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„Die Auferstehung“ im Ersten : Sie wollen nur das eine

Besser man regelt vieles zu Lebzeiten: Am Totenbett des Vaters und Schwiegervaters (Peter Maertens) versammeln sich Uli (Michael Rotschopf), Lindas Ehemann Fred (Herbert Knaup), Linda (Leslie Malton), Ulis Ehefrau Franziska (Brigitte Zeh), Joschi (Joachim Król) und Jakob (Dominic Raacke). Bild: SWR

Geschwisternahkampf ums Erbe: In „Die Auferstehung“ im Ersten wird gespuckt und geschlagen. Zwar sticht nicht jede Dialogzeile, doch als reinigendes Gewitter funktioniert der Film von Niki Stein großartig.

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          Wer an Yasmina Rezas Kammerspiel „Der Gott des Gemetzels“ seine helle Freude hatte – sei es im Theater oder Kino –, darf sich auf diesen Mittwochsfilm im Ersten freuen. In „Die Auferstehung“ nach dem gleichnamigen Roman von Karl-Heinz Ott geht es allerdings nicht um Erwachsene, die sich wegen Querelen unter Kindern an die Gurgel gehen, sondern um vier erwachsene Kinder, die am Totenbett ihres Vaters verbal die Messer wetzen, weil es ums Erbe geht – also ums Ganze.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Regisseur Niki Stein setzt nach einem Drehbuch von Karl Heinz Käfer ein bestens aufgelegtes Ensemble in Szene: Joachim Król gibt im formlosen Wollstrickpullover den Altrevoluzzer Joschi; Leslie Malton spielt die zur Furie mutierende Schwester Linda, die sich für eine wahnsinnig bedeutsame Kulturzentrumskuratorin hält; Dominic Raacke tritt als verknautscht-erfolgloser Filmemacher Jakob auf und Michael Rotschopf als Nesthäkchen Uli, dem gerade die Ehe mit der sehr viel jüngeren Franziska (Brigitte Zeh) um die Ohren fliegt. Lindas Ehemann Fred (Herbert Knaup), seines Zeichens Volkshochschul-Philosoph, betrinkt sich angesichts all dessen konsequent mit Tokajer, den er aus dem wegen Rohrbruchs überfluteten Keller holt, und schwadroniert mit Jakob über Blaise Pascal und Hegel.

          Was man schon immer mal loswerden wollte

          Dabei interessiert alle doch nur das eine: Was steht in dem verdammten Testament, nach dem Linda erfolglos das Haus durchwühlt? Sie findet bloß Pornofilme und Negligés, was die moralisch scheinheilig überhöhten Erbschleicher-Ängste der Nachkommen weiter befeuert. Der von seinen Kindern entfremdete Alte nämlich, angeblich verwirrt, wurde von einer Ungarin versorgt, die offenbar mehr war als nur eine Pflegerin. Das Ferienhaus und das Auto sind schon an sie verloren. Und der Rest?

          Stunden des Wartens auf den Münchner Rechtsanwalt Max (Mathieu Carrière), der pikanterweise ein früherer Beinahe-Gemahl Lindas ist und von dem alle erwarten, dass er das Testament nicht nur in Händen habe, sondern sich gegebenenfalls auch zu dessen Verschwindenlassen überreden ließe, bieten den Geschwistern und Angeheirateten Gelegenheiten genug, sich all das an den Kopf zu werfen, was man schon immer loswerden wollte. Epizentrum des Familienbebens ist Linda, als die Leslie Malton an der Grenze zum Überdrehen alles gibt: Sie fuchtelt, schreit, heult, rollt die Augen, fleht und brüllt heraus, was die anderen doch für Versager seien. Dass sie doch am meisten für Papa getan habe. Dass seine Söhne für ihn eine einzige Enttäuschung gewesen seien.

          Während der Vater (Peter Maertens), dem in alberner Andacht ein Weihnachtsengel mit Kerze beisteht, reglos auf dem Sofa liegt (seine Todesursache wollen die Kinder lieber verschweigen), entzündet sich im Druckraum des trauten Heims ein Konflikt nach dem anderen, und wir sind mittendrin (Kamera Michael Schreitel). Wer hat schon wie viel Geld bekommen? Wer ist für eine Urnenbestattung im Friedwald, und wer dafür, dass Vater zu Mutter ins Grab kommt? Wie ist das mit dem Pflichtteil? Joschi fühlt sich gekränkt, weil in seinem früheren Kinderzimmer eine Sonnenbank steht, während die Räume der Brüder unberührt geblieben sind. Franziska macht sich an Jakob ran. Es wird gespuckt und geschlagen. Und Max, der schließlich als eiskalter Mann des Gesetzes die Bühne dieses unblutigen Massakers betritt, hat leichtes Spiel.

          So viel Katharsis in anderthalb Stunden Spielzeit muss man erst einmal ertragen, und nicht jede Dialogzeile sticht. Dennoch gerät das reinigende Gewitter furios. Als es vorbei ist, haben die Figuren vermutlich nichts gelernt, vielleicht aber der Zuschauer: Besser, man regelt so einiges zu Lebzeiten. Am besten in einem friedlichen Rahmen. Und: Wohl dem Manne, der die Einsamkeit des Alters mit einer schönen Ungarin teilt.

          Die Auferstehung, heute, 20.15 Uhr im Ersten.

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