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„Spiegel“ entlässt Chefredaktion : Mascolo und Müller von Blumencron müssen gehen

Sie müssen die Chefredaktion räumen: Georg Mascolo (links) und Mathias Müller von Blumencron Bild: Schneider, Holde

Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron sind nicht mehr Chefredakteure des „Spiegel“. Wegen Differenzen über die strategische Ausrichtung berief die Geschäftsführung das Duo ab. Über die Nachfolge soll bald entschieden werden.

          Der Satz, es seien „alle Optionen offen“, mit dem der „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe am Montag vor die Redaktionskonferenz trat, um zu dem seit dem vergangenen Freitag wabernden Gerücht Stellung zu nehmen, dass die beiden Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron vor der Ablösung stünden, galt nicht einmal vierundzwanzig Stunden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Zur Mittags- oder High-Noon-Zeit am Dienstag machte der Verlag offiziell, dass nicht mehr alle Optionen offen sind. Die beiden Chefredakteure, hieß es, habe man „wegen unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt“. Über die Nachfolge werde „in Kürze entschieden“. Bis auf weiteres führten die stellvertretenden Chefredakteure Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry die Redaktion des Magazins, für den Online-Auftritt „Spiegel Online“ zeichne einstweilen Rüdiger Ditz verantwortlich.

          Gutes Abgangszeugnis

          Das ging dann also plötzlich schnell. Drei Tage lang hatten Verlag und Gesellschafter sich gewunden und das Gerücht der Abberufung nicht dementiert und nicht bestätigt. Nun stellte der Geschäftsführer Saffe den beiden abgesetzten Journalisten wenigstens noch ein gutes Zeugnis aus. Mascolo und Müller von Blumencron seien „zwei exzellente Journalisten, die in den vergangenen Jahren und in verschiedenen Funktionen innerhalb des Hauses Kreativität und Führungsstärke bewiesen haben“, sagte Saffe. Als Chefredakteure hätten sie „maßgeblich dazu beigetragen, den ,Spiegel‘ als ein weltweit beachtetes kritisches Magazin und ,Spiegel Online‘ als führendes journalistisches Angebot im deutschsprachigen Internet zu positionieren und weiterzuentwickeln“. Beiden gelte es „für ihr überaus großes Engagement“ zu danken.

          Undankbar aber ist dieser Abgang für die beiden Abgesetzten schon, drei Tage lang Rätsel raten zu dürfen, woran man sei, ist nicht gerade erfreulich. Und auch die interne Nachrichtengebung war nicht vom Feinsten. Den beiden Chefredakteuren wurde ihre Absetzung zwischen Tür und Angel mitgeteilt, der Redaktion die Nachricht am Vormittag verkündet. Mascolo soll das Haus grußlos verlassen haben, Müller von Blumencron noch eine emotionale Abschiedsrede gehalten haben.

          Die Bühne ist frei

          Das dürfte auch für die inzwischen gehandelten Nachfolger/innen ein Wink mit dem Zaunpfahl sein: Im Zweifel verlässt man den „Spiegel“ im Tumult oder im Streit. Den hatte es zwischen Mascolo und Müller von Blumencron, die 2008 die Nachfolge des Chefredakteurs Stefan Aust angetreten hatten, in der vergangenen Woche abermals um die Frage gegeben, inwieweit das Online-Angebot des „Spiegel“ hinter einer Bezahlschranke verschwindet. Die beiden - und mit ihnen jeweils Teile der Redaktion - wollten dabei unterschiedlich weit gehen.

          Den Gesellschaftern (Mitarbeiter KG 50,5 Prozent, Gruner + Jahr 25,5 Prozent, Augstein-Erben 24 Prozent) und der Geschäftsführung ist das offenbar so erschienen, als seien die Differenzen nicht zu überbrücken - was man durchaus bezweifeln darf. Doch nun war die Gelegenheit da: Die Journalisten haben ihre Schuldigkeit getan, Verlag und Gesellschafter scheinen mit sich im Reinen. Nun gibt es Tabula rasa, mit vielleicht einem/r Chefredakteur/in und einem Herausgeber. Die Gesellschafter werden die Namen schon kennen.

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