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Sitcom „The Millers“ bei Pro Sieben : So war der Generationenvertrag nicht gedacht

  • -Aktualisiert am

Hat´s einfach drauf: Erst zieht Carol (M. Martindale) bei ihrem Sohn (W. Arnett) ein, dann stiehlt sie ihm die Schau. Bild: Foto Pro Sieben

Pro Sieben beginnt mit einer neuen amerikanischen Serie, die bestens zur vergreisenden Gesellschaft passt. Die Alten rücken den Jungen auf den Pelz. Und die werden sie nicht mehr los.

          Altmodische, man könnte sogar sagen: rückständige Figuren sind eine Spezialität von Greg García. Seine Sitcom „My Name is Earl“ erzählte von einem, der das Konzept des Karma als ein Belohnungssystem begreift, mit dem man dem eigenen Glück auf die Sprünge hilft. In „Raising Hope“ schrieb er über eine Familie liebenswert-schräger Hinterwäldler, die ihr Enkelkind mit Todesverachtung für moderne Erziehungskonzepte (und gesundem Menschenverstand) großziehen.

          Aber mit „The Millers“, einer Sitcom, die auf Erlebnissen mit seinen eigenen Eltern basiert, hat García jetzt eine insgesamt so altmodische Comedyserie geschaffen, dass man sich wie in einer Wiederholung aus den achtziger Jahren fühlt: Lacher vom Band untermalen die Pointen, die Situation - ein verzanktes Alt-Ehepaar zieht zurück zu den Kindern - ist denkbar harmlos, und der Clou ist: Ihr Sohn hat ihnen bislang seine Scheidung verheimlicht.

          Eine zeitgemäß-schräge Komödie

          Zugegeben, der Sender CBS ist im amerikanischen Fernsehen eher auf Krimis als auf Sitcoms spezialisiert, und hier zeitgemäß-schräge Comedy im Stil von ABCs „Modern Family“ oder gar NBCs „Community“ zu erwarten ist unrealistisch. Aber die Erwartungen waren hoch angesichts der großen Talente, die der Sender verpflichtete: Margo Martindale, die 2011 einen Emmy für ihre Rolle der Clan-Matriarchin Mags Bennett in „Justified“ bekam, spielt die herrische Übermutter Carol, die nach dreiundvierzig Ehejahren bei ihrem Sohn Nathan (Will Arnett aus „Arrested Development“) einzieht. Der vielfach preisgekrönte Beau Bridges ist als ihr unbeholfener, entnervter Ehemann Tom zu sehen, der seinerseits Unterschlupf bei seiner New-Age-Tochter Debbie (Jayma Mays aus „Glee“) findet.

          Martindale und Bridges spielen hier zum ersten Mal Sitcom-Hauptrollen, und sie scheinen den richtigen Groove erst noch finden zu müssen. Margo Martindale verkörpert Carol mit einer so polternden Dominanz, dass sie einem zweiköpfigen Elefanten auf der Bühne die Show stehlen würde, Beau Bridges lässt die liebenswürdige Hilflosigkeit von Tom bisweilen ins Kindische abgleiten.

          Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles gaben die beiden Schauspieler immerhin zu Protokoll, ihren Figuren ziemlich ähnlich zu sein. „Ich werfe mir das nicht vor“, sagte Margo Martindale mit ironischem Grinsen. „Ich versuche, das Gute in Carol zu sehen. Sie agiert ja aus dem ehrlichen Bedürfnis heraus, die Leute ringsherum zu besseren Menschen zu machen.“ Mit dem Alter habe der Hang zur Übermutti übrigens wenig zu tun, sagte die Zweiundsechzigjährige. „Entweder man hat das, oder man hat es nicht. Meine eigenen Kinder haben mich gefragt, ob Greg García die Rolle der Carol mit mir im Sinn geschrieben habe.“

          Es macht Spaß, ist aber eine Herausforderung

          Auch Beau Bridges, zweiundsiebzig Jahre alt, bekannte, er sei in vielerlei Hinsicht wie Tom, der Schwierigkeiten hat, die Fernbedienung des Fernsehers vom Telefon zu unterscheiden. „Meine Familie sagt immer, wenn ich zu Hause etwas Technisches anfasse, geht es sofort kaputt“, sagte der Vater von fünf erwachsenen Kindern. Nein, er könne sich nicht vorstellen, zu einem seiner Kinder zu ziehen, die seien schließlich eben erst aus dem Haus. Aber die Comedy-Hauptrolle habe ihm einiges abverlangt, sagte der Hollywood-Veteran, der in einer Schauspielerfamilie mit seinem Vater Lloyd als Lehrer und seinem jüngeren Bruder Jeff als Schüler aufwuchs. „Man muss hier sein ganzes Werkzeug mitbringen, weil man nicht nur vor Live-Publikum spielt, sondern auch vor mehreren Kameras. Es macht Spaß, ist aber eine Herausforderung.“

          Die Kritik verübelte Greg García vor allem, dass er sein Publikum bei all den Fähigkeiten dieser gestandenen Schauspieler in der Auftakt-Episode mit Furz-Witzen abspeiste. Margo Martindale fand allerdings, die Kritiker hätten „ein Gebirge aus einer Furzwolke gemacht“. Bridges verteidigte die Szene ebenfalls. „Greg García spricht nunmal gern Dinge an, über die einige von uns lieber stillschweigen“, sagte er in Los Angeles. „Manche Leute halten Flatulenz offenbar für ein dunkles Tabuthema. Ich sehe es eher als ganz natürliches Phänomen, das hin und wieder eben rausdrängt.“

          Neben solchen Scherzen gibt es in der ersten Episode immerhin eine wirklich komische Verneigung vor „Dirty Dancing“. Bei CBS haben „The Millers“ ihr Publikum ebenso wie die vorherige, schlicht gestrickte Comedy des Senders, „Two Broke Girls“, gefunden. Aber Fans von Bridges und Martindale sei ans Herz gelegt, die beiden in den Fernseh-Dramen anzuschauen, in denen sie ebenfalls beschäftigt sind: „Masters of Sex“, wo Margo Martindale in einer Gastrolle und Bridges in einer Nebenrolle zu sehen ist. In „The Americans“ spielt Martindale die KGB-Verbindungsfrau der Hauptfiguren. Nicht zu vergessen die zweite Staffel von „Justified“, für die sie ihren Emmy bekam.

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