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Skandal um Doku-Serie : Aufruhr im amerikanischen Ententeich

  • -Aktualisiert am

Duck Dynasty: Phil Robertson (links) hat den Skandal ausgelöst. Rechts neben ihm sein Sohn Jade, gefolgt von Bruder Si und Phils zweitem Sohn Willie Bild: AP

Die Reality-Serie „Duck Dynasty“ ist ein Riesen-Erfolg. Nun hat sich der Patriarch der in den Sümpfen von Louisiana lebenden Entenjäger-Familie Robertson schwulenfeindlich geäußert. Amerika hat seinen Vorweihnachtseklat.

          Skandal im Ententeich: Nach den schwulenfeindlichen Äußerungen in der Zeitschrift „GQ“ von Phil Robertson, dem Patriarchen der Familie aus dem Reality-Hit „Duck Dynasty“, ist die Zukunft der Serie um den Entenjäger-Clan aus  Louisiana ungewiss. Der Sender suspendierte Phil Robertson bis auf weiteres von der Serie, die wöchentlich bis zu zwölf Millionen Zuschauer einschalten und die zu einem Kultprogramm avanciert ist.

          Die Serie handelt von Phil Robertson, seinem Bruder Si, seinen  Söhne Willie und Jase und ihren Familien. Die sind durch den Verkauf von Ententröten reich geworden und werden nun bei allerlei Unsinnsabenteuern in den Sümpfen von Louisiana und der Führung ihrer Firma vom Fernsehen beobachtet. Die Attraktion der Serie speist sich aus dem entspannten Redneck-Charme der vier Hauptfiguren, die über das Leben philosophieren. Da geht es um Frauen, die Jagd, Fastfood und Familienrivalitäten.

          Dass die Männer und ihre Familien außerdem gläubige Christen sind – es wird bei Tisch gebetet, Alkohol ist tabu – verschaffte den Bartträgern nicht nur bei konservativen Amerikanern, sondern bei unterschiedlichsten Zuschauergruppen eine riesige Resonanz. Sie sind zu regelrechten Superstars geworden, ihre Konterfeis zieren T-Shirts, Getränkekühlern und Magazin-Titel.

          Schwule als „Missetäter“

          Doch als sich Phil Robertson in einem Interview mit dem Männermagazin „GQ“  auf die Frage, was er für sündhaft halte, über Homosexualität äußerte („Es scheint mir, das eine Vagina – als Mann – begehrenswerter ist als der Anus eines Mannes“) und Schwule als „Missetäter“ bezeichnete, die „ebenso wenig wie Ehebrecher, männliche Prostituierte, Schwindler, Trinker und Gierhälse das Königreich Gottes betreten werden“, brach ein Sturm der Entrüstung los, dem sich der Sender A & E auch gleich anschloss. Robertson verharmloste in weiteren Äußerungen außerdem das Los Schwarzer in den Südstaaten, am Vorwurf des Rassismus kam er nur knapp vorbei.

          „Wir sind tief enttäuscht über die Äußerungen von Phil Robertson, die auf seinen persönlichen Überzeugungen beruhen und in der Serie nicht reflektiert werden und in keiner Weise die Auffassungen von A & E spiegeln. Der Sender hat Robertson unbefristet von den Dreharbeiten suspendiert“, teilte A & E mit.

          Fan-Proteste (eine Facebook-Seite namens „Bring Phil Back“ erzielte bisher 279.000 „Likes“, weitere Petitionen finden sich auf Webseiten wie „IstandwithPhil.com“ und „Change.org“) blieben vom Sender bislang unkommentiert. Die Restaurantkette Cracker Barrel zog ihre Werbespots im Umfeld der Serie zurück, der Schauspieler Charlie Sheen, der 2011 selbst für Ausfälle gegenüber den Produzenten seiner Serie „Two and A Half Men“ an die frische Luft gesetzt wurde, schaltete sich mit einer weitschweifigen Twitpic-Botschaft ein, in der er Robertson als „Entenhirn“ bezeichnet und schreibt: „Schämen Sie sich. Sie sind der einzige lebende Gehirnspender, den ich kenne.“

          Phil  Robertson selbst hatte noch vor seinem Rauswurf ein Statement veröffentlicht, in dem er bekräftigt: „Ich würde nie  jemanden respektlos behandeln, weil er anders ist als ich. Wir wurden alle vom Allmächtigen kreiert, und wie er liebe ich alle Menschen.“

          Auch die Familie Robertson meldete sich inzwischen zu Wort. „Wir haben eine erfolgreiche Arbeitsbeziehung mit A & E“, hieß es in einer Mitteilung des Clans, „aber als Familie können wir uns nicht vorstellen, die Show ohne unseren Patriarchen fort zu führen.“ Man diskutiere mit A & E über die Zukunft der Serie.

          Für den Sender steht ebenso viel auf dem Spiel  wie für die Familie Robertson – dank „Duck Dynasty“ konnte der kleine Kabelkanal seine Zuschauerreichweite allein in diesem Jahr um zehn Prozent steigern.

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