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Sky-Dokumentation über Kunst : Blumen aus dem Nichts

  • -Aktualisiert am

Ein Team von Kunstexperten will verschollene Kunstwerke in „Das Geheimnis der verlorenen Meisterwerke“ als detailgetreue Repliken wieder sichtbar machen. Bild: obs

Die Dokumentationsreihe „Das Geheimnis der verlorenen Meisterwerke“ begleitet Experten bei der Rekonstruktion von Kunst. Ihr Ziel wirkt beinahe vermessen.

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          Es gibt Bilder, die gibt es nicht mehr. Oder anders: Bilder, die es nicht mehr gibt, gibt es jetzt wieder: „Das Konzert“ von Jan Vermeer, die „Medizin“ von Gustav Klimt oder das „Portrait of Sir Winston Churchill“ von Graham Sutherland. All diese Gemälde haben – abgesehen von der Tatsache, dass sie bei einer Auktion höchste Preise erzielen würden – eines gemeinsam: Sie sind verschwunden oder wurden vor vielen Jahren zerstört, sollen bald aber trotzdem wieder zu sehen sein.

          Ein Team spanischer und britischer Kunstexperten will die verschollenen Kunstwerke als detailgetreue Repliken wieder sichtbar machen. Ihr Ziel wirkt beinahe vermessen: eine Kopie von etwas anzufertigen, obwohl es kaum Anhaltspunkte dafür gibt, wie das Original ausgesehen haben könnte. In der Dokumentationsreihe „Das Geheimnis der verlorenen Meisterwerke“ begleitet der Sender Sky die Experten dabei und schildert in insgesamt acht Folgen die Geschichten der Werke und ihrer Schöpfer.

          Bis auf den letzten Pinselstrich

          Jede Folge widmet sich einem Kunstwerk. Im Mittelpunkt der ersten Episode steht das Gemälde „Sechs Sonnenblumen“ von Vincent van Gogh. Das Werk ist Teil einer Serie von insgesamt sieben „Sonnenblumenbildern“, die van Gogh im Jahr 1888 während eines Aufenthalts in der französischen Provence malte. Sechs dieser Bilder sind auf der ganzen Welt verstreut, sie hängen in Galerien oder sind Teil von Privatsammlungen. Das siebte, die „Sechs Sonnenblumen“, gibt es aber schon seit 1945 nicht mehr. Es fiel in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs einem Bombenangriff in Japan zum Opfer.

          Eine Reproduktion aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dient den Experten von „Factum Arte“, einer spanischen Spezialfirma für 3D-Drucke, als Referenzmaterial. Auf die Originalmaße vergrößert, ist aber auch diese Reproduktion viel zu verzerrt, um Rückschlüsse auf die verwendeten Farben oder die Technik ziehen zu können. Die Maler, Kunsthistoriker und Techniker von „Factum Arte“ wissen sich zu helfen. In vielen kleinen Arbeitsschritten wird das Kunstwerk bis auf den letzten Pinselstrich rekonstruiert.

          Die Protagonisten der Dokumentarserie gibt es nicht mehr, sie wurden geraubt oder zerstört: acht Gemälde von Vermeer, van Gogh, Monet, Sutherland, Klimt, De Limpicka, Marc und Caravaggio.

          In der Dokumentation kommen die Zuschauer den einzelnen Phasen des gesamten Arbeitsprozesses sehr nahe. Immer wieder gibt es Sequenzen, in denen die Experten Schritt für Schritt erklären, was sie da eigentlich tun. Derweil sieht man ihnen dabei zu – wenn etwa ein Maler ein Bild mit Acrylpaste „nachmalt“, um ein Gefühl für den Schwung von van Goghs Pinselstrich zu bekommen. Oder wenn die Künstler die perfekte Farbnuance aus mehreren Gelbtönen mischen müssen, weil van Gogh mit Chrom-Farbe gearbeitet hat, die giftig und heute schwer erhältlich ist. Die Repliken werden schließlich mit Hilfe von speziell entwickelten 3D-Druckmaschinen angefertigt und können die Originale zwar nicht ersetzen, kommen ihnen aber doch sehr nahe.

          Neben der Reproduktion der verschwundenen Bilder ist der zweite Schwerpunkt der Doku-Reihe die Geschichte der Werke. Im Fall von van Gogh bedeutet das einen dokumentarischen Kurztrip nach Frankreich. In der Stadt Arles in der Provence, wo van Gogh die „Sonnenblumenbilder“ malte, zeichnet die Folge die Entstehungsgeschichte des Werks nach.

          Außerdem thematisiert sie van Goghs psychische Erkrankung, die ihn seine Leben lang begleitete und die ihn am Ende in den mutmaßlichen, aber glaubhaft bezweifelten, Suizid trieb. Gerade während seiner Zeit in der Provence rang van Gogh mit sich. Er fühlte sich durch die Heiratspläne seines Bruders Theo von diesem im Stich gelassen. Theo war van Goghs wichtigste Bezugsperson, er finanzierte dem Künstler seine komplette Karriere, die Briefe, welche die Brüder einander schrieben, sind bekanntlich eine der wichtigsten Forschungsgrundlagen für Kunsthistoriker zum Wirken Vincent van Goghs.

          Das Geheimnis der verlorenen Meisterwerke, Ostersonntag, 20.15 Uhr auf Sky Arts

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