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Wahl bei ARD, ZDF und HR : Wer wirklich gewonnen hat, sehen wir noch

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Nach der ersten Prognose kommt erst einmal die SPD zu Wort. „Es sieht zur Zeit nicht so gut aus“ – geht es beschönigender? Die CDU dagegen sei „in Schockstarre“, was nicht ganz passt zu Volker Bouffiers Ausführungen, in denen er zweckoptimistisch erklärt, seine beiden Wahlziele trotz erheblicher Stimmenverluste erreicht zu haben – stärkste Kraft zu werden und federführend an der Regierungsbildung mitzuwirken.

Zumindest am Anfang des Wahlabends fällt auf, dass erst die SPD-Vertreterinnen und Vertreter zu Wort gebeten werden – sollte das eine Art Trostpreis für den gefassten Thorsten Schäfer-Gümbel sein, der später im Studio auch gleich wieder im Wahlkampfmodus ist? Immer neue Hochrechnungen bringen bloß die Gewissheit, dass der Abend lang werden wird, und schließlich, dass der Jubel der Grünen, die sich als „moderne bürgerliche Partei“ feiern, nicht abebbt (Tarek Al-Wazir: „Ein wunderbarer Tag“). Eine vollkommen unlustige Schalte zur Satirepartei „Die Partei“ versandet in Sprachlosigkeit, der erste Bericht von der AfD-Wahlparty dagegen wirkt unfreiwillig satirisch, als der Moderator vom Absingen des Deutschlandliedes überrascht wird.

In den langen Stunden, die der Hessische Rundfunk berichterstattend bei der Sache bleibt, ist in der Hauptsache von der Groko, in den Nebensachen nur vom Diesel, vom Verkehr, bei der FDP mal von der Digitalisierung und hie und da mal von Bildungspolitik die Rede.

Kritisch nachgefragt wird an diesem Abend nicht. Und es wirkt beim HR, als ob die Themen Flüchtlinge und Integration bei dieser Hessenwahl überhaupt keine Rolle gespielt hätten. Auch aus Butzbach ist darüber nichts zu verlauten. Hier lautet das amtliche Endergebnis: CDU 27,8 Prozent, SPD 20,5; Grüne 19,4; Linke 5,8; FDP 7,0 und AfD 12,5 Prozent. Es scheint, dass sich der HR nach einem neuen „Miniaturhessen“ umsehen muss.

Das ZDF berichtet aus Hannover. Hannover?

Noch bevor um Punkt sechs Uhr die Prognose kommt, regelt das ZDF den Flugverkehr am Himmel über Hessen. Ein schwarzer und ein grüner Jet starten durch, der rote hebt nicht ab. Das mag um diese Zeit als optischer Fingerzeig noch nicht so gewagt sein, im Laufe des Abends aber werden wir sehen, dass die Hessen gewählt haben, wie sie es immer tun - äußerst knapp und im Ergebnis mit einer Bandbreite möglicher Regierungskoalitionen. Sie reichen von Jamaika über eine hessische Groko bis zur Ampel. Ob Tarek Al Wazir am Ende sogar „Koch und nicht bloß Kellner“ sein könnte? Rot-rot-grün verfüge bei den „wählerischen Wählern“ in Hessen freilich nicht über allzu großen Sexappeal, sagt der ZDF-Auslegungsexperte Karl-Rudolf Korte. Zu dem Zeitpunkt ist von einer möglichen Ampelkoalition noch keine Rede.

Zu niedergeschlagen wirkt der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel, als dass man ihn als künftigen Ministerpräsidenten sähe. So gespenstisch der Auftritt der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles in Berlin, die das Ende der Großen Koalition wenigstens bis zum nächsten Jahr aufschiebt, so ehrlich ist Schäfer-Gümbels Zuschreibung: das schlechteste Ergebnis seiner Partei seit 1946.

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