https://www.faz.net/-gqz-9qkmx

Dramödie im ZDF : Er war noch kurz einkaufen

  • -Aktualisiert am

Entschlossen unentschlossen vor heimischer Finka: Kurt (Michael Gwisdek, M.), Carla (Natalia Wörner) und Jonas (Jude West) Bild: ZDF

Gut abgehangen auf Mallorca: In der ZDF-Dramödie „So einfach stirbt man nicht“ macht Michael Gwisdek als älterer Herr seine Familie kirre.

          2 Min.

          Im Vergleich zu dem Alter, das knorrige Olivenbäume erreichen können – das älteste Exemplar wird auf viertausend Jahre geschätzt –, nehmen sich die Jahre, die einem Menschen auf Erden vergönnt sind, doch einigermaßen kurz aus. Umso nachdenklicher stimmen die Bäume Kurt Lehmann (Michael Gwisdek), der offenbar schon seit vielen Jahren mit seiner Gattin auf Mallorca lebt, mit Ende siebzig: Was hat er im Leben erreicht?

          Auf dem Papier könnte man meinen: recht viel. Lehmann hat viel Geld verdient, so dass er den Lebensabend in pittoresker Umgebung verbringen und bei Bedarf auch noch einen Sack Bares auspacken kann. Er hat drei mittlerweile erwachsene Töchter ins Leben gesetzt. Gattin Renate (Michaela May) ist immer noch bei ihm.

          Nach einem Herzinfarkt im Olivenhain aber stellt sich heraus: Auf dem Papier zählt nicht. Jedenfalls eröffnet Renate dem Sterbenden im Krankenhaus, dass Tochter Rebecca (Sandra Borgmann) nicht von ihm ist. Und die drei Töchter brausen nur deshalb herbei, weil nach dem Tod ihres Vaters ein stattliches Erbe verteilt werden muss. Es schlägt die Stunde der Krokodilstränen.

          Humorvolles, leicht abgedunkeltes Familienporträt

          Womit keiner rechnet: Kurt sagt dem Tod ab und steht wieder auf. Der Alte überlebt den Infarkt, um mit triumphaler Geste zu Carla Cortez (Natalia Wörner) zu brettern. Das ist die zweieinhalb Jahrzehnte jüngere Eigentümerin des Olivenhaines, in die er vernarrt ist, wie sich nur alte Männer in neue Frauen verlieben. Er teilt dem Schwarm mit, den Hain kaufen zu wollen, weil ihre Familie das Geld braucht und der anstehende Verkauf an einen Immobilien-Entwickler damit verhindert wäre. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro.

          Kurts Töchter und seine Frau sind selbstverständlich entsetzt, und Maria von Heland, die das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, nutzt sowohl dieses Entsetzen wie Kurts Vorahnung, dem Tod nur bis zum nächsten Herzzucken entflohen zu sein, für ein humorvolles, wenn auch leicht abgedunkeltes Familienporträt. Rebecca wird nun erfahren, nicht Kurts Tochter zu sein. Tochter Lotte (Ursula Karven) wird endlich von ihrem Ehe-Fiasko erzählen.

          Die Familie, die kaum noch miteinander geredet zu haben scheint, wird ein Stück weit wieder zueinander finden. Sie wird sogar merken, dass auch ein Olivenhain ein gutes Erbe sein könnte. Und für einen Augenblick, der nicht von ungefähr bei abnehmendem Licht spielt, sitzt das Ehepaar noch einmal unter den Bäumen.

          Ein Rührstück? Michael Gwisdek spielt den störrischen, nachdenklichen, auch ängstlichen, sich über die hübsche Clara und Jonas (Jude West), Sohn von Rebeccas Freund, freuenden, ein letztes Mal ans Leben sich klammernden Kurt aber äußerst einnehmend. Der Kameramann Moritz Anton fängt derweil die Reize des hügeligen Nordens von Mallorca, die geschwungenen Straßen und Olivenbäume über den Felsen zum Meer, fast ohne Kitsch ein. „Man stirbt nicht so leicht“ wird auch darüber zu einem netten spätsommerlichen Wohlfühlfilm. Anschließend Herbsturlaub buchen.

          Weitere Themen

          Zwischen Allah und YouPorn

          Sitcom „Ramy“ : Zwischen Allah und YouPorn

          Hin- und hergerissen zwischen religiöser Prinzipientreue und jugendlicher Lebensbegierde: Die pointierte Sitcom „Ramy“ spießt die Lebensrealität junger Muslime in Amerika mit Geist, Witz und Würde auf.

          Topmeldungen

          Großzügiger Chef : Zehn Millionen Dollar Weihnachtsgeld

          Der Amerikaner Edward St. John ist Bauunternehmer und wohl ein ziemlich großzügiger Chef. Auf der jährlichen Weihnachtsfeier hat er nun eine besondere Bescherung für seine Mitarbeiter verkündet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.