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Eine Print-Online-Redaktion : Revolution beim „Spiegel“

Das Spiegel-Verlagsgebäude an der Hamburger Ericusspitze. Bild: AFP

Was lange währt, ändert sich doch: Beim „Spiegel“ gibt es künftig eine gemeinsame Redaktion für alles, das gedruckte Magazin und „Spiegel Online“. Weichen muss dafür der bisherige Chefredakteur.

          Chefredakteure werden beim „Spiegel“ seit Jahren abrupt ausgewechselt, und so ist es auch dieses Mal: Klaus Brinkbäumer wird auf seinem Posten abgelöst, sein Nachfolger wird Steffen Klusmann, zurzeit Chefredakteur des zum Spiegel-Verlag gehörenden „Manager Magazins“. Mit seiner Berufung geht eine Neuaufstellung einher. Klusmann wird Vorsitzender der Chefredaktion. Nummer zwei und drei in der Chefredaktion werden Barbara Hans, die bislang für „Spiegel Online“ zuständig war, und der Reporter Ullrich Fichtner, der für den „Spiegel“ derzeit aus Paris berichtet. Die drei führen – und darin liegt die revolutionäre Umwälzung der bisherigen Strukturen – eine gemeinsame Redaktion von „Spiegel“ und „Spiegel Online“. Sie bereiten, wie der Spiegel-Verlag mitteilt, „die Integration von Print und online vor“. Der gemeinsame Redaktionsbetrieb soll im Januar 2019 beginnen. Mit Klaus Brinkbäumer, heißt es weiter, würden Gespräche über eine neue Aufgabe geführt. Man will ihn offenbar beim „Spiegel“ halten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damit vollzieht der Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass einen Schritt, an dem seine Vorgänger und die früheren Chefredakteure gescheitert waren. Das fehlende Zusammenwirken zwischen der Redaktion des gedruckten Magazins und von „Spiegel Online“ wurde zwar von allen Beteiligten erkannt und bemängelt, doch wie man dies ändere, war eine Streitfrage, die seit dem Ende der Ära des Chefredakteurs Stefan Aust vor zehn Jahren unlösbar schien. Nach ihm versuchten sich daran die Chefredakteure Mathias Müller von Blumencron (zwischenzeitlich Digitalchef dieser Zeitung und nun Chefredakteur des „Tagesspiegels“, siehe Meldung) und Georg Mascolo, bis sie 2013 abgelöst wurden. Es kam von der Deutschen Presse-Agentur und blieb nur fünfzehn Monate Wolfgang Büchner, auf den dann Klaus Brinkbäumer folgte. Ihm traut der Geschäftsführer Hass den Radikalumbau, der nun vonstatten gehen soll, offenbar nicht zu.

          Seine Ablösung kam überraschend, zumindest für ihn selbst: Klaus Brinkbäumer vom „Spiegel“.

          Dass es einen solchen geben müsse, war seit langem schon ein Monitum von zwei der drei Gesellschafter des Spiegel-Verlags – den Erben des Magazingründers Rudolf Augstein und dem Verlag Gruner + Jahr. Die Mitarbeiter-KG (deren Sprecher der jetzige Geschäftsführer Hass war) war als Mehrheitsgesellschafter mit 50,5 Prozent der Anteile entscheidend. Sie musste erst überzeugt werden, Widerstand gegen Umbaupläne kam vor allem aus der Print-Redaktion, die um ihre Besitzstände kämpfte, während die Onliner sich stets in die zweite Reihe verbannt sahen.

          Das soll sich nun alles ändern. Die Chefredaktion soll sich als Team formieren, „das die Aufgaben nach fachlichen und funktionalen Aspekten aufteilt, nicht mehr nach Medienkanälen“, so der Verlag. Sie werde, sagt Geschäftsführer Hass, „die großen Chancen nutzen, die eine neue Zusammenarbeit von Print und Online bietet“ und den „Spiegel“ als journalistische „Leitmarke“ stärken.

          Schiedlich-friedlich hat sich beim „Spiegel“ in den vergangenen Jahren keiner der Personal- und Strategiewechsel gestaltet. Am Ende landete der Ballast, den das ganze Haus mit sich herumträgt, stets auf den Schultern der Chefredakteure und Geschäftsführer. Die jetzige Teambildung, zu der auch gehört, dass die Geschäftsleitung des Verlags erweitert wird, nach dem Motto „alle für eines statt einer für alles“, könnte der richtige Weg sein, den Umbau, von dem beim „Spiegel“ seit mehr als einem Jahrzehnt geredet wurde, tatsächlich zu bewältigen. Es müssen nur alle mitmachen.

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