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SMS-Angebote in China : So wird man reich und schön

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Wohnungssuche? Schulwechsel? Liebeskummer? In China bieten SMS Lösungen für alle Lebenslagen. Bild: James Hardy/PhotoAlto/laif

Für alle Lebenslagen und Geschäftsprobleme etwas im Angebot: Als Inhaber einer chinesischen Mobilfunknummer lernt man Pekinger Ökonomie.

          Inhaber einer chinesischen Mobilfunknummer bekommen durch die ihnen zugesandten Kurzmitteilungen täglich Einblick in die vitalen Antriebskräfte einer Ökonomie, bei der legale und nicht ganz so legale Elemente ziemlich nah beieinanderliegen. Andernorts mag die Schattenwirtschaft am liebsten tief im Dunkeln bleiben, doch in China sind ihre Angebote von oft frappierender Sichtbarkeit.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Zum Beispiel in dieser freundlichen SMS: „Unsere Firma bietet Ihnen den Service an, Schulden aller Art einzutreiben. Sie zahlen erst bei Erfolg. Bei Beträgen unter 100.000 Yuan (etwa 12.000 Euro) bekommen Sie Ihr Geld noch am selben Tag, bei Beträgen bis zu einer Million Yuan innerhalb einer Woche.“ Eine solche Servicequalität lässt sich nur durch den besonderen Erfindungsreichtum erklären, der die einschlägige Branche in China auszeichnen soll.

          Als typisch (und natürlich illegal) bezeichnete der Fachanwalt Sun Jin in einem Gutachten die Methode, mit zehn kurzfristig angeheuerten Männern bei dem Schuldner zu erscheinen und in seiner Wohnung so lange eine Party zu feiern, bis die Rückzahlung geklärt ist. In schwierigen Fällen soll es auch zu Androhung und Vollstreckung von Gewalt kommen.

          Bankdaten des Schuldners verkaufen

          Etwas subtiler und gleichzeitig das berühmte kulturelle Muster des Gesichtsverlusts bedienend, ist, die Mahnbriefe nicht an den Schuldner selbst, sondern an dessen Verwandte, Chefs und Nachbarn zu richten; bisweilen werden auch, worauf die internationale Schuldenmanagementfirma „Cedar Financial“ ihre Kunden hinweist, unübersehbare Plakate am Hauseingang des Betreffenden aufgehängt, die über seine Schuldensituation informieren.

          Eine Abwandlung davon ist, nach gescheiterten Eintreibversuchen die persönlichen Bankdaten des Schuldners zu verkaufen. Natürlich wenden sich Banken, wie es das Gesetz vorschreibt, nur an eingetragene Rechtsfirmen, um ihr Geld zurückzubekommen, doch diese beauftragen dann häufig „Beratungsunternehmen“, die auf das Schuldeneintreiben spezialisiert sind.

          Die Konkurrenz unter ihnen ist groß. Wegen des sprunghaften Anstiegs der Kreditkartenausgabe und wegen der Verlockungen des Immobilienbooms und des dadurch vermehrten Kapitalbedarfs wächst die Schuldenbranche immer rascher. Viele SMS, die ein chinesischer Handy-Nutzer bekommt, setzen auf den Faktor Zeit beziehungsweise Geschwindigkeit.

          Wohnung als Pfand

          „Für Leute, die eine Eigentumswohnung gekauft haben und die nun dringend Geld brauchen: Bei uns bekommen Sie das Geld schon am selben Tag. Die Wohnung wird als Pfand genommen.“ Die regulären Angebote sind eben oft viel zu langsam für das chinesische Leben und seine plötzlich entstehenden und wieder vergehenden Chancen.

          Was nicht heißt, dass die geforderte Reaktionsschnelligkeit immer nur im Dienst kurzfristiger Ziele stünde; gerade der chinesische Immobilienmarkt, dem sich zahlreiche der SMS-Angebote widmen, bekommt seine besondere Dynamik nicht zuletzt durch Interessen, die sogar über die eigene Lebensspanne hinausreichen. „Auf keinen Fall schon an der Startlinie verlieren!“, hieß es in einer kürzlich eingegangenen Kurzmitteilung: „Viele Schwerpunktschulen werden in Ihrer Nähe sein.

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