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Sony und die Folgen des Datenklaus : Die Zocker verlieren die Geduld

Playstation-Spieler auf Entzug: Die Ersten drohen schon, zu Microsoft oder Nintendo zu wechseln Bild: REUTERS

77 Millionen Datensätze aus dem Playstation-Netzwerk sind gestohlen worden, darunter auch Kreditkartennummern. Die Betroffenen machen ihrem Ärger im Internet Luft: Ein Blick in die Seele der Playstation-Spieler.

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          Der wohl größte Datendiebstahl des Internet-Zeitalters beginnt für viele Playstation-Nutzer mit einer kryptischen Fehlermeldung: „80710A06“ erscheint auf ihrem Bildschirm, als sie sich in der Woche vor Ostern im Playstation-Netzwerk anmelden wollen, um online gegen andere zu Motorradrennen, Weltraumschlachten und Strategiespielen anzutreten. „Außerplanmäßige Wartungsarbeiten“, heißt es kurz darauf im offiziellen Playstation-Forum, würden den Service vorübergehend beeinträchtigen. Dass das Playstation-Netzwerk schon zu Beginn der Karwoche von Hackern geknackt wurde, die die Daten von rund siebenundsiebzig Millionen Nutzern entwendeten, wird Sony erst nach Ostern eingestehen, und so wird in den Internet-Foren ausgiebig diskutiert und spekuliert, seitenlange Protokolle, die einen Einblick in die Seele der Playstation-Spieler auf Entzug geben.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „BALD 5 STUNDEN VORBEI UND IMMER NOCH KEIN LEBENSZEICHEN!“ schreibt der Nutzer „eintracht“ um 14:06 Uhr in besorgten Großbuchstaben in das deutsche Playstation-Forum. „An einem Gründonnerstag, an dem die meisten Schüler Ferien haben und die Arbeitstätigen früher nach Hause kommen - Respekt Sony, klasse Zeitgefühl!“ Auch andere Spieler werden im Lauf des Nachmittags ungeduldig, Smileys vergießen erste Tränen, und „Crank79“ erinnert sich an früher: „So war es, als ich noch Kind war: Kein Onlinespielen, einfach mal raus gehen und das Wetter genießen.“ Erste User vermuten dann am Abend einen Hacker-Angriff hinter dem Ausfall, möglicherweise als Racheaktion dafür, dass Sony im Frühjahr einen Hacker verklagt hat, der auf seiner Internetseite Anleitungen veröffentlicht hatte, wie die Playstation geknackt werden kann, um fremde Programme auf das Gerät aufzuspielen. „Vllt. ist es ja auch schon die Phase 3 der anony Kids: Rache für die Jailbreaker und CFW-User“, schreibt „stampeed“ im Forum.

          Wiederentdeckung der realen Welt

          Am Karsamstag greift die Sorge um sich, dass die virtuellen Trophäen, die die Spieler in der Playstation-Welt mühsam erobert haben, durch den Ausfall verlorengehen könnten. Die Wut auf Sony nimmt zu, so ein riesiger Konzern müsse doch binnen vierundzwanzig Stunden fähig sein, alle Probleme zu lösen. Erste Nutzer drohen, zu Microsoft oder Nintendo zu wechseln. Der Moderator des Playstation-Forums verkündet offiziell: „Hallo Community, ich kann euch versichern, dass unter Hochdruck daran gearbeitet wird, das Problem zu beheben.“ Das Gerücht, es dauere noch mindestens bis nach Ostern, macht die Runde. Und bei „JonasW97“ scheinen die Entzugserscheinungen stärker zu werden: „Am MITTWOCH!!!! Alter, das sind noch 3,5 Tage!!!!!“

          Ersatzbeschäftigung: Nutzer berichten auch von lustigen Osterfeuern

          Andere Playstation-Nutzer entdecken über Ostern die reale Welt wieder, „vaniellepudding“ berichtet von lustigen Osterfeuern und angetrunkenen Fahrradfahrten. „Ich hoffe trotzdem, dass das PSN bald wieder funzt, langsam bekomm' ich Muskelkater.“

          Einer von 77 Millionen

          Die Hinweise auf einen Hacker-Angriff nehmen zu, er soll aus Japan kommen, heißt es, das FBI soll schon ermitteln. Möglicherweise hätten Hacker auch einen Weg gefunden, kostenlos Spiele im Sony-Shop herunterzuladen, und dieses Loch müsse gestopft werden. „eintracht“ macht sich Sorgen um seine Daten, andere fordern von Sony eine Entschädigung. „stampeed“ hält das für Unfug, schließlich bekomme man von seinem Vermieter auch keine Entschädigung, wenn aus der Wohnung etwas gestohlen werde.

          In der Nacht zum Mittwoch bestätigt Sony offiziell, dass das Netzwerk geknackt und Millionen an Datensätzen gestohlen worden sind. Vor allem, dass Sony die Daten und Passwörter seiner Nutzer wohl unverschlüsselt in ihrer Kundendatenbank gespeichert hatte, stößt im Forum auf Unverständnis und Wut. Diejenigen, die ihre Kreditkartennummer angegeben haben, berichten von Anrufen bei ihren Banken, erste Nutzer entdecken vermeintlich auffällige Abbuchungen. „RAPIDMOBIL“ sieht das lockerer: „Ich bin Einer von 77 Millionen“, schreibt er. Wenn man bedenke, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Sechser im Lotto zu bekommen, bei eins zu vierzehn Millionen liege, „warum sollte dann ausgerechnet mein Datensatz missbraucht werden?“

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