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Kein Glamour, keine Stars : Sind die „Golden Globes“ am Ende?

  • Aktualisiert am

Helen Hoehne, die Präsidentin der Hollywood Forein Presse Association (HFPA), und der Rapper Snoop Dogg, der bei der Preisverleihung moderieren wird. Bild: AFP

Die „Golden Globes“ sind wegen des Vorwurfs fehlender Diversität und Mauscheleien in die Kritik geraten, jetzt finden sie ohne Publikum statt. Helen Hoehne, die Chefin des Verbands der Auslandspresse, glaubt trotzdem an eine Wende.

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          Kein Roter Teppich, keine Fernsehkameras, keine Stars: Die Bekanntgabe der Golden-Globe-Gewinner in der Nacht zum Montag in Beverly Hills ist nicht die übliche Gala-Party. Auch wegen der Corona-Pandemie hätten sie umdenken müssen, sagte Helen Hoehne, Vorsitzende des Verbands der Auslandspresse (Hollywood Foreign Press Association, HFPA). Man habe nur eine kleine Zahl von Gästen, Mitglieder und Spendenempfänger, eingeladen. „Kein Publikum, keine Medien, keine Prominente“, sagte die gebürtige Hamburgerin, die im September zur neuen HFPA-Chefin gewählt wurde. Es wird eine kleine Veranstaltung, aber man freue sich, wieder die Besten aus Film und Fernsehen zu würdigen, wie man es seit 79 Jahren mache. 

          Als Favoriten gehen das Drama „Belfast“ und der Western „The Power of the Dog“ ins Rennen. Beide Filme wurden für jeweils sieben Auszeichnungen nominiert. Die Golden Globes galten bis dato als die zweitwichtigsten Filmpreise Hollywoods nach den Oscars. Doch nun gibt keine Fernsehübertragung, keinen Livestream. Die Namen der Gewinner sollen nur in den sozialen Medien mitgeteilt werden. Im vorigen Jahr war die Organisation vor allem wegen mangelnder Diversität - kein schwarzes Mitglied gehörte dem Gremium an - unter Druck geraten. Der Sender NBC sagte die TV-Übertragung für 2022 ab, viele Stars übten heftige Kritik, Firmen setzten die Zusammenarbeit aus. Scarlett Johannson rief zum Boykott der „Golden Globes“ auf, Tom Cruise gab seine drei in der Vergangenheit errungenen „Globes“ aus Protest zurück. Die Kritik bezieht sich vorrangig auf die fehlende Diversität, aber auch auf Intransparenz und angebliche Mauscheleien. Geschenke an Juroren seien üblich gewesen, bezahlte Einladungen an Pressesets ebenfalls.

          Diversitäts-Berater

          „Wir haben in den letzten neun Monaten sehr hart daran gearbeitet, unsere Organisation von Grund auf zu reformieren und umzustrukturieren“, sagt Hoehne. Ein Diversitäts-Berater wurde eingestellt, ein neuer Vorstand gewählt, die Mitgliedschaft vergrößert. 21 neue Mitglieder, darunter sechs schwarze Journalisten, wurden seither aufgenommen. 103 Auslandsjournalisten stimmen nun über die seit 1944 vergebenen Preise ab.

          Im Rahmen des Globe-Events will der Verband auch seine philanthropische Arbeit und die Reformen ansprechen. In den vergangen 25 Jahren habe die HFPA mehr als 50 Millionen Dollar an Dutzende Wohltätigkeitsorganisationen gespendet, sagt Hoehne. Darunter ist der Verein „Streetlights“, der Minderheiten und Frauen in der Filmbranche unterstützt. Statt Promis sollen nun Vertreter dieser Gruppen auf der Bühne stehen, die Umschläge öffnen und die Preisträger verkünden.

          Trotz Kritik und Krise bei den Globes verteidigt Hoehne die Entscheidung, auch in diesem Jahr Anwärter zu nominieren und Preise zu vergeben. Stars wie Jessica Chastain, Nicole Kidman, Cynthia Erivo, Omar Sy und Billy Porter hätten ihre Nominierung Mitte Dezember in den sozialen Medien begrüßt, zählt Hoehne auf. „Das freut uns natürlich.“ Doch der übliche Begeisterungssturm der Hollywoodstars war diesmal ausgeblieben.

          „Manchmal braucht man einen Wake-up-Call, um sich zu verändern“, sagte die deutsche Journalistin. Der Boykott sei recht hart gewesen, aber die HFPA stehe nun viel besser da. „Auf jeden Fall sind wir zuversichtlich, dass wir 2023 für unser 80. Jubiläum wieder eine Gala haben“, sagt Hoehne. Sie hofft auf ein Comeback. Jahrelang hatten die Golden Globes den Ruf, Hollywoods lockerste und champagnerseligste Trophäen-Party zu sein. 

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