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„Spiegel“-Korrespondent : Kurzschluss in Kairo

  • -Aktualisiert am

Zwischen den Fronten: Journalist in Kairo nach Angriffen von Demonstranten im Februar 2011 Bild: REUTERS

In Kairo werden Journalisten von Sicherheitskräften bedroht und verprügelt. Doch der „Spiegel“-Korrespondent vor Ort empfiehlt seinen Kollegen, sich in ihren Berichten auf den Terror der Muslimbrüder zu konzentrieren.

          Vom designierten Chefredakteur des „Spiegel“, Wolfgang Büchner, liest man, er wolle eine „Inventur“ in seinem Haus unternehmen. Es scheint, als habe diese schon begonnen - wenn auch anders, als dies sich jemand vorgestellt hätte.

          Volkhard Windfuhr, der Mann, um den es hier geht, arbeitet nicht nur seit Jahrzehnten als „Spiegel“-Korrespondent für den Nahen Osten in Kairo, sondern leitet auch die dort ansässige Foreign Press Association (FPA), die Vereinigung der Auslandspresse. In dieser Funktion hat er vor wenigen Tagen eine Pressemitteilung an Journalisten verschickt.

          Während Kollegen bedroht wurden

          Er wolle sich zwar eine Parteinahme verkneifen, beginnt er sein auf Arabisch und Englisch verbreitetes Statement, ergreift dann aber doch gleich Partei: Internationale Medien, schreibt Windfuhr, seien tendenziös. Sie berichteten kaum über den Terror der Muslimbrüder in Ägypten, sondern über die vermeintlichen Repressalien der Sicherheitskräfte. Dabei seien doch, so Windfuhr, die Journalisten, die bisher umgekommen seien, gewiss nicht von der Polizei oder der Armee getötet worden.

          Der Text wurde offenkundig aus der Wut heraus geschrieben. Windfuhr berichtet, wie ihn Scharfschützen wenige Stunden zuvor beschossen hatten. Nur durch viel Glück habe er überlebt. So weit, so verständlich. Und so falsch.

          Denn in den Tagen zuvor waren mehrere Journalisten von Sicherheitskräften drangsaliert worden, genauer: zusammengeschlagen, getreten und erschossen. Besonders pikant wird Windfuhrs Schreiben aber, weil zur selben Zeit der „Spiegel Online“-Reporter Matthias Gebauer in Kairo festgenommen und sieben Stunden lang verhört wurde. Nicht von Muslimbrüdern, sondern von Sicherheitskräften. Dem lokalen Mitarbeiter des Reporters drohten die Polizisten mit Prügeln, gar mit Anschlägen auf dessen Familie.

          „Korrespondent“ ehrenhalber

          Nimmt man nun Windfuhrs Schreiben ernst, wurden sein „Spiegel“-Kollege Gebauer und dessen Mitarbeiter also von einer Fata Morgana mit dem Tod bedroht. Ulrike Putz vom Beiruter „Spiegel Online“-Büro twitterte daraufhin, die FPA in Kairo (gemeint war Windfuhr) solle sich schämen. Beim britischen Sender Sky News war man außer sich, als man Windfuhrs Schreiben las. Vier Tage zuvor war ein Sky-News-Kameramann erschossen worden.

          Der Leiter des Auslandsressorts beim „Spiegel“, Clemens Höges, sagte der F.A.Z., dass Windfuhr nicht die Meinung des „Spiegel“ wiedergegeben habe. Von der nächsten Ausgabe an werde deshalb Windfuhr, der bis dato als Korrespondent bezeichnet wurde, aus dem Impressum gestrichen. Der Sechsundsiebzigjährige trug die Bezeichnung „Korrespondent“ ohnehin mehr als Ehrentitel denn als Stellenbeschreibung; seit 2002 gilt er eigentlich als freier Mitarbeiter. Gegenüber der F.A.Z. wollte sich Windfuhr, der seit 1974 für den „Spiegel“ aus Kairo berichtet, nicht äußern.

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