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Silicon Valley : Aus der Nähe sehen sie ganz friedlich aus

Auf den ersten Blick enttäuschend, aber wer mit Christoph Keese genau hinsieht, versteht Silicon Valley. Bild: David Parker/Science Photo Library

Der „Springer“-Mann Christoph Keese hat sich das Silicon Valley genauer angesehen. Sein Bericht aus dem Machtzentrum enthält Details, die einem Angst machen können. Deshalb sollte man das Buch lesen.

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          Wegen des Wohnwerts zieht Christoph Keese nicht mit seiner Familie für ein halbes Jahr nach Palo Alto. Die Landschaft ist zwar spektakulär, die Architektur aber ist grauenhaft. Die Bürogebäude: „Pappschachteln aus Beton“, eine neben der anderen. Die privaten Domizile: stilisierter Pomp. San Francisco würde naheliegen, Berkeley vielleicht. Aber Palo Alto? Ja, Palo Alto, denn Keese ist nicht zum Vergnügen hier. Er unternimmt eine Forschungsreise. Sie führt ihn auf einen anderen Planeten und zugleich ins neue Machtzentrum der Welt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Denn hier hocken sie alle - die großen Internetkonzerne, die kleinen Start-ups und die Finanziers des digitalen Wandels. Hier leben und arbeiten die, die über uns so gut wie alles wissen, während sie von sich selbst so gut wie nichts preisgeben. Sie verdienen mit unseren Daten Milliarden, beherrschen den Informationskreislauf, sind aber weder per E-Mail noch per Handy zu erreichen. Man muss den neuen Herren der Welt auf die Pelle rücken, um genau zu erfahren, warum und wie sie die bestehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse aus den Angeln heben.

          Man muss ihr Nachbar sein, man muss zum Barbecue gehen, die Kinder müssen auf derselben Schule angemeldet werden. Plötzlich ist man drin. Christoph Keese war drin. Was er erfahren hat, verrät er in seinem ebenso leichthändig formulierten wie tiefgründig lehrreichen Buch „Silicon Valley“ (Knaus Verlag, 19,99 Euro).

          Klassenausflug nach Kalifornien

          Was sich in diesem Tal, in diesem Städtchen tut, ist zunächst einmal beeindruckend, im Kleinen wie im Großen. Es gibt ein geradezu dörflich anmutendes Gemeinschaftsleben, die Firmen sind scheinbar organisiert wie große Familien, man hilft sich, vermittelt Kontakte, teilt sein Wissen, jeder weiß, woran der andere gerade arbeitet, und das Ganze ist geprägt von Wagemut und Effizienz und führt zu Produkten, die sich weltweit verkaufen und Märkte neu definieren. Zu jedem Bedürfnis eine App, zu jedem Wunsch, von dem wir noch gar nichts wissen, die Erfüllung im Handumdrehen. Und die Menschen lieben, was sie bekommen, und sie denken nicht darüber nach, was sie dafür aufgeben - ihre Privatsphäre, ihre Jobs, ihre Freiheit.

          Die großen Internetkonzerne, schreibt Christoph Keese, seien „gefürchtet für ihren Willen, den Rest der Welt in digitale Kolonien ohne Mitspracherecht zu verwandeln“. Aus der Nähe aber sehen sie ganz friedlich aus. Und alle wollen nur das Beste für uns und für die Welt - die Entwickler, die Unternehmer, die Risikokapitalgeber und die Universitätslehrer von Stanford, die mit den Konzernen eng verbunden sind. Alle, die Christoph Keese trifft, haben eine Mission. Welche Folgen diese für den Rest der Menschheit hat, verrät Keese am Ende auch.

          Die Dienstreise, die der Executive Vice President von Axel Springer gemeinsam mit dem „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann und zwei weiteren Managern ins Silicon Valley unternommen hat und von der dieses Buch handelt, ist hierzulande anfangs belächelt worden, als kauziger Klassenausflug nach Kalifornien. Dass es sich aber um einen lehrreichen Trip handelte, beweist inzwischen Springers Investitionspolitik: Gesucht sind Möglichkeiten, im Digitalen Erfolg zu haben und Geld zu verdienen.

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