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Sonia Mikichs #metoo-Rückblick : Patti Smith statt Mick Jagger

  • -Aktualisiert am

Will Position beziehen: Sonia Mikich Bild: WDR

Die Aufarbeitung von Vorwürfen sexueller Belästigung als ein furioses Tauziehen um Wahrheit und Fairness – ein persönlicher Rückblick der ehemaligen WDR-Chefredakteurin auf #metoo und die Folgen.

          8 Min.

          Nicht lachen, nicht weinen. Sondern verstehen. Ein guter Philosophen-Rat, der unmodisch ist und Zeit frisst. Gerade Journalisten mit ihrer Neigung zur kurzfristigen Erregungszuständen lädt er zur Mäßigung ein. Warum Mäßigung so schwer ist, erlebte ich bei der #metoo-Debatte im WDR. Die Aufgabe: Fälle von Fehlverhalten aufzuarbeiten, nach Eindeutigkeit zu suchen, nach klaren Zuschreibungen: Opfer und Täter, pro und contra, oben und unten.

          Position beziehen, was sonst. Niemand konnte sich Entschleunigung, gar einen Adlerblick auf die Enthüllungen leisten, die unsereins im April dieses Jahres in Atem hielten. Keine Zeit, um echtes und vermutetes miserables Verhalten, um echte und vermutete Angst im Sender zu ergründen. Keine Ruhe, um einen Konsens herzustellen über Grundwerte wie Solidarität und Gleichheit. Es gab und gibt Mitarbeiter, für die der WDR eine Familie ist, so anders als andere Sender; sie grübelten lange, ob sie nun Lebenslügen aufgesessen waren. Ob das eine Illusion war, dieses Wir.

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