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Musik-Streaming : Die Industrie hat direkten Zugriff auf Nutzerkonten

  • -Aktualisiert am

Laut eigener Aussage haben die Betreiber der Musikplattform Soundcloud keine Kontrolle über die Zugriffe auf Audio-Inhalte seitens Universal. Bild: dpa

Die Betreiber der Musikplattform Soundcloud gewähren Universal Music direkten Zugriff auf die Konten registrierter Nutzer. Nach welchen Kriterien das Label Inhalte entfernt, kann nicht nachgeprüft werden.

          Die Universal Music Group, neben der Warner Music Group und Sony Music das größte Musiklabel der Welt, hat offenbar direkten Zugriff auf Audiodateien, die Nutzer der Musikplattform Soundcloud auf ihrem kostenpflichtigen Account hochladen. In mindestens einem Fall hat Universal im vergangenen Monat die Inhalte von Nutzern entfernt, ohne dabei zuvor einen Antrag bei Soundcloud selbst gestellt zu haben. Der E-Mail-Verkehr zwischen dem betroffenen Nutzer und dem Soundcloud-Copyright-Team gelangte vor einigen Tagen ins Netz. Daraus geht hervor, dass die Betreiber der Musikplattform keinerlei Kontrolle über Löschungen seitens des Major-Labels haben. „Die Verantwortlichkeit für das Löschen von Inhalten liegt komplett bei Universal“, heißt es dort.

          Der betroffene Nutzer, der nach eigenen Angaben alle zwei Wochen seine eigene Radioshow bei Soundcloud hochlädt, zeigte sich irritiert: Es seien nur seine Inhalte, nicht aber die anderer Nutzer entfernt worden. Das Hochladen kompletter DJ-Sets und Remixe auf Soundcloud ist gerade für wenig erfolgreiche Newcomer eine willkommene Möglichkeit, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern und neue Hörer zu finden. Im Gegensatz zu kommerziellen Radiostationen verwenden jene Privatnutzer die Songs jedoch zumeist, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Als Copyright-Inhaber greifen die Major-Labels jetzt anscheinend durch – ohne den Umweg über die Plattformbetreiber.

          Keine Angaben zu spezifischen Fällen

          In einem Statement von Soundcloud, das Anfang des Monats auf der Website des britischen Magazins Mixmag veröffentlich wurde, heißt es: „Als eine verantwortliche Hosting-Plattform arbeiten wir hart daran sicherzustellen, dass die Rechte aller respektiert werden. Das bedeutet, Prozesse zu pflegen, die gewährleisten, dass jegliche unautorisierten Inhalte schnell und effizient entfernt werden.“ Anscheinend besteht die schnellste und effizienteste Methode in diesem Fall darin, dem Copyright-Inhaber direkten Zugriff auf die Inhalte der Nutzer zu gewähren.

          Selbstverständlich stehe es dem Nutzer aber frei, eine fälschlicherweise geschehene Löschung direkt mit Universal zu besprechen. Diese könne dann gegebenenfalls ebenso schnell wieder rückgängig gemacht werden. Auf Nachfrage von FAZ.NET bestätigte Soundcloud das Statement und fügte hinzu: „Zu spezifischen Fällen oder Rechteinhabern können wir uns nicht äußern, aber wir wenden unsere Prozesse gleichmäßig und fair an.“ 

          Voreiliges Löschen von Inhalten

          Es ist nicht das erste Mal, dass Soundcloud in den letzten Wochen fragwürdige Entscheidungen im Bezug auf Urheberrechtsbestimmungen getroffen hat. Wie die amerikanische Seite Techdirt.com am 25. Juni berichtete, habe die Plattform vor kurzem auch eine Kopie der berühmten Tonaufnahme von der Apollo-13-Mission („Houston, we’ve had a problem here“) entfernt, die ein Nutzer auf seinem Account hochgeladen hatte. Dass die Aufzeichnung sich als Teil der Nasa-Archive eindeutig im Bereich der Public Domain befindet, also keinerlei Nutzungsbestimmungen unterliegt, wurde dabei nicht berücksichtigt.

          Soundcloud, das 2007 in Berlin als Austauschplattform für junge Musiker an den Start ging, läuft Gefahr, den Youtube-Weg zu gehen. Schon seit Jahren löscht Universal in großem Stil Videos von der wichtigsten Video-Plattform der Welt. Hintergrund sind die Pläne Youtubes für die Einrichtung eines kostenpflichtigen Streaming-Dienstes namens „Youtube Music Pass“. Die neuen Lizenzverträge dazu sind bereits von allen großen Major-Labels unterschrieben worden, so dass für diese eine freie Verfügbarkeit der eigenen Videos nicht mehr erstrebenswert ist. Als sich eine Reihe von Independent Labels den neuen Lizenzverträgen verweigerte, drohte Youtube im vergangenen Monat mit einer Sperrung der Videos der bei jenen Labels unter Vertrag stehenden Künstler. Zwar machte die Google-Tochterfirma laut einem Bericht der britischen Financial Times nun in letzter Sekunde einen Rückzieher, den Druck auf die Labels wolle sie jedoch aufrechterhalten.

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