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Skandal im RBB : Hoher Bonus für Schlesinger

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Soll zahlreiche Verfehlungen im Amt begangen haben: Patricia Schlesinger Bild: dpa

„Boni“ gab und gibt es im RBB angeblich nicht. Aber es gibt „Zielprämien“. Die fielen für die gekündigte Intendantin Patricia Schlesinger und die RBB-Direktoren sehr üppig aus: 200.000 Euro mehr pro Jahr für die Senderspitze.

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          Vor dem brandenburgischen Landtag hat der geschäftsführende Intendant des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) zwar bestritten, dass in seinem Sender „Boni“ bezahlt würden. Es gibt sie aber sehr wohl, sie heißen nur anders. Sie werden als „flexible Gehaltanteile“ oder „Zielprämie“ ausgewiesen. Und sie fallen ganz schön hoch aus. Nach Informationen des Onlinedienstes „Business Insider“ erhielten die erst zurückgetretene und dann fristlos gekündigte Intendantin Patricia Schlesinger und die Direktoren des Senders auf diese Weise zusammen mehr als 200.000 Euro pro Jahr zusätzlich.

          Das Prämiensystem sei vor mehr als vier Jahren eingeführt worden. Schlesinger habe im Jahr 2020 neben ihrem „Basisgehalt“ von 261.000 Euro, eine Aufwandspauschale, einen Familienzuschlag, geldwerte Vorteile und besagte „Zielprämie“ erhalten - mehr als 60.000 Euro. Schlesingers Bezüge hätten 2020 weit jenseits der 300.000 Euro gelegen, 2021 wurde ihr Grundgehalt - angeblich ausgehandelt unter vier Augen mit dem inzwischen zurückgetretenen Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf - auf 303.000 Euro erhöht.

          Das Prämiensystem soll 2018 auf Betreiben von Schlesinger und Wolf entwickelt worden sein. Dafür wurde die Beratungsgesellschaft Kienbaum hinzugezogen, die einen fünfstelligen Betrag dafür erhielt, das ausgeklügelte System auszuarbeiten. Nach Darlegung der internen RBB-Rechercheure funktionierte es wie folgt: Die Mitglieder der Geschäftsleitung - Intendantin und vier Direktorinnen und Direktoren, erhalten ein „Basisgehalt“ von 100 Prozent und ein sogenanntes „Grundgehalt“. Das Grundgehalt liege 8,33 Prozent unter dem Basisgehalt und werde monatlich ausgezahlt. Die 8,33 Prozent würden zunächst zurückgehalten und seien an die Erfüllung personalisierter Ziele gebunden. Werden die „Ziele“ erreicht, gibt es einen Zuschlag von 20 Prozent. Wer seine Ziele „deutlich überschritten“ hat, bekommt 25 Prozent mehr als sein „Grundgehalt“ ausgemacht hätte.

          Wie es sich mit dem Prämien- oder Bonussystem im RBB genau verhält, gibt der Sender bislang nicht preis. Dem „Business Insider“ gegenüber wie auch dem Rechercheteam aus dem eigenen Haus wie auch bei Anfragen anderer Journalisten heißt es in diesem Fall: „Mit Rücksicht auf die laufenden Untersuchungen der Generalstaatsanwaltschaft geben wir derzeit keine Auskunft zu Details der Amtsführung von Patricia Schlesinger, das schließt die Frage der variablen Gehaltsanteile ein.“

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