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„Die Toten von Salzburg“ im ZDF : So wird was aus Europa

  • -Aktualisiert am

Brücken bauen: Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) stellt Rebecca Quast (Sophie Pfennigstorf) zur Rede. Bild: ZDF

Grenzgänger auf Umwegen: In „Die Toten von Salzburg – Mordwasser“ führt es Mur und Palfinger in die Welt des verblichenen Grand-Hotel-Glanzes von Bad Gastein.

          Wenn schon eine Neuarchitektur Europas wie beim Wiener Kongress 1814/15 zurzeit in weiter Ferne liegt und ein Boris Johnson als eine Art Napoleonkleinwuchs Freunde der Einigung verstimmt, dann mögen doch wenigstens die direkten Nachbarn stärker zusammenhalten. Schließlich trennt Deutsche und Österreicher nichts so sehr wie die gemeinsame Sprache, wie eine überlieferte Paradoxie weiß. Beide verbindet die gemeinsame Geschichte, aber eben auch das mentalitätsprägende Dauerscharmützel. In der ZDF/ORF-Krimikoproduktion „Die Toten von Salzburg“ von Erhard Riedlsperger (Buch, Regie) sollen exakt solche überlieferten Idiosynkrasien das krimifunkenschlagende Element abgeben. Die Idee der Reihe ist nicht schlecht und wird bisweilen auch überraschend gut umgesetzt.

          Den österreichischen Major Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) und den bayerischen Hauptkommissar Hubert Mur (Michael Fitz) verbindet gleich beim ersten Zusammentreffen ein Königgrätz der Temperamente, aber inzwischen hat man sich zu schätzen gelernt. Dass aber aus Palfinger, der seit einem Paragliding-Unfall im Rollstuhl sitzt, und dem notorisch mürrischen Mur auch in der vierten Folge, „Mordwasser“ ein Ermittlungs-„Dreamteam“ geworden ist, spricht eher für die Qualität des Drehbuchs (Mitautor Klaus Ortner). Beide sind Einzelgänger, auch wenn auf der österreichischen Seite die Nachwuchskraft Irene Russmeyer (Fanny Krausz) inzwischen kräftig mitmischt. Vorgesetzte wie der eitle Hofrat Seywald (Erwin Steinhauer) und Politiker von hüben und drüben machen Palfinger und Mur das Polizistenleben sauer. Wo Abgeordnete und, wie hier, skrupelfreie Tycoons ins Spiel kommen, wird es gemeinsamkeitsfördernd kitzlig. Merke: Die Verständigung von Schmäh und Hinterfotzigkeit ist ein erfolgreicher Gegenspieler der politischen Intrige.

          Überall nichts als Bausubstanz-Gebrösel

          Was auch in „Mordwasser“ zu sehen ist. In Bad Gastein, dessen verblichener Kurort-Grandhotel-Glanz eine Hauptrolle spielt, ist der Sohn des deutschen Immobilieninvestors Torbeck (Christian Redl) in einer heißen Quelle gargekocht worden. Der Vater, todkrank, aber zum Erbfall noch nicht bereit, hatte sich vom Filius betrogen gefühlt. Hinter seinem Rücken kam es zu Geschäften mit dem Bordellbetreiber Dibra (Stipe Erceg), der sein Etablissement in eines der mittlerweile leerstehenden Luxushotelgebäude verlegen wollte. Torbeck hat Bad Gasteins stuckverziertes Weichbild über die Jahre hinweg Gebäude für Gebäude aufgekauft und verfallen lassen. Überall nichts als Bausubstanz-Gebrösel (Kamera Kai Longolius). Verschanzt in einer Nobelvilla, verlässt Torbeck sein Grundstück nur zur Therapie im radioaktiven Stollen tief unter der Erde. Nicht zufällig heißt das ehemals schönste Haus am Platz jedoch „Grand Hotel l’ Europe“.

          In ihm hat Robert Kendelbacher (Johannes Krisch), an ALS erkrankt, ein morbid-historisches Museum vergangener Pracht eingerichtet und fünf Stockwerke unter der Erde seine Erinnerungsräume an eine Zeit, in der Bad Gastein internationales Publikum anzog und er noch nicht im Rollstuhl saß. Palfinger lässt sich von Kendelbacher in die Geschichte des Orts einführen. Man ist sich sympathisch, wird persönlich, bespricht sich auch in Liebesdingen. Etwaige Leidensgenossen-Dramatik lässt der Film außen vor. Dagegen erscheint der Bayer Mur als „neutraler Beobachter“ und Wahrer der Interessen deutscher Staatsbürger vor Ort. Verdächtig ist auch die junge SEK-Beamtin Rebecca Quast (Sophie Pfennigstorf), deren Ausbildungsgruppe Kletterkurs und Teambuilding im Ausland übt. Als Torbecks Sohn die Kellnerin Kathrin (Sonja Romei), die nebenbei als „Berührerin“ arbeitet, belästigt hatte, fackelte Quast nicht lange. Was ihr eine Vorgesetztenrüge, möglicherweise eine Mordanklage einbringt.

          So reizvoll Ausgangslage und Szenerie sind, scheint manche Wendung, etwa die Nebenhandlung zum lang zurückliegenden Unfalltod von Russmeyers Vater, verzichtbar. „Mordwasser“ wirkt, als habe man hier und da der Gefälligkeit halber noch dies und das hinzugefügt. Ratsam wäre es, in den nächsten Folgen auf derlei Abwege zu verzichten und der tragenden Idee noch mehr Raum zu geben.

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