokratie, sagt er, sei dies ein beschämender Umgang mit der Wahrheit. In puncto Transparenz könne man von den Amerikanern viel lernen. Und bei uns? „Ein einziger Graubereich.“

Doch Remy hat sich Quellen erschlossen, die ihn zunächst auf die Spur des palästinensischen Terrorpaten Wadi Haddad führten. Haddad stand, wie man heute weiß, in Diensten des KGB. Im März 1977, wenige Wochen vor der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback, weilte Haddad in Moskau, er war der große Organisator des Linksterrorismus in Europa und Asien, nicht weniger als neun Flugzeugentführungen gehen auf sein Konto. Die Kaperung der „Landshut“ sollte sein Meisterstück werden, doch sie geriet zum Fiasko. Wenige Monate nach Mogadischu starb Haddad - in einem Krankenhaus in Ost-Berlin, angeblich an Herzversagen.

Der KGB, die Palästinenser, die RAF, die Urlaubermaschine, ein toter Kapitän: Der Rechercheur Remy fügte einen Baustein zum andern - für einen Dokumentarfilmer nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist, dass aus seinen Recherchen ein Spielfilm wird: „Mogadischu“, im nächsten Frühjahr zu sehen in der ARD, produziert von Gabriela Sperl und Nico Hofmann und der Firma Teamworx.

Einsamer Kampf gegen die Entführer gefochten

Sie drehen in diesen Tagen nach einem Buch, von dem Remy neun Fassungen gefertigt hat, bis es passte. In einem Hangar im alten Flughafen von Casablanca steht die „Landshut“ nun, eine ausgemusterte 737 der Royal Air Maroc, frisch umgespritzt in den Farben der Lufthansa. Hier setzen der Regisseur Roland Suso Richter und der Kameramann Holly Fink den Terror in Szene. Im Flugzeug sind es 45 Grad, die Luft ist unerträglich, unter den Sitzen türmt sich der Müll.

Das ist die Methode des Regisseurs Richter: Er schafft Räume, in denen die Schauspieler gar nicht aus ihrer Rolle fallen können. Das war bei der Feuersbrunst so, die Richter bei den Dreharbeiten zu „Dresden“ entfachte, und das ist jetzt, in Casablanca, nicht anders. Fünfzehn Stunden am Tag schuftet der Kameramann Holly Fink, ein sensibler Berserker, mit der Handkamera, schaut den Protagonisten über die Schulter und in die Gesichter. Nadja Uhl spielt die Stewardess Gaby Dillmann, der Schauspieler Saïd Taghmaoui verkörpert den sadistischen „Kapitän“ Mahmud. Mit Thomas Kretschmann, der Schumann spielt, liefert er sich einen Zweikampf auf Leben und Tod.

Der Kapitän, das erkennt man während der Dreharbeiten, hat einen einsamen Kampf gegen die Entführer gefochten. Er hat die Informationen nach draußen geschmuggelt, die der GSG 9 verrieten, dass es sich um vier Entführer handelte und wie sie bewaffnet waren. Gleich nach der Erstürmung hat der Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener, das hervorgehoben. Einmal bestellte Schumann aus dem Cockpit vier Stangen Zigaretten - „zwei von der einen, zwei von der anderen Sorte“ -, die Verfolger interpretierten richtig, dass zwei Männer und zwei Frauen das Geiselkommando bildeten.

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