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Fantasy-Comedy „Yonderland“ : Wenn Elfen helfen

Mit den Waffen einer Frau: Edith (Laurence Rickard), Lynn (Jim Howick) und Susan (Ben Willbond) sind nur einige der bunten Charaktere, denen man in „Yonderland“ begegnet. Bild: Sky

Eine britische Serie, die völlig aus der Zeit gefallen scheint: „Yonderland“ feiert den phantastischen Wahnsinn und lässt die Puppen tanzen.

          Das Tor zum alltäglichen Wahnsinn befindet sich im Küchenschrank. Eigentlich ist es ein Tor, das von dem einen Wahnsinn (Familienalltag im englischen Binnenland) in den anderen führt: ins „Yonderland“. Nur, dass es hier Pausenbrote zu schmieren gilt, während dort die Welt zu retten ist. Die Fantasy-Comedy-Serie „Yonderland“ verbindet beides auf unorthodoxe Weise - und ohne große Computereffekte. In „Yonderland“ regieren – neben den vormaligen Darstellern der in England gefeierten Familienunterhaltungsserie „Horrible Histories“ – die Puppen.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Debbie Maddox (Martha Howe-Douglas) schmeißt den Haushalt, die Zwillinge sind eingeschult, ihr Mann Pete (Dan Renton Skinner) zerreibt sich zwischen der Arbeit und seinen Träumen von einer Schauspielkarriere. Debbie lebt in der ewig gleichen Schleife: Schulbrote eintüten, reinemachen, fernsehen, kochen. Doch dann kommt ein wohlwollend-boshafter Elf aus dem Küchenschrank gestolpert. Dass dieser Elf eine Puppe mit kuhäugigem Gummigesicht ist (gesprochen und ge-puppenspielt von Mathew Baynton), wirkt nur in den ersten Minuten ein wenig aus der Zeit gefallen. Er erklärt Debbie zur Auserwählten und bringt sie – „ist das einer dieser verrückten Käseträume?“ – durch ein Portal aus türkisem Licht ins „Yonderland“.

          Mutti ist die Auserwählte – ein uraltes Eichhörnchen hat es vorausgesagt

          Diese Anderswelt wird ausschließlich – man fühlt sich an Berlin erinnert - von phantastischen Versagern mit schrägen Hüten, Frisuren oder Zottelpelz bevölkert. Debbie wird hier gebraucht, denn „Yonderland“ wird durch den Erzschurken Negatus und seine Herrin Imperatrix (ebenfalls Martha Howe-Douglas) bedroht - außerdem hat ein uraltes Eichhörnchen alles vorhergesagt. Von da an hat Debbie in jeder Folge Zeit, bis die Kinder nach Hause kommen, um an der Seite des Elfen Konflikte zu lösen und alberne Schnurren zu erleben.

          Kinder wie die Zeit vergeht: Laurence Rickard als „The Time Being“ und der helfende Elf.

          Das klingt zwar nach „Sesamstraße“ als Fantasy-Live-Rollenspiel, ist aber nicht zuletzt dank eines präzisen Timings, zahlreicher popkultureller Referenzen – es werden ganze Sätze aus Star Wars entlehnt – und der Selbstverständlichkeit aller möglichen Absurditäten ein Heidenspaß. Und zwar für alle: So werden Kinder über den „Nachrichtendrachen“ lachen, weil er lustig aussieht. Erwachsene werden sich darüber amüsieren, dass er seine Nachrichten auf den Schwingen – ein bildliches Wortspiel, das besser auf Englisch funktioniert - als „Leftwing-News“ und „Rightwing-News“ präsentiert.

          Wer will, kann sich an der Gleichförmigkeit der Episoden oder am Gaga-Grad stören. Auch ist der Weg zur Truppe von Monthy Python, mit der der Humor von „Yonderland“ gerne verglichen wird, noch weit. Doch auch wenn die Serie nicht mehr brandneu ist (in England lief sie bereits 2013), gewagt ist sie dennoch, und der Grad an herzlicher Doppelbödigkeit wird auch 2017 mit all den ironischen, teils zynischen Serien kaum zu überbieten sein. Wermutstropfen – vor allem für jüngere Zuschauer – ist allein der späte Sendeplatz, den Sky der Serie hierzulande eingeräumt hat. Aber „Yonderland“ ist nicht der schlechteste Grund, länger aufzubleiben.

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