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Wahl bei ARD, ZDF und HR : Wer wirklich gewonnen hat, sehen wir noch

  • -Aktualisiert am

Es fallen zwei interessante Bemerkungen zum Zustand der deutschen Politik. Zum einen benennt Lindner den Opportunismus der Merkel-CDU, die ihren Koalitionspartnern keinen Erfolg gönne. So habe sie die Einführung der paritätischen Finanzierung in der Krankenversicherung als eigene Leistung dargestellt, obwohl sie das Anliegen der Sozialdemokraten jahrelang unterdrückt hatte. Habeck macht indes Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Energiewirtschaft und in der Automobilindustrie als politischen Gegner aus. Das nötigt Annegret Kramp-Karrenbauer zu einer Reaktion, Olaf Scholz hat dazu nichts zu sagen.

Die Grünen haben nach der AfD in Hessen die höchsten Stimmengewinne zu verzeichnen. Trotzdem argumentiert Habeck wie ein Wahlverlierer. Sie werden sich aber an einen anderen Verlust gewöhnen müssen – den des vermeintlichen Monopols auf Anstand und Moral in der Politik und vielleicht sogar auf einen leichten Rückgang des Wohlwollens in manchen Medien. Was mit CDU und SPD in den nächsten Tagen geschieht, ist ungewiss. Die CSU scheint durchatmen zu können. Mit dem Ergebnis, das Bouffier in Hessen geholt hat, wäre sie untergegangen.

Der HR geht zu den Durchschnittshessen

Für die Dauerberichterstattung des Hessischen Rundfunks ist an diesem Abend Butzbach der Nabel der Welt. Zumindest solange, bis in der Mehrzweckturnhalle, die als Wahllokal dient, gegen kurz nach halb elf alle Stimmen ausgezählt sind. In Butzbach, hat der HR in Anlehnung an das Wahlergebnis von vor fünf Jahren festgelegt, lebt der Durchschnittshesse. Will sagen: Das Butzbacher Wahlergebnis bildete damals exakt das Hessische Landtagswahlergebnis ab.

Deswegen ist die Stadt am nordöstlichen Übergang des Taunus zur Wetterau in „#hrWahl – Hessen hat gewählt“ nun im Viertelstundentakt Schaltegast. Stadtrat Manfred Schütz (CDU) hat zahlreiche Hessenfernseh-Auftritte und schlägt schließlich vor, dass von jetzt an nur noch in seiner Gemeinde gewählt werde. Überhaupt ist er, was angesichts der Resultate seiner Partei doch arg verwundert, recht guter Dinge. Dass die Wahlurne eine zweckentfremdete Restmülltonne ist, hätte ihm allerdings zu denken geben können.

Tumultartige Szenen in Butzbach?

Gegen 19 Uhr, bei der gefühlt dreißigsten Butzbach-Schalte mit den immer gleichen Wahlhelferbildern über ellenlangen Wahlscheinen, berichtet man über tumultartige Szenen, von denen aber nichts zu sehen ist außer einem roten Absperrband in einiger Entfernung vom Auszähltisch. Auszähler seien belästigt worden, von einem selbsternannten „AfD-Wahlbeobachter“. Die Geschichte bleibt seltsam unaufgeklärt und undurchsichtig. Auch von den angekündigten 800 Medienvertretern, die sich angeblich im Wiesbadener Landtag aufhalten, sieht man später kaum jemanden. Vielleicht begeben die sich gerade alle nach Butzbach, wegen des beschriebenen Tumults.

Vollkommen klar jedoch ist Ute Wellenstein, die im Studio moderiert, jedenfalls schon um 17.45 Uhr, dass es sich dieses Mal um eine „Denkzettelwahl“ respektive um eine „Schicksalswahl“ handele. Um die Zukunft der Groko. Die vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung von etwa 65 Prozent, so mutmaßt sie, liege zumindest in Frankfurt am zeitgleich stattfindenden Marathon.

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