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Fälschung beim „Spiegel“ : „Relotius hat sich davor gedrückt, seine Arbeit offenzulegen“

Ist mit Preisen überhäuft worden: Claas Relotius Bild: EPA

Der „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius hat Artikel gefälscht und bekam dafür Preise – auch vom Reporter-Forum, das Cordt Schnibben gegründet hat. Der langjährige „Spiegel“-Redakteur zeigt sich im Interview entsetzt und erklärt, wie es dazu kommen konnte.

          6 Min.

          Herr Schnibben, Sie haben 2007 das Reporter-Forum gegründet, das den Deutschen Reporterpreis vergibt. Viermal hat den seitdem Claas Relotius gewonnen, der jetzt als Betrüger aufgeflogen ist. Was bedeutet das für Ihren Preis?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Es bedeutet erst mal sehr viel für den Journalismus. Ich habe ganz schlecht geschlafen heute Nacht, weil wir in diesen Zeiten als Journalisten sowieso große Probleme haben, glaubwürdig rüberzukommen. Einerseits durch ideologische Vorhaltungen, andererseits können die Leute unsere Arbeit durch das Internet viel stärker kontrollieren, kritisieren und auch verbessern – was ja gut ist. Ein Journalistenpreis hat die Aufgabe, Anreiz für Journalisten zu sein, sauber zu arbeiten. Sie sollen gründlich recherchieren und ansprechend formulieren. Dafür einen Anreiz zu bieten, ist in diesen Zeiten besonders wichtig. Wenn man sich am 3. Dezember die Rede von Preisträger Ronan Farrow angeschaut hat, der für seine investigativen Leistungen beim Thema Weinstein und #Metoo von uns ausgezeichnet wurde, ist das genau der Gegenentwurf zu Relotius. Der saß währenddessen im Saal. Wenn ich mich in seinen Kopf hinein versetze, müsste er vor Scham im Boden versunken sein. Stattdessen ist er auf die Bühne gegangen und hat den Preis entgegengenommen.

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