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Snooker-Weltmeister Ronnie O’Sullivan : Einfach der Beste

Zum vierten Mal nach 2001, 2004 und 2008 Weltmeister im Snooker: Ronnie O’Sullivan Bild: dpa

Die Vorstellung war brillant, der Gegner Ali Carter hatte keine Chance: Ronnie O’Sullivan hat zum vierten Mal den Weltmeistertitel im Snooker erobert. Und das Denkmal denkt auch selbst.

          2 Min.

          Es war in vielerlei Hinsicht eine einzige Demonstration. In Windeseile hatte Ronnie O’Sullivan, der Perfektionist des Snooker, am Montagabend im Crucible Theatre von Sheffield seinen nach 2001, 2004 und 2008 nunmehr vierten Weltmeistertitel unter Dach und Fach gebracht.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Finalpartie, die üblicherweise bis Mitternacht währt, war dieses Mal bereits um kurz nach 21.30 Uhr unserer Zeit beendet. Für den tapferen Gegner Ali Carter gab es dabei ein trauriges déjà vu. Bereits im Endspiel von 2008 war er chancenlos gewesen, immerhin gelangen ihm drei Spielgewinne mehr, achtzehn zu elf stand es am Ende für O’Sullivan.

          Klar dominiert hatte er das Finale von Anfang an, spannend also war dieses ungleiche Duell nie. Dafür war es eine Augenweide, einem nun 36 Jahre alten und sichtlich gereiften Superstar bei der Arbeit zuzusehen. Er, der das schnelle, aggressive Snooker liebt, zeigte jetzt auch beim geduldigen Sicherheitsspiel, bei den sogenannten langen Einsteigern sowie bei der Ablage des weißen Spielballs nach jedem Stoß auf die roten und andersfarbigen Kugeln phasenweise vollendetes Können.

          Ein halbes Jahr Auszeit

          Zu Spitzenzeiten konnte der kontinentale Snooker-Sender Eurosport dabei 1,5 Millionen Fernsehzuschauer an sich binden, gut sechshunderttausend davon in Deutschland. Die BBC, deren zweites Programm aus Sheffield übertrug, gibt ihre Quoten zwar nicht preis - sie dürften zwischen fünf und sechs Millionen liegen -, allein der Umstand aber, dass man zugunsten der Snooker-WM die in Großbritannien höchst beliebte Wochenendsendung „Gardeners’ World“ ausfallen ließ, spricht für die Zugkraft dieses Sports.

          Dessen Zugpferd ist seit mehr als einem Jahrzehnt eben Ronnie O’Sullivan. Seine Demonstration endete mit dem Versenken des Matchballs denn auch keineswegs. Beim Siegerinterview bekannte der immer wieder unter depressiven Schüben leidende Weltmeister zunächst, dass er ohne die Hilfe seines Psychologen längst nicht mehr zu Turnieren antreten könnte. Dann gab er bekannt, sich ein halbes Jahr Auszeit zu nehmen. Schließlich bekam auch Barry Hearn, der geschäftige Präsident der Snookerprofis, sein Fett weg.

          Hearn, der den britischen Traditionssport vor allem durch die Vermehrung von weltweit ausgetragenen Wettbewerben globalisieren will, musste sich sagen lassen, er solle die Spieler besser behandeln: Er könne einfach nicht erwarten, dass diese „überallhin reisen, um all diese kleineren Turniere zu spielen“. Und mit der ihm eigenen Lust an der Polemik durch Ironie fügte O’Sullivan hinzu: „Ich mag das Gefühl nicht, wenn man mich - ist ,erpresst’ das richtige Wort für das, was ich sagen will?“ Noch kann Snooker, das bewies gerade diese WM, entschieden schwerer auf Ronnie O’Sullivan verzichten als dieser einfach Beste auf seinen Sport.

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