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Spanische Fußballrechte : Fußball-Großverdienern geht es ans Geld

Am Boden ist der FC Barcelona noch nicht. Auch wenn es bei dem sündhaft teuer eingekauften Neymar (Angaben reichen von 57 bis 95 Millionen Euro) hier so aussieht. Bild: AFP

Für Spaniens Fußball ist das eine Revolution: Real Madrid und der FC Barcelona sollen kleinen Vereinen künftig einen größeren Teil der Fernseh-Honorare abgeben. Im Spiel sind viele Millionen Euro.

          Zu den tief verwurzelten Ungerechtigkeiten des Lebens zählen Spanier die Verteilung der Einnahmen für Fußballübertragungen. Anders als in vielen Ländern nämlich handeln die Klubs der Primera División ihre Honorare mit den Medienkonzernen individuell aus, nicht im Verband. Mit dem Effekt, dass die beiden dominierenden Großvereine Real Madrid und FC Barcelona bisher je ein Viertel der gesamten Übertragungshonorare für den spanischen Erstligafußball kassieren, während sich die übrigen achtzehn Klubs die andere Hälfte teilen müssen. Am meisten von diesem Restkuchen erhalten Atlético Madrid und der FC Valencia.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Nirgendwo in den großen europäischen Fußballligen ist die Ungleichheit der TV-Einkünfte ausgeprägter. Die Lage hat sich verschärft, seit Spanien in die Krise geraten ist. Plötzlich brachen mehrere Säulen des Geschäftsmodells Profifußball gleichzeitig weg: Medienkonzerne hatten sich verzockt und mussten sich aus dem Geschäft zurückziehen; marode Banken drehten für die verschuldeten Vereine den Geldhahn zu; mehr als zwanzig Klubs der ersten und zweiten spanischen Liga traten den Weg in die Insolvenz an, verkauften ihre Stars ins Ausland und vergrößerten das Gefälle zwischen Reichen und Armen.

          Die Hilferufe werden immer lauter

          Solange das Business auf der Schauseite Vorturner wie Leo Messi und Cristiano Ronaldo zu bieten hatte, so schien die Rechnung zu lauten, konnte der Primera División nicht viel passieren. Doch die Hilferufe wurden immer lauter, und die Verbitterung wuchs. Vor zwei Jahren reagierte der spanische Profiligaverband (LFP) und bewegte die beiden Großklubs zum Einlenken. Hatten Real und Barça bis dahin das Dreizehnfache dessen erhalten, was der kleinste Erstligaklub an Fernsehhonoraren bekam, sank das Verhältnis 2012 auf 6,5 zu eins.

          Jetzt hat Javier Tebas, seit April letzten Jahres Präsident des LFP, ein Gesetz angekündigt, das die Vereine zu einer solidarischeren Verteilung der Übertragungshonorare zwingt. „Das Verhältnis zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Honorar wird auf 4,5 sinken“, sagte Tebas im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das entsprechende Gesetz wird voraussichtlich noch vor dem Sommer eingebracht. Eine weitere Reform ist, dass die spanischen Profiklubs, wie es auch die Bundesliga und die Premier League tun, den Verkauf der Übertragungsrechte gemeinsam aushandeln.“

          Ein Ungleichgewicht wird bleiben

          Der Präsident betont, es sei nicht Aufgabe des Ligaverbands, kleinen Vereinen gegenüber großen Vorteile zu verschaffen. Wer erfolgreich wirtschafte, solle gut verdienen. Ein starkes Ungleichgewicht werde also bleiben, und die Vormachtstellung bestimmter Klubs liege nicht ausschließlich an den Fernseheinnahmen – sonst wäre, so Tebas, der Höhenflug von Bayern München nicht zu erklären. „Oder der Fall von Manchester United, einem der reichsten Klubs der Welt, der in dieser Saison spielerisch ein Desaster ist.“

          Der neue spanische Verteilungsschlüssel von 4,5 hieße: Erhalten Real Madrid und der FC Barcelona von Mediapro 188 Millionen Euro TV-Honorare im Jahr, bekäme der unscheinbarste Mitstreiter in der Primera División künftig 41 Millionen Euro. Woher dieses Geld kommen soll, ist schleierhaft. Wer die gesellschaftliche Bedeutung der beiden rivalisierenden spanischen Großvereine kennt, mag sich ausmalen, wie kompliziert die Verhandlungen waren. „Einem Gesetz muss man nicht zustimmen“ ,sagte Tebas auf unsere Frage nach den Reaktionen von Real und Barça. „Ein Gesetz wird befolgt.“ Dann beeilte er sich hinzuzufügen, die großen Vereine seien über ihren Schatten gesprungen und hätten auf allgemeinen Protest in der spanischen Gesellschaft reagiert. Kaum jemand kann verstehen, dass die Primera División einerseits die teuersten und besten Spieler der Welt beschäftigt, zugleich aber ein beträchtlicher Teil der Vereine in Konkurs geht. Im August 2012 waren zahlreiche Spieler sogar in Streik getreten, weil einige ihrer Kollegen monatelang kein Gehalt gesehen hatten. Der erste Ligaspieltag fiel seinerzeit aus und musste im Winter nachgeholt werden.

          Weit vom gesunden Spielbetrieb entfernt

          In der jüngsten Deloitte-Studie „Moneyleague“, die jährlich ein Ranking der reichsten Fußballvereine der Welt erstellt, besetzen Real Madrid (Jahresumsatz: 519 Millionen Euro) und der FC Barcelona (483 Millionen) die ersten beiden Plätze. Danach folgen der Triple-Gewinner Bayern München (431), Manchester United (422) und Paris Saint-Germain (399 Millionen Euro). Bei den beiden spanischen Klubs machen die TV-Einnahmen von je 188 Millionen Euro 36 beziehungsweise 39 Prozent des Jahresumsatzes aus. Bei Bayern (107 Millionen) sind es dagegen nur 25 Prozent, bei Manchester (117 Millionen) 28 und bei Paris Saint-Germain (91 Millionen Euro) gar nur 23 Prozent. Beide Klubs aus Spanien werden demnächst versuchen, durch ambitioniertes Umbauen ihrer Stadien höhere Einnahmen zu erzielen, wodurch die Abhängigkeit vom Fernsehmarkt leicht zurückgehen müsste.

          Doch die Primera División ist noch weit davon entfernt, ein gesunder Spielbetrieb zu sein. Auf die ersten beiden Plätze von Real und Barça folgt auf Platz zwanzig des Deloitte-Rankings mit Atlético Madrid nur noch ein einziger spanischer Klub. Die deutlich ausgeglichenere Bundesliga stellt dagegen neben dem Branchenprimus Bayern München noch Borussia Dortmund (Platz 11), Schalke 04 (13) und den Hamburger SV (Platz 17).

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