Hans folgt Harms : „Spiegel-Online“-Chef abberufen
Der „Spiegel“ verfügt seit Jahren über einen ausgesprochen hohen Chefredakteursverschleiß und regelt Personalfragen vornehmlich im Konflikt-Modus. Jetzt hat es Florian Harms erwischt, den Chef von „Spiegel Online“. Er sei abberufen worden und werde das Unternehmen verlassen, teilte der Verlag an diesem Dienstag in knappester Kürze mit.
Harms, sagte der Geschäftsführer von „Spiegel Online“, Jesper Doub, habe „maßgeblich“ dazu beigetragen, dass das Portal als „führendes journalistisches Angebot im deutschsprachigen Internet hervorragend aufgestellt“ sei. Florian Harms war seit Januar 2015 Chefredakteur, für „Spiegel Online“ wirkte er seit 2004. 2007 übernahm er das Zeitgeschichtsressort „einestages“, 2008 wurde er Chef vom Dienst, 2011 stellvertretender Chefredakteur.
Sein Rauswurf kam plötzlich und wurde den Mitarbeitern bei einer ad hoc einberufenen Versammlung umstandslos mitgeteilt. Darüber, dass Harms abberufen werden könnte, war nach einem Treffen der „Spiegel“-Gesellschafter vor ein paar Tagen spekuliert worden. In der Redaktion verfügte Harms, der als Macher mit Blick für künftige Entwicklungen gilt, über Rückhalt, mehr als zwei Dutzend Redakteure und Ressortchefs unterschrieben eine Petition für seinen Verbleib. Damit drangen sie bei der Geschäftsführung aber nicht durch. Gerade der Geschäftsführer Doub sah sich angeblich durch Harms’ Strategie für kostenpflichtige Inhalte und die Reichweite von „Spiegel Online“ herausgefordert.

Der Rauswurf ist das Ergebnis eines Machtkampfs, der auch auf das Verhältnis zwischen den „Spiegel“-Redaktionen und dem Verlag verweist. Neue Chefredakteurin von „Spiegel Online“ wird Barbara Hans, die seit Februar 2014 als stellvertretende Chefin fungierte.

