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Sir David Frost gestorben : Verführerische Fragen eines gefürchteten Mannes

  • -Aktualisiert am

Sir David Frost, 7. April 1939 bis 31. August 2013 Bild: AP

Er war der Sohn eines Pfarrers, wurde erst ein Fernsehstar und dann zum Ritter geschlagen. Weltberühmt machte den Journalisten David Frost sein Interview mit Richard Nixon - und Ron Howards Film darüber. Ein Nachruf.

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          David Frost begann seine Fernsehkarriere Anfang der sechziger Jahre in dem satirischen Wochenrückblick „That was the week that was“ als Geißel des Establishment und stieg - „spurlos“, wie die Frau des Journalisten Malcolm Muggeridge fauchte - auf beiden Seiten des Atlantik so hoch auf, dass er selber Zielscheibe des Spotts wurde.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Der Sohn eines Methodistenpastors brachte es zum Ritter, der mit der Tochter eines Herzogs verheiratet war und im Ruf stand, das beste Adressbuch zu besitzen. In Downing Street und im Weißen Haus wurden seine Anrufe entgegengenommen; die Drahtzieher der Macht ließen sich nicht lange bitten, wenn er - zuletzt beim arabischen Sender Al Dschazira - zum Gespräch lud.

          Der junge Frost besaß Ehrgeiz, Chuzpe und unternehmerische Gaben. Bevor der satirische „Frost Report“ lanciert wurde, lud der Sechsundzwanzigjährige zum Frühstück in ein Londoner Nobelhotel ein. Premierminister Harold Wilson, der Philosoph A. J. Ayer und der als Vertreter der säkularen Theologie umstrittene Bischof von Woolwich gehörten zu den Gästen. Frosts Kontakte und seine Fähigkeit, große Namen für seine Sendung zu gewinnen, sind legendär.

          Szene aus Ron Howards Film „Frost/Nixon“ von 2008: Nixon (Frank Langella, links) unterschätzt Frost (Michael Sheen) und geht ihm dann in die Falle.

          Mit einer schmeichelnden Art und einem an Temperamentlosigkeit grenzenden Gleichmut plauderte er mit Politikern im selben Ton wie mit den Prominenten und Halbprominenten, die ihm ihre Wohnungstüren in der Ratesendung „Through the Keyhole“ öffneten. Obwohl seine Fragen mitunter von kaffeekranzhafter Banalität waren und er selber abseits des Bildschirms wie ein Mann ohne Eigenschaften wirkte, galt er als gefürchteter Interviewer.

          Er vermochte die Befragten in falscher Sicherheit zu wiegen und ihnen Bekenntnisse zu entlocken, die Schlagzeilen machten. Kein politischer Interviewer hat je weltweit derart hohe Einschaltquoten erreicht, wie David Frost mit seiner später für Bühne und Leinwand verarbeiteten Befragung Richard Nixons, bei der der in Ungnade gefallene Politiker sich erstmals für die Watergate-Affäre entschuldigte. Am vergangenen Samstag ist David Frost im Alter von 74 Jahren plötzlich gestorben.

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