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Wahl bei ARD, ZDF und HR : Wer wirklich gewonnen hat, sehen wir noch

  • -Aktualisiert am

Volker Bouffier spricht von einem Abend der zwiespältigen Gefühle, der Demut lehre: massive Verluste der CDU, aber sie behaupte als stärkste Kraft den Anspruch, eine Regierung zu bilden. Gegen die CDU solle in Hessen nicht regiert werden können. Das freilich trifft nur auf die Grünen zu. Wie man es dreht und wendet – ohne sie geht nichts. Sie sind mit ihrem Parteivorsitzenden Robert Habeck im ZDF auch als Erste zur Stelle, um dem Wahlabend den Stempel aufzudrücken. Vernunft und Veränderung, dafür stünden die Grünen.

Beeindruckend ist, wie schnell die Slogans der Parteien zum gemeinsamen Sprechzettel der auftretenden Politiker werden. Bei den Grünen heißt es „Hessen war noch nie so grün“. Das sagt Tarek Al Wazir, das sagt Annalena Baerbock und das sagt der Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner in der „Berliner Runde“, in der er gleich mal die AfD wegen deren „Lehrer-Pranger“ frontal angeht und der Partei eine Denunzierungsaktion á la Stasi vorwirft.

Das gibt dem AfD-Mann Bernd Baumann die Gelegenheit, genau so hart zurück zu langen mit dem Verweis auf vermeintliche Sympathien der Besserverdiener-Partei der Grünen, der Linken und der SPD mit linksextremen Gewalttätern, wie sie beim G20-Gipfel in Hamburg auftraten. An dieser Stelle kommt etwas Leben in die Bude. Die SPD hat wenig anzubieten als ein Vorerst-weiter-aber-nicht-so wie-bisher im Bund. Die FDP will sich so teuer verkaufen wie möglich. Und ihr Vorsitzender Christian Lindner hat eine elegantere Antwort als die Grünen auf die AfD. Seine Partei, sagt er, sei „die Alternative für Demokraten“.

Der Haupstadtstudiochefin des ZDF, Bettina Schausten, entgeht nicht, dass Jens Spahn im Interview die Frage, ob Angela Merkel beim Parteitag der CDU im Dezember wiedergewählt werden sollte, denkbar uneindeutig beantwortet. Sie wähnt sich selbst und später ihren Gesprächspartner, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil von der SPD, freilich auch in Hannover. Er ist gerade in Berlin und wird zugeschaltet, und sie berichtet aus Wiesbaden, im Hintergrund läuten die Glocken der Marktkirche.

Die Korrespondenten wirken bei den Schalten zu den verschiedenen Parteien den ganzen Abend über stets so gestimmt wie diejenigen um sie herum. Jubel bei den einen, Trauermienen bei den anderen. Dass der größte Wahlsieger des Abends, zumindest was die Stimmenzuwächse angeht, die AfD ist (sie wird in manchen Wahlkreisen zweitstärkste Partei), scheint beim ZDF nur am Rande auf, zu groß ist die Konzentration auf den vermeintlich alles überrgenden Erfolg der Grünen und die zu erwartenden Wirkungen in Berlin. Inhaltliche Analysen fallen an diesem Abend aus.

Der „heute journal“-Moderator Christian Sievers versteht den Noch-Ministerpräsidenten Bouffier mutwillig falsch. Bouffier, der alte Merkelianer, spricht mit Blick auf das Wahlergebnis von einem „Fingerzeig für Berlin“, nicht von einem „Fingerzeig für Angela Merkel“. Auf diesen nun gar nicht kleinen, feinen Unterschied macht er den Moderator, der das mal eben so umgedeutet hat, noch einmal aufmerksam. ZDF-Experte Korte macht eine „Konsensverschiebung nach rechts“ aus und hält den Wahlabend für den Ausweis „rasenden Stillstands“. Wie sehr er mit dieser Einschätzung daneben liegt, dürfte sich in den nächsten Tagen schnell erweisen. Die Hessen haben einen knappes Wahlergebnis produziert, der Nachhall aber dürfte deutlich ausfallen. Auch wenn das vorläufige amtliche Endergebnis der Hessen-Wahl so aussieht, als könne die schwarzgrüne Koalition fortbestehen.

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