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Sozialer Netzdienst App.net : Du sollst Kontrolle haben

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App.net wird momentan als eine Alternative zu Twitter gehandelt, dabei ist es wesentlich mehr. Die Entwickler haben die Basis extra breit gelegt. „Wir haben eine sehr teure Programmierschnittstelle gebaut“, sagt Caldwell. „Es ist sehr leicht für Entwickler, damit Gruppennachrichtendienste oder Photosharing-Dienste zu basteln.“ Der Code, der App.net zugrunde liegt und mit dem die Entwickler von Apps und Clients arbeiten, hält bewusst viele Türen offen.

Er wurde solide und klar geschrieben. Auf ihm lassen sich Microblogging-Dienste aufbauen, also so etwas wie Twitter; aber es gibt auch schon Photosharing-Apps wie „Sprinter“, die eine ernstzunehmende Alternative zu Instagram darstellen - die Fotos liegen auf dem App.net-Account der Nutzer, denen sie auch gehören. Videosharing ist im Kommen, ebenfalls rege genutzt wird ein Chat-Raum namens „Patter“.

Das Ziel ist, alles an einem Ort zu haben. Dazu bietet App.net einen zehn Gigabyte großen Speicherplatz an. Nahezu wöchentlich erscheinen neue Apps, neue Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten. Es gibt eine sehr produktive Konkurrenz unter den Entwicklern; sie fühlen sich vom Basisdienst geschätzt, nicht verschmäht.

Symbiose aus Kunden und Entwickler

Einer der bekanntesten frühen Anwender von App.net, Tim Pritlove, glaubt, dass diese Herangehensweise sich auch beim Datenschutz niederschlägt. „Facebook hat kein Interesse daran, deine Daten wirklich bei dir zu belassen. Aber App.net hat ein sehr großes Interesse daran“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Pritlove hat sich schnell für das Projekt begeistert, weil sich parallel zu Caldwells Crowdfunding-Kampagne bei Twitter die Sitten änderten: Mit den Änderungen an seiner Programmierschnittstelle hat Twitter die Entwickler von Apps in die Schranken gewiesen. Grund war wieder einmal, dass sich durch die starke Nutzung solcher Apps keine Werbung und damit kein Geld machen ließ.

Der Einfluss von Twitter auf das Wirken der App-Entwickler war den Investoren, die Geld sehen wollen, zu gering. Die Anzahl der Apps, die für Twitter existieren, geht infolgedessen immer weiter zurück, neue werden nicht mehr entwickelt. Auf App.net hingegen, so erklärt Tim Pritlove, seien „die Dienstleister, die Kunden und die Entwickler eine interessante Symbiose eingegangen“.

Selbstverliebte Welterklärungsversuche

Zu den frühen Anwendern von App.net gehören erstaunlich viele Podcaster, die Audios und Videos anbieten. So treffen hier zwei unterschiedliche Philosophien aufeinander, und sie harmonieren offenbar bestens. Das Podcasting steht im Netz für die Wiederentdeckung der Langsamkeit, es steht dafür, wieder Herr seiner Zeiteinteilung zu sein, und für die intensive Befassung mit einem Thema. Dalton Caldwell hat den positiven Effekt von Podcasts selbst bemerkt. Heute machen er und seine Kollegen einen regelmäßigen Podcast zu und über App.net.

Auf App.net weht also ein anderer Wind als bei den großen, kommerzialisierten Netzwerken. Auf Twitter dominieren die jüngst im „Time Magazine“ beschriebenen „Millennials“, Welterklärungsversuche, die von Selbstverliebtheit gekennzeichnet sind und die auf Retweets und Zuspruch aus sind. Auf App.net findet man, so beschreiben es viele Nutzer, die ursprünglichen Dinge, wegen deren man einmal anfing, bei Social Media mitzumachen: Input zu verschiedenen Themen, Vernetzung und Kontakte, die beruflichen Zwecken oder dem intellektuellen Austausch dienen.

Bewegungsfreiheit auf App.net

Um all das zu ermöglichen, kann man auf App.net sowohl Störenfriede wesentlich besser ausgrenzen als auch mehreren Personen Direktnachrichten schreiben und sich zu Debatten oder zur Planung von Projekten im Patter-Raum einfinden und chatten. Viele Twitter-Exilanten entdecken auf App.net die verloren geglaubte Möglichkeit, im Netz zu kommunizieren, ohne dabei andauernd in einen Hype verwickelt, angepöbelt und denunziert oder mit dem nächsten Piratenskandal genervt zu werden.

Es ist entspannt auf App.net - und vielseitig. Entgegen allen Unkenrufen und anderslautenden Behauptungen sind auf App.net auch sehr viele Frauen unterwegs, man kann Menschen aus der ganzen Welt entdecken (einfach mal auf Global Stream stellen). Und auch sehr junge Leute fühlen sich hier offensichtlich wohl.

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