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Abosender Sky : Abstiegsangst

Beim Wettbewerb um die Sportrechte liegt die Konkurrenz gleich nebenan. Bild: dpa

Die Fußball-Bundesliga bleibt bei Sky. Damit hat sich der Abosender erst einmal vor dem Aus gerettet. Die Konkurrenz wird aber immer stärker.

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          Für Sky ging es bei der Vergabe der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga um alles oder nichts. Hätte der Abosender beim Wettbieten den Kürzeren gezogen, wäre dort nach der nächsten Saison Feierabend gewesen. Denn knapp die Hälfte der geschätzt fünf Millionen Kunden von Sky Deutschland dürften auf den Sport und den Fußball abonniert sein. Die Rechte an der Champions League hatte Sky zuletzt an die Konkurrenz von Amazon verloren, blieb nur noch die Bundesliga. Die hat Sky nun doch für die Spielzeiten von 2021 bis 2025 erwerben können, muss sie sich aber, was die erste Liga angeht, mit dem Streamingdienst Dazn teilen.

          Zweihundert Spiele laufen bei Sky, 106 Partien bei Dazn. Aber dafür hat sich der Abosender nun die alleinigen Übertragungsrechte an der Formel 1 gesichert und legt – mit großer Geste –, bei seinem selbstproduzierten Serienprogramm zu.

          Man baue sein „Entertainment Line-up zukünftig massiv aus“ und habe sich „hochkarätige Filmrechte gesichert“. Das teilte Sky am Montag mit, als die Deutsche Fußball-Liga bekanntgab, wer demnächst die Bundesliga überträgt. Mehr als zweitausend zusätzliche Programmstunden mit Unterhaltung verspricht der Sender. Vier neue Kanäle werden eingerichtet (Sky Crime, Sky Nature, Sky Comedy, Sky Documentaries), in den kommenden drei Jahren werde man pro Quartal die Zahl der neuen Sky-Original-Serien auf bis zu acht pro Quartal erhöhen, mit den amerikanischen Studios habe man Deals über die „Top 100 Box Office Filme“ vereinbart.

          Das klingt nach einer Offensive, und um eine solche handelt es sich auch, aber sie nimmt sich im Vergleich zu der Konkurrenz, mit der es die inzwischen zum amerikanischen Kabelkonzern Comcast gehörende Sky-Gruppe zu tun, dann doch wieder eher bescheiden aus.

          Netflix hat im vergangenen Jahr angekündigt, man werde zwei Milliarden Dollar ins Programm investieren, um den Kundenstamm von mehr als 180 Millionen Abonnenten weltweit bei Laune zu halten und neue Kunden zu gewinnen. Der Abodienst Disney+ ist erst seit kurzem am Start, rollt den internationalen Markt aber mit den Eigenproduktionen des Konzerns auf, die andere nun nicht mehr im Programm haben oder sehr teuer bezahlen müssen. Amazon, das sich bei der Bundesliga erstaunlicherweise zurückgehalten hat, gibt sich mit Filetstücken wie der Champions League zufrieden – vorerst. Und der Streamingdienst Dazn, getragen von einem Finanzinvestor, kauft an Sportrechten, was zu kriegen ist – die Champions League und ein Drittel der Partien der ersten Bundesliga.

          Ob Sky, das für seine Dienste im Vergleich mit der Konkurrenz die höchsten Gebühren verlangt, in der Tabelle der Fernseh- und Streamingkonzerne bald vorn liegt oder nicht gerade so eben den Abstieg verhindert hat, wird sich in den kommenden vier Jahren zeigen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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