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Klimaproteste in Madrid : Reporterinnen in Spanien als Mittäterinnen verdächtigt

Zwei Polizisten stehen vor dem Prado-Museum. Zwei Klima-Aktivisten haben sich im Prado-Museum an die Rahmen zweier berühmter Bilder des spanischen Meisters Francisco de Goya geklebt. Bild: dpa

In Spanien wurden zwei Journalistinnen festgenommen, die über den jüngsten Klimaprotest im Madrider Prado-Museum berichtet hatten. Der Vorwurf lautet, sie hätten sich zu Komplizen gemacht.

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          Dreißig Stunden verbrachten die spanische Onlinejournalistin Joanna Giménez und ihre Fotografin in Ma­drid in Untersuchungshaft. Ihr Vergehen: Sie berichteten am vergangenen Samstag über eine Protestaktion von zwei Klimaaktivisten im Prado-Museum, an der sie nicht beteiligt waren. In Spanien wird nun darüber gestritten, ob sich Medien schon durch ihre Berichterstattung über illegale Proteste mitschuldig machen können.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zwei Mitglieder der Gruppe „Futuro Vegetal“ hatten sich an den Rahmen von zwei der bekanntesten Gemälde von Francisco de Goya geklebt. Neben „Die nackte Maja“ und „Die bekleidete Maja“ schrieben sie zudem „+ 1,5 C“. Die Rahmen der Bilder wurden leicht beschädigt. Die beiden Aktivisten wurden festgenommen. Die Polizei lud die beiden Journalistinnen nur als Zeuginnen vor, dann aber wurden sie am Sonntag in der Polizeiwache vorläufig festgenommen und über Nacht inhaftiert. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten sich aktiv an dem Protest beteiligt und sich der Sachbeschädigung, Beschädigung des historischen Kulturerbes sowie der Störung der öffentlichen Ordnung schuldig gemacht. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.

          „Ich habe nur meine Arbeit gemacht“, sagte Joanna Giménez im Gespräch mit ihrer Onlinezeitung „El Salto“. Auf dem von ihr und ihrer Kollegin erstellten Video ist zu sehen, wie Aufseherinnen versuchen, die Aufnahmen zu stoppen und sie des Saals zu verweisen. Es handele sich um „keine Information“, sagen sie, während die Journalistin vergeblich auf ihre Akkreditierung verweist. Sie seien keine Mitglieder der Klimagruppe und hätten nur einen unspezifischen Hinweis auf eine bevorstehende Aktion im Museum erhalten, sagte Giménez, die vermutet, man wolle die Presse durch das harte Vorgehen einschüchtern und davon abhalten, über ähnliche Aktionen zu berichten.

          In Spanien läuft eine Debatte über den Vorfall, auf den inzwischen auch die „Plattform für den Schutz des Journalismus“ des Europarats aufmerksam gemacht hat. Die beiden Journalistenverbände Federación de Asociaciones de Periodistas de España (FAPE) und die Asociación de la Prensa de Madrid (APM) weisen indes darauf hin, dass sich die Journalistinnen zu „Komplizen“ der Aktivisten machten und sich deshalb als Bürger und nicht als Pressevertreter zu verantworten hätten. „Reporter ohne Grenzen“ und der „Círculo de Corresponsales“ sind hingegen besorgt. Die Auslandspressevereinigung schreibt in einer Erklärung, „jeder Versuch, die Informationsfreiheit von Journalisten bei der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit einzuschränken, ist inakzeptabel“. Das Prado-Museum betonte am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung der Direktoren der wichtigsten Museen in Europa und Amerika, die Häuser sollten auch künftig ein „Freiraum für die soziale Kommunikation“ bleiben.

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