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„Sing meinen Song“ bei Vox : Die süße Braut hat die beste Stimme

Beklatschen sich von links nach rechts selbst: Xavier Naidoo, Sasha, Roger Cicero und Sarah Connor in „Sing meinen Song“ Bild: Vox

Vox ist allemal besser, vor allem pfiffiger als der große Bruder RTL. In der neuen Show „Sing meinen Song“ sperrt der kleine Sender nun sieben Musiker in eine Villa im Busch und lässt sie dann einfach mal loslegen. Reicht das? Warum nicht?

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          Was ist der Unterschied zwischen RTL und Vox? RTL schickt Prominente, die nichts können, aber einiges aushalten müssen, ins Dschungelcamp zum Madenessen. Vox schickt Prominente, die einiges draufhaben, in eine Luxusvilla nach Südafrika mit Fernblick aufs Kap der Guten Hoffnung, um sie abends zum Konzert zu bitten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sieben Sängerinnen und Sänger, Interpreten aus Pop, Rock und Volksmusik, treten an, um die Lieder der jeweils anderen vorzutragen. „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“ heißt die Show, in der Xavier Naidoo den Gastgeber mimt. Er macht das mit jener Freundlichkeit, die man von ihm kennt. Vox, das zeigen die Abende dieses „Tauschkonzerts“, ist der zivilisiertere Sender der RTL-Gruppe.

          Pleiten, Pech und Pannen, das geht immer, das ist das Bohlen-Prinzip. „Promi Big Brother“ - das hatten wir auch schon. Aber echte Musik, mit Emphase, nur so? Da wird es schwierig, wie man am mäßigen Zuspruch für „The Voice Kids“ bei Sat.1 erkennen kann. An der Show gibt es wenig zu mäkeln, an den jungen Sängerinnen und Sängern schon gar nicht. Damit das Publikum aus dem Häuschen gerät, muss schon eine singende Klosterfrau wie Suor Cristina her, die in der italienischen Ausgabe von „The Voice“ bei der RAI die Leute von den Stühlen holt.

          Alle sitzen erst mal auf dem Sofa wie bei „Wetten dass . .?“

          Das wünschen sich auch die Matadore von „Sing meinen Song“. Allerdings ist es ein Konzert mit - zunächst - sehr wenig Publikum. Xavier Naidoo, Sarah Connor, Sandra Nasic, Andreas Gabalier, Sasha, Roger Cicero und Gregor Meyle sitzen vorm Lagerfeuer, auf dem Sofa wie bei „Wetten, dass . . ?“ und schlürfen Drinks. Dann tritt einer nach dem anderen vor und schmettert einen Song der- oder desjenigen, um dessen Stücke es an diesem Abend geht.

          Das kann peinlich oder großartig werden, wie sich schon in der ersten Runde zeigt. Der Volksmusikrocker Andreas Gabalier müht sich ziemlich mit Sashas „Lucky Day“. Dafür legt Sarah Connor eine Version von „I feel lonely“ zum Niederknien hin. Eine jazzige Ballade mit Blues-Stimme - so etwas würde man von der Popsängerin gern nur noch hören. „Meine Stimme ist meine Macht, meine Waffe“, sagt sie. Und was für eine. Auf den Begriff „süße Braut“, für welche die Rock-Kollegin Sandra Nasic von den Guano Apes Sarah Connor zunächst gehalten hatte, lässt sich die Sängerin jedenfalls schwerlich reduzieren.

          In der Runde, in der die Songs von Sandra Nasic dran sind, ist das mit der Stimmgewalt wiederum so eine Sache. Von den Guano Apes kennt man ja eher die eine oder andere Schreiorgie. Es ist deshalb kein Wunder, dass Xavier Naidoo und die anderen am Ende dieses Liederabends nur eines sind: heiser.

          Mit sechs Liedern pro Abend in sechs neuen Versionen ist es natürlich nicht getan. „Sing meinen Song“ wird mit den üblichen Schnickschnack-Elementen aufgepeppt: Die Landung mit dem Kleinflugzeug auf der Buschpiste wird ein bisschen dramatisiert, die Zimmer in der atemberaubenden Villa in der Wildnis werden artig bestaunt, es gibt Sekt im Abendrot. Und dann loben sich die sechs Siebeng’scheiten gegenseitig über den grünen Klee.

          Der Sänger Sasha meint zwar einmal, hier stelle man sich der „härtesten Jury der Welt“, aber das ist natürlich Koketterie. Die sieben sagen sich sehr freundlich auf den Kopf zu, wie sie den Auftritt des jeweils anderen gerade fanden und wer der Sieger des Abends ist. Hier geht es darum, dass alle möglichst gut wegkommen. Das unterstreicht auch der Umstand, dass Vox jedem der Musiker im Anschluss an die wöchentliche Show eine Dokumentation spendiert, nach dem Motto: Über sieben Dokus musst du gehen und sechs Cover-Versionen deiner Songs überstehen. Das ist vielleicht ein bisschen viel der Promotion in eigener Sache. Es ist aber auch was ganz anderes als das Dschungelcamp.

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