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Die Medien und der Anschlag : Wer sät die Furcht?

Die Titelseiten der „Bild“, der „Berliner Morgenpost“, der „Berliner Zeitung“ und der „BZ“ vom 21. Dezember 2016 zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Bild: Bild, Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, BZ

Die Menschen seien angesichts des Terroranschlags am Breitscheidplatz von „Angst“ beherrscht, meint die „Bild“-Zeitung. Dagegen erhebt sich Widerspruch.

          Trauer, Entschlossenheit und Angst – was bestimmt die Reaktionen auf den Terroranschlag in Berlin? Blickt man auf die Titelseiten der Berliner Blätter herrschen Trauer und Anteilnahme vor. Trauer über die zwölf Toten, Anteilnahme mit den Hinterbliebenen und den achtundvierzig zum Teil schwerverletzten Opfern der Attacke auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.

          Stefanie Michels
          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die „Berliner Zeitung“, die „Berliner Morgenpost“ und die B.Z. halten inne, sie blicken auf trauernde Menschen und auf das zum Gedenken an die Toten in den Nationalfarben angeleuchtete Brandenburger Tor. Die „Morgenpost“, die direkt nach dem Anschlag mit einem Live-Video vom Tatort ungefiltert und unbedacht das pure Entsetzen abgebildet hatte, setzt nun auf die Weihnachtsbotschaft nach dem Evangelium Lukas: „Fürchtet euch nicht!“

          Mit der Furcht aber, mit der Angst vor dem Terror, vor dem einen auch die christliche Heilsbotschaft nicht bewahrt, hält es die „Bild“-Zeitung und setzt hinter die „Angst!“ ein Ausrufezeichen. Mit Blick auf den oder die flüchtigen Täter ist das nur zu verständlich. Berlin sei sicher, hatte es am Montagabend fälschlicherweise geheißen, in der Annahme, die Polizei habe nicht nur einen Tatverdächtigen, sondern den mutmaßlichen Täter schon gefasst. Das erwies sich bekanntlich als Fehleinschätzung. Der Täter ist auf freiem Fuß.

          Doch wie es scheint, wollen sich die Menschen den Moment der Trauer und des Besinnens, in dem es nur um die Opfer geht, nicht wie sonst zumeist in den Medien um die Täter, nicht nehmen lassen. Darauf jedenfalls deuten Reaktionen in den sozialen Netzwerken hin.

          Kritik wegen Pietätlosigkeit handelt sich die „Bild“ auch deshalb ein, weil „bild.de“ zunächst unverpixelt  ein Bild des getöteten polnischen Lastwagenfahrers auf dem Beifahrersitz des Lkw zeigte.Vierzehn Beschwerden sind gegen die Berichterstattung zu dem Anschlag in Berlin bislang beim Deutschen Presserat eingegangen. Sie beträfen die unverpixelte Darstellung des getöteten polnischen Lkw-Fahrers sowie die Bilder verletzter und getöteter Opfer in einem Video, das live vom Tatort gestreamt wurde, sagte die Presserats-Sprecherin Edda Eick. Die Kritik beruft sich auf Verstöße gegen Ziffer 11 des Pressekodex zur „unangemessen sensationellen Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“ sowie auf Verstöße gegen Ziffer 8 zum Schutz der Persönlichkeit, etwa von Gewaltopfern. Wie in diesem Fall. Die Beschwerdeausschüsse des Presserats tagen erst im März 2017 wieder. Dann soll über die Beschwerden entschieden werden.

          Man muss nicht den Kopf in den Sand stecken und Katzenbilder posten, um sich damit gegen „Spekulationen“ über den Täter und die Hintergründe des Anschlags abzuschotten, die weiter im Unklaren liegen. Aber Angst machen lassen will sich jedenfalls längst nicht jeder, wie sich auf Twitter zeigt.

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